TVB will sich vom BHC absetzen

Die für Deutschland so erfolgreiche Europameisterschaft ist vorüber, jetzt geht es wieder los mit der DKB Handball Bundesliga. Gleich zum Auftakt trifft der TVB 1898 Stuttgart auf den Bergischen HC und möchte mit einem Erfolg in diesem Heimspiel den Abstand auf einen Abstiegsplatz, den derzeit der kommende Gegner mit sieben Zählern auf der Habenseite einnimmt, auf vier Punkte ausbauen und sich gleichzeitig näher an das Tabellenmittelfeld heranpirschen.

Wir alle haben noch diese emotionalen Bilder aus Krakau vor Augen, als Deutschland mit einer grandiosen Leistung Europameister wurde. Das junge deutsche Team war in Polen über sich hinaus gewachsen, hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert und ließ auch im Endspiel den routinierten Spaniern keine Chance. Bei diesem 24:17 Erfolg war vor allem die Abwehr und Torhüter Andreas Wolf überragend. „Dieser Titel wird einen Boom auslösen“, verspricht Johannes Bitter, der Weltmeister von 2007. Und der ist seit 2016 nun ein WILD BOY.

Die Insolvenz der Spielbetriebs-GmbH des HSV Handball machte dies möglich. In der Hansestadt wurde das Lizenzierungsverfahren der HBL mit Füßen getreten und die Verantwortlichen erschlichen sich die Lizenz für die DKB Handball Bundesliga mit einer fingierten Patronatserklärung. Die Leidtragenden sind, wie bei solchen Insolvenzen üblich, wieder einmal die Spieler. Sie haben die Hansestadt längst verlassen und sind jetzt im Ausland oder bei anderen Bundesligisten untergekommen. So auch Johannes „Jogi“ Bitter, der sich im Januar den WILD BOYS anschloss. „Es ist für uns ein tolles Signal, dass sich Johannes Bitter für uns entschieden hat. Mit ihm bekommen wir einen absoluten Leistungsträger auf der so wichtigen Torhüterposition“, freute sich TVB 1898 Stuttgart Geschäftsführer Jürgen Schweikardt über den Königstransfer und bedankte sich gleichzeitig bei den Partnern und Sponsoren, die diesen hochkarätigen Zugang möglich gemacht haben.

Sie haben sich damit eindeutig zum TVB 1898 Stuttgart und zum Bundesliga-Standort Stuttgart bekannt. Nun liegt es an den WILD BOYS, diesen Vertrauensvorschuss mit einer starken Leistung im Heimspiel am Sonntag zurückzuzahlen. Aber das wird alles andere als einfach, da auch der Kontrahent jeden Zähler im Kampf um den Klassenerhalt benötigt. „Das sind zwei Mannschaften auf Augenhöhe“, bekennt TVB 1898 Stuttgart Coach Thomas König, der mit seinem Team in der Vorrunde beim 21:21 einen ganz wichtigen Punkt in Solingen ergatterte. „Wir müssen die offensive Abwehr des Bergischen HC mit viel Bewegung ohne Ball knacken“, gibt der WILD BOYS Trainer als Marschroute vor. Dabei war die Vorbereitung auf die Rückrunde bei den Gastgebern mit einigen Problemen behaftet. Mit Simon Baumgarten, Lars Friedrich, Kasper Kisum, Djibril M’Bengue, Michael Schweikardt und Dominik Weiß waren gleich sechs Leistungsträger verletzt. Am Sonntag werden die meisten von ihnen wieder einsatzfähig sein und dabei helfen, das Heimspiel gegen den Bergischen HC erfolgreich zu gestalten.

Auch die Gäste, die 2006 aus dem Zusammenschluss der SG Solingen und dem LTV Wuppertal, den beiden populärsten Handballvereinen im Bergischen Land, hervorgingen, haben sich beim insolventen HSV Hamburg bedient und nahmen den polnischen Jungnationalspieler Maciej Majdzinski unter Vertrag. Dieser unterschrieb einen Kontrakt bis zum 30. Juni 2018. Um diesen Vertrag in der DKB Handball Bundesliga erfüllen zu können, sind Erfolge notwendig, wie BHC-Kapitän Viktor Szilagyi im Interview mit dem hauseigenen BHC-TV betont. Und mit dem Siegen will der Bergische HC nun am Sonntag in Stuttgart beginnen. „Tabellarisch können wir den TVB 1898 Stuttgart am ersten Spieltag der Restrunde hinter uns lassen“, so Szilagyi, der weiter betont: „Ab diesem Spiel müssen wir ein Feuerwerk abbrennen, und man muss merken, dass die Mannschaft mit einem klaren Ziel in diese Partie geht.“ Diese klare Ansage kann nur bedeuten, dass das Gästeteam am Sonntag voll motiviert in die Begegnung gehen und die Zähler nicht kampflos in Stuttgart abgeben wird. Hieran will sicherlich auch der isländische Nationaltorhüter Björgvin Pall Gustavsson mitwirken.

Man kann also anhand der Aussagen von Szilayi unschwer erkennen, dass den WILD BOYS am Sonntag ein absolut schweres Heimspiel ins Haus steht. „Wir müssen unseren Heimvorteil nutzen“, stellt TVB 1898 Stuttgart Coach Thomas König fest, der dabei auf eine starke Abwehr und natürlich auch auf das Publikum in der Stuttgarter SCHARRena setzt. Die WILD BOYS werden auf jeden Fall voller Engagement und Einsatzfreude in dieses wichtige Spiel gehen, um diese Begegnung für sich zu entscheiden und damit ein Vier-Punkte-Polster herauszuwerfen.

Quelle: Joachim Gröser, TVB