TVB-Trainer König freut sich über Rang 14

20 von 34 Spielen sind durch – und Thomas Königs Traumfinale ist durchaus realistisch: Am letzten Spieltag möchte der Trainer des TVB 1898 Stuttgart gemeinsam mit dem THW Kiel eine Meisterschafts- und Nichtabstiegsparty feiern. Der THW hat zwei Punkte Rückstand auf Rang eins, der Aufsteiger steht auf Platz 14. „Das war nicht unbedingt zu erwarten“, sagt König.

Der Dezember ist stets vollgepackt mit Spielen, ehe die Erstligisten ihre siebenwöchige Spielpause antreten. Wer nicht bei Welt- oder Europameisterschaften zugange ist, die seit Jahren traditionell im Januar über die Bühne gehen, hat nun ein paar Tage Muße. Die Spieler des TVB treffen sich am 13. Januar zur ersten gemeinsamen Übungseinheit, bis dahin kann auch der Trainer durchschnaufen und ein bisschen Abstand gewinnen. So gut es eben geht, schließlich war die erste Saisonhälfte ziemlich nervenaufreibend.

Nach 17 Spielen, zum Hinrundenende also, stand der TVB mit 8:26 Punkten auf dem 14. Tabellenplatz und mit zwei Punkten Luft auf den ersten Nichtabstiegsrang. Mittlerweile sind drei Partien der Rückrunde absolviert, und die Ausgangsposition hat sich nur unwesentlich verschlechtert: 14. ist der TVB nach wie vor, das Polster allerdings ist auf einen Zähler geschmolzen. Doch immerhin hat der TVB von den fünf stark gefährdeten Teams die zweitbeste Tordifferenz. Die könnte, falls es am Ende eng werden sollte, entscheidend sein.

„Jetzt gilt es, die restlichen 14 Spiele irgendwie zu überleben“, sagt der Trainer Thomas König – und stellt die wichtigste Erkenntnis vorne an. „Wir stehen nach 20 Spielen auf einem Nichtabstiegsplatz.“ Dort, wo viele den dritten und damit augenscheinlich schwächsten Aufsteiger nicht erwartet hatten. Dabei hat der TVB nicht nur den Mitaufsteiger ThSV Eisenach hinter sich gelassen, sondern auch den HBW Balingen-Weilstetten, den Bergischen HC und den TuS Nettelstedt-Lübbecke. Allesamt Teams, die eine ganze Reihe aktueller Nationalspieler aufbieten. Diesbezüglich hält der TVB lediglich mit dem türkischen Nationalkeeper Yunus Özmusul dagegen.

Die fehlende Erfahrung, auch auf höchster nationaler Ebene, hat dem TVB in der Hinserie womöglich den einen oder anderen Punkt gekostet. Immer wieder monierte der Trainer die fehlende Konstanz seiner Spieler, zu schwankend waren die Darbietungen. „Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison“, sagt König. Je mehr Erfahrung ein Spieler habe, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass er die richtigen Entscheidungen treffe, so der Coach. „Trotzdem haben wir ein gewisses Niveau, sonst würden wir nicht mit so vielen Mannschaften mithalten.“

Zufrieden ist König nicht nur mit dem Tabellenplatz, dem „fantastischen“ Zuschauerzuspruch und dem Umfeld, er lobt auch die Entwicklung einzelner Spieler und die verbesserte Offensive. „Wir machen spielerisch gute Sachen. Und wir haben innerhalb der Spiele immer wieder sehr, sehr gute Phasen.“ Die reichten zu immerhin neun Punkten. Gegen den starken Mitaufsteiger Leipzig holte der TVB die ersten beiden, den zweiten Sieg gab’s beim Abstiegskonkurrenten Balingen-Weilstetten. Die Spiele gegen die anderen Kontrahenten aus der Abstiegszone endeten durchweg remis.

Da hätte die Bilanz besser, aber auch schlechter ausfallen können. So lag der TVB im Hinspiel in Eisenach drei Minuten vor dem Ende noch mit zwei Toren im Hintertreffen, gegen Lübbecke traf Michael Schweikardt mit der Schlusssirene per Siebenmeter zum 33:33 – allerdings nach der 20:13-Führung. Beim Bergischen HC erzielte Michael Spatz zwei Sekunden vor dem Ende mit einem Strafwurf den 21:21-Endstand, im Rückspiel gegen Eisenach (30:30) war er zwei Minuten vor dem Ende erfolgreich.

Auch beim 37:37 gegen den VfL Gummersbach rettete der Rechtsaußen dem TVB den Teilerfolg. Viel hätte nicht gefehlt und die Bittenfelder hätten auch im Rückspiel (24:25) nach schwachen ersten 30 Minuten und einer fulminanten Aufholjagd mit der finalen Aktion einen Punkt mitgenommen. Dabei musste der TVB ohne die verletzten Lars Friedrich, Michael Schweikardt und Florian Schöbinger auskommen. „Sie waren in der vergangenen Saison wichtige Größen im Spiel des TVB“, so König. „Und trotzdem haben wir dagegengehalten.“

Die Tatsache, dass sein Team langfristigen Ausfällen von Leistungsträgern getrotzt hat, stimmt König hoffnungsvoll. „Wir haben gezeigt, dass wir beispielsweise auch ohne Lars gewinnen können.“ Der Linkshänder Friedrich fehlt wegen einer Schambeinentzündung bereits seit dem zehnten Spieltag. Ob er nach der EM-Pause wieder einsatzfähig sein wird, ist ungewiss.

Friedrich war nicht der einzige wichtige Spieler, auf den der Trainer längere Zeit verzichten musste: Florian Schöbinger kehrte nach seiner Knieverletzung aus der vergangenen Saison erst am siebten Spieltag wieder in den Kader zurück, Alexander Heib (Schulteroperation) ist seit drei Spielen wieder dabei. Der Torhüter Dragan Jerkovic fiel wegen eines Mittelhandbruchs neun Spiele aus, Michael Schweikardt musste in den letzten beiden Partien wegen eines Nasenbeinbruchs passen.

Die Nase des Spielmachers ist nach einer Operation wieder in Form. Die Spieler haben viereinhalb Wochen Zeit, sich in einen ähnlichen Zustand zu versetzen.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW