Aufholjagd des TVB wird nicht belohnt

Beinahe hätten die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart im letzten Spiel vor der EM-Pause gestern einen Punkt aus Gummersbach mitgenommen: In der ausverkauften Schwalbe-Arena unterlag der TVB dem VfL mit 24:25 (7:15). Nach einem zwischenzeitlichen Neun-Tore-Rückstand hatte der Aufsteiger Sekunden vor dem Ende noch die Chance zum Ausgleich.
Die erste Zeitstrafe nach 55 Sekunden, drei Fehlwürfe, zwei technische Fehler, 0:3-Rückstand nach sieben Minuten: Der TVB startete vor 4132 Zuschauern unkonzentriert in die Partie. 6:2 führten die Gummersbacher nach 14 Minuten – und brauchten hierzu kein Tor aus dem Positionsangriff, sondern nutzten die vielen Fehler des TVB zu Kontertreffern und Siebenmetern.
Nach einer Viertelstunde schienen sich die Gäste, bei denen Florian Schöbinger mit einer Nackenverletzung kurzfristig passen musste, gefangen zu haben. Dominik Weiß verkürzte auf 5:7. Es folgten acht Minuten zum Vergessen aus Bittenfelder Sicht: Der VfL zog nach technischen Fehlern und Fehlwürfen des TVB auf 13:5 davon und ging mit der deutlichen 15:7-Führung in die Halbzeit. Es passte ins Bild des schwachen Bittenfelder Auftritts, dass der ansonsten so sichere Siebenmeterschütze Michael Spatz zweimal an Nationalkeeper Carsten Lichtlein gescheitert war. Am Ende der 60 Minuten vergaben die Gäste fünfmal vom Strich.
Es war indes so ziemlich die einzige Schwäche, die sich in die zweiten 30 Minuten hineinzog. Der TVB entdeckte doch noch sein Kämpferherz und ließ sich auch nicht von zwei technischen Fehlern und dem schnellen 7:16-Rückstand entmutigen. In einer starken Phase pirschten sich die Bittenfelder innerhalb von nur 13 Minuten mit einem 9:4-Lauf bis auf 16:20 heran (44.) – auch, weil der Torhüter Dragan Jerkovic immer besser ins Spiel kam.
Die Gummersbacher hatten den Faden verloren und der TVB witterte seine Chance. Der VfL-Trainer Emir Kurtagic versuchte mit einer Auszeit, sein Team wieder in die Spur zu bekommen. Doch die Gäste waren nun psychologisch im Vorteil. Djibril M’Bengue verkürzte auf 18:20 (48.). Zwei Zeitstrafen gegen den TVB und drei verworfene Siebenmeter spielten den Gummersbachern anschließend jedoch in die Karten. Beim 24:20 vier Minuten vor dem Ende sah der VfL wie der sichere Sieger aus. Doch wie schon so oft in dieser Saison, präsentierten sich die Bittenfelder in der Schlussphase hellwach und mutig.
Tobias Schimmelbauer und M’Bengue brachten ihr Team auf 22:24 heran, Julius Kühn sorgte mit dem 25:22 zwei Minuten vor dem Ende für die – vermeintliche – Vorentscheidung. Nach einem Doppelschlag durch Finn Kretschmer und Kasper Kisum zum 24:25 zitterten den Gummersbachern in der finalen Minute die Hände: Sie verloren zum wiederholten Mal den Ball, so dass der TVB sechs Sekunden vor der Schlusssirene noch einmal in Ballbesitz kam.
Dominik Weiß scheiterte jedoch mit dem letzten Wurf an Lichtlein. Der TVB verpasste die Überraschung, kann sich aber damit trösten, nach einem zunächst unterirdischen Auftritt die zweiten 30 Minuten mit 17:10 für sich entschieden zu haben. Und er geht auf einem Nichtabstiegsplatz in die Spielpause.
VfL Gummersbach: Lichtlein, Puhle; Schröter (2), Ernst (3), Kühn (6), Persson (2), Baumgärtner, Zufelde, Jonsson (3/2), von Gruchalla (1), Pevnov, Becker, Schröder (2), Santos (6/3).
TVB 1898 Stuttgart: Jerkovic, Özmusul; Schimmelbauer (3), Kienzle, Weiß (6), Kisum (5), M’Bengue (5), Coric, Baumgarten (1), Fotache, Heib, Seiz, Kretschmer (1), Spatz (3/3).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW