TVB mit Chance auf vier Punkte Polster

Die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart haben die große Chance, sich einen Vier-Punkte-Vorsprung auf die Abstiegsränge zu verschaffen. Voraussetzung ist ein Sieg gegen den Mitaufsteiger ThSV Eisenach an diesem Freitag in der ausverkauften Scharrena. „Das wird aber ein langer Weg“, sagt der TVB-Trainer Thomas König. „Wir brauchen viel Geduld.“

Die Handball-Bundesliga erlebt derzeit alles andere als eine besinnliche Vorweihnachtszeit, es rumpelt an allen Ecken und Enden. Der SC Magdeburg, mit 18:16 Punkten hinter den eigenen Erwartungen zurück, trennte sich von seinem Trainer Geir Sveinsson. Beim Pokalsieg gegen Göppingen am Mittwoch war bereits der frühere SCM-Spieler Bennet Wiegert verantwortlich. Beim abstiegsgefährdeten HBW Balingen-Weilstetten musste Markus Gaugisch nach der 24:25-Niederlage am Sonntag gegen den TVB seine Koffer packen. Und der finanziell angeschlagene HSV Hamburg könnte demnächst komplett von der Handball-Landkarte verschwinden.

Auch über der Eisenacher Wartburg hängen dunkle Gewitterwolken. Nach der 24:36-Schlappe gegen Hannover drohte der wutschnaubende Trainer Velimir Petkovic mit personellen Konsequenzen vor dem Spiel beim TVB – und kramte ganz tief in seiner Erinnerungskiste. „Das war eine der schlechtesten Leistungen einer von mir in 27 Trainerjahren betreuten Mannschaft“, sagte er. Es sei gut möglich, dass der eine oder andere Spieler am Freitag in Stuttgart nicht auf dem Feld stehen werde.

Nicht immer ganz rund ist es auch beim TVB in der Hinrunde gelaufen, dennoch haben die Verantwortlichen die Ruhe bewahrt. Und natürlich war der 25:24-Sieg in Balingen Balsam für die Seele und zugleich ungemein wichtig fürs Punktekonto. Für den TVB-Trainer Thomas König könnten die jüngsten Trainerentlassungen ein Indiz dafür sein, dass der eine oder andere Verein angesichts der Tabellensituation langsam nervös werde. „Die Konkurrenz sieht, dass die Aufsteiger kein Kanonenfutter sind“, sagt er. Leipzig halte sehr gut mit, der TVB sei auf einem guten Weg. „Viele haben erwartet, dass wir nach dem Ende der Hinrunde auf einem Abstiegsplatz stehen.“

Fast noch wichtiger als das Spiel in Balingen

An diesem Freitag könnte der TVB seine Ausgangsposition weiter verbessern. Bei einem Sieg gegen den Mitaufsteiger Eisenach vergrößerte sich der Abstand auf die Abstiegsränge voraussichtlich auf vier Punkte. „Das Spiel ist für uns fast noch wichtiger als das gegen Balingen“, sagt König.

Enorm bedeutend ist es freilich auch für die Gäste, deshalb dürfen sich die Fans in der ausverkauften Scharrena – wie eigentlich immer gegen Eisenach –, auf einen besonders heißen Kampf einstellen. Eisenach werde mit aller Macht versuchen, den Abstand zum TVB zu verringern. „Wir müssen und werden dem Gegner genauso kämpferisch gegenübertreten“, so König.

Spannend ging’s im Hinspiel zu. Nach dem 23:27-Rückstand erkämpfte sich der TVB beim 28:28 noch einen Punkt und hätte um ein Haar noch den zweiten mitgenommen in der dramatischen Schlussphase. Doppelt gepunktet haben die Eisenacher in dieser Spielzeit beim 31:30 gegen den Tabellenletzten TuS Nettelstedt-Lübbecke und 33:31 gegen den Drittletzten HBW Balingen-Weilstetten. Ansonsten schwankten die Leistungen des Teams – wobei der Trainer Velimir Petkovic zuletzt gegen Gummersbach (28:32) und Magdeburg (24:27) trotz der Niederlagen einen deutlichen Aufwärtstrend erkannt hat. In der jüngsten Partie indes gegen den TSV Hannover-Burgdorf brachen die Eisenacher nach dem 17:20-Rückstand in den letzten 20 Minuten komplett ein und unterlagen mit 24:36.

Dabei feierte in diesem Spiel der zehnte Neuzugang der Eisenacher in dieser Saison seinen Einstand: Vom französischen Champions-League-Teilnehmer Montpellier lockte Petkovic den slowenischen Nationalspieler Borut Mackovsek unter die Wartburg. Zumindest physisch passt der 2,03 Meter große Rückraumspieler prima ins körperlich äußerst präsente Team: Bogdan Criciotoiu, den König aus gemeinsamen Friesenheimer Zeiten kennt, misst 1,96 Meter, Dusko Celica 1,98, der noch verletzte Azat Valiullin 2,07 und Patrik Hruscak 2,06. „Wir brauchen in der Abwehr wieder eine gesunde Mischung aus Offensive und Kompaktheit“, sagt König. „Und im Angriff viel Geduld.“

Alexander Heib wird erstmals wieder im Kader stehen. Ob’s schon zu einem Einsatz reicht, ist offen. Djibril M’Bengue kränkelte unter der Woche. Er wird jedoch ebenso am Start sein wie Yunus Özmusul, der nach seiner Kapselverletzung voll trainiert hat.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW