Kein Sieger im hitzigen Aufsteiger-Duell

Im Duell der Aufsteiger in die 1. Handball-Bundesliga hat der TVB 1898 Stuttgart gestern vor 2251 Fans in der ausverkauften Scharrena den so wichtigen Sieg gegen den ThSV Eisenach verpasst. Der herausragende Michael Spatz versenkte den Ball beim 30:30 (15:16) zwar 14 Mal im gegnerischen Kasten. Einen ganz schwachen Tag indes erwischten die TVB-Keeper.
Kurz vor Weihnachten präsentierte der TVB seinen Fans eine 1,96 Meter große und 106 Kilogramm schwere Überraschung: In Verhandlung mit Viorel Fotache sind die Bittenfelder schon seit einigen Tagen gewesen, ein paar Stunden vor der Partie gegen den ThSV Eisenach erteilte der rumänische Verband dem 26-jährigen Abwehrspezialisten vom Champions-League-Teilnehmer Baia Mare doch noch die Freigabe.
Dem Debüt stand also nichts mehr im Wege – und es endete sechs Minuten vor dem Spielende mit der dritten Zeitstrafe. Dieses Malheur indes war nicht spielentscheidend. In der wie erwartet äußerst umkämpften und gegen Ende ziemlich ruppigen Partie lief der TVB, wie in der Vorwoche in Balingen, meist einem knappen Rückstand hinterher. In der Schlussminute vereitelte der Eisenacher Keeper Jan-Steffen Redwitz zweimal gegen den ansonsten guten Dominik Weiß den Bittenfelder Siegtreffer. Paraden wie die von Redwitz hätte sich auch das Heimteam gewünscht, doch Dragan Jerkovic und Yunus Özmusul erwischten einen ganz schwachen Tag. Mit fünf Paraden in 60 Minuten ist eigentlich kein Spiel zu gewinnen.
Das Duell der Liga-Neulinge startete recht kurios: Die ersten drei Treffer des TVB zur 3:2-Führung erzielte Michael Spatz vom Siebenmeterstrich. Der Rechtsaußen lief gestern zu großer Form auf, hielt sein Team mit spektakulären Treffern im Spiel gegen einen sehr unangenehmen Gegner. Von einer Verunsicherung nach dem Debakel gegen Hannover war bei den Gästen jedenfalls nichts zu spüren. Der Trainer Velimir Petkovic hatte sein Team hervorragend auf den TVB eingestellt. Die langen, von Spielmacher Olafur Ragnarsson initiierten und von den schwachen Schiedsrichtern Sebastian Grobe und Adrian Kinzel oft viel zu spät oder gar nicht mit Zeitspiel unterbundenen Angriffe, endeten häufig mit einem – allerdings auch viel zu einfachen –, Treffer. Die TVB-Defensive war mitunter körperlich und geistig eine Idee zu langsam und hatte vor allem Probleme mit dem starken Eisenacher Neuzugang Borut Mackovsek.
Die Gäste spielten variabel, beim TVB konzentrierten sich die Aktionen im Rückrau vornehmlich auf Weiß. Djibril M’Bengue, offensichtlich noch von seiner Krankheit geschwächt, hatte große Probleme mit der aggressiven Eisenacher Deckung.
Die Gäste drehten den 4:6-Rückstand nach 20 Minuten zur 11:9-Führung. Der TVB-Trainer Thomas König wechselte in der Abwehr kräftig durch, richtig dicht wurde sie jedoch zunächst nicht. So ging das Heimteam mit dem 15:16-Rückstand in die Halbzeit.
Deutlich wacher und energischer kehrte der TVB aus der Pause zurück. Eisenach hatte mehr Mühe, seine Rückraum-Shooter in Position zu bringen. Dennoch hechelten die Bittenfelder einem knappen Rückstand hinterher. Özmusul, inzwischen für Jerkovic im Tor, agierte ebenso glücklos. Als der starke Eisenacher Tomas Urban sein Team nach 45 Minuten mit 25:22 in Vorteil brachte, sah’s nicht gut aus für den TVB.
Doch wie in Balingen, ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen, kämpfte unverdrossen weiter. Acht Minuten vor dem Ende war’s soweit: Spatz drehte die Partie zum 27:26. Ein weiterer haltbarer Hüftwurf von Bogdan Cricitoiu brachte den 27:27-Ausgleich – dann wurde die Partie zunehmend hektischer und härter. Fotache bekam die – umstrittene – dritte Zeitstrafe aufgebrummt. Urban holte die Führung für die Gäste beim 29:28 wieder zurück (57.). Nachdem Nicolai Hansen für zwei Minuten auf die Strafbank musste, stoppte Adrian Wöhler Michael Schweikardt mit einem rüden Foul. Für den Spielmacher war die Partie damit beendet, für Wöhler mit der Roten Karte ebenfalls.
Spatz glich zum 29:29 aus, dann kassierte der TVB in Überzahl das 29:30. Wieder war Spatz zur Stelle, egalisierte zum 30:30. Um ein Haar hätte sich der TVB 1898 Stuttgart mit dem finalen Wurf doch noch den zweiten, so wichtigen Punkt geschnappt. Diesmal indes war das Glück auf der Seite des Gegners.
TVB 1898 Stuttgart: Jerkovic, Özmusul; Schimmelbauer (3), Schöbinger, Weiß (6), Schweikardt (1), Kisum, M’Bengue (1), Coric (1), Baumgarten (2), Kretschmer (1), Spatz (14/8), Fotache (1).
ThSV Eisenach: Verkic, Redwitz; Wöhler (1), Luther, Celica, Ragnarsson (4), Hruscak, Hansen (3), Urban (9), Holzner (1), Schliedermann,, Koloper (1), Mackovsek (7), Criciotoiu (4).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW