TVB schnappt sich auf der Zielgeraden die Punkte

Der zweite Saisonsieg des TVB 1898 Stuttgart in der 1. Handball-Bundesliga ist ein eminent wichtiger gewesen: In einem hart umkämpften und ungemein spannenden württembergischen Derby setzte sich der TVB gestern Nachmittag beim bis dato punktgleichen HBW Balingen-Weilstetten mit 25:24 (11:12) durch und bleibt damit auf einem Nichtabstiegsplatz.
Die „Hölle Süd“, wie die Balinger Sparkassen-Arena bei den Fans genannt wird, machte ihrem Namen alle Ehre: Vor mit 2300 Zuschauern ausverkauftem Haus ging es heiß her im wichtigen Derby, in dem der HBW Balingen-Weilstetten und der TVB 1898 Stuttgart die Punkte im Abstiegskampf so dringend benötigten. Am Ende tanzten die Gäste auf dem Spielfeld und feierten mit den mitgereisten Fans den zweiten Saisonsieg. Der Trainer des glücklichen Siegers indes schaute bei der Pressekonferenz eine Viertelstunde nach Spielschluss drein, als habe er soeben das entscheidende Spiel um den Ligaverbleib verloren. „Ich bin immer noch fix und fertig“, sagte der sichtlich gestresste Thomas König.
Der Coach hatte zuvor einige Höhen und Tiefen zusammen mit seiner Mannschaft durchlebt. Das Derby entwickelte sich von Beginn an so, wie es erwartet worden war: Es war kein Spiel für Feinschmecker, Kampfkraft und Einsatzwillen waren Trumpf. Und es ging ordentlich zur Sache.
Beide Teams versuchten, die Partie über ihre Defensivreihen zu entscheiden. Während die Balinger den Spielfluss des TVB mit ihrer gewohnten 3:2:1-Deckung zu stören versuchten, vertrauten die Gäste auf eine etwas defensivere Variante mit Florian Schöbinger und Dominik Weiß im Innenblock.
Die Angriffsreihen hatten mit beiden Varianten ihre Probleme. Einen schweren Stand hatte der TVB-Kreisläufer Simon Baumgarten gegen die von HBW-Neuzugang Davor Dominikovic sehr gut organisierte Deckung, der Balinger Trainer Markus Gaugisch hatte sein Team prima auf das gefährliche Gespann Michael Schweikardt/Simon Baumgarten eingestellt. Auch der Shooter Djibril M’Bengue kam gegen die flinken und aggressiven Balinger selten zur Geltung.
2:2 stand’s nach fünf, 4:4 nach zehn Minuten zähen Ringens. Dann erspielten sich die Balinger leichte Vorteile – geschuldet der einen oder anderen unglücklichen Aktionen der Bittenfelder. Tobias Schimmelbauers Zeitstrafe war ebenso unnötig wie die M’Bengues, die Balinger spielten ihre Überzahl geschickt über die Außenpositionen aus und gingen durch Dennis Wilke mit 7:5 in Führung (15.).
Der gute Michael Spatz sorgte mit einem Doppelschlag für den 7:7-Ausgleich (16.). Zu mehr indes reichte es zunächst nicht, weil sich die Gäste mit etlichen leichten Fehlern selbst im Weg standen. Mit einem Fehlabspiel, einem Stürmerfoul und nach 20 Minuten bereits der dritten Zeitstrafe machte sich der Aufsteiger das Leben schwer und musste sich mühsam im Spiel halten. Das gelang dank des durchsetzungsstarken Teo Coric, der zwischenzeitlich für Baumgarten gekommen war, und dank der unermüdlich rackernden Abwehr vor Dragan Jerkovic. Der TVB-Keeper, der am Mittwoch seinen 40. Geburtstag feierte, hielt wichtige Bälle.
Im Angriff indes fehlten dem TVB die Ideen und bisweilen der Mumm, so ging er mit dem 11:12-Rückstand in die Halbzeit.
Auch nach der Pause rannten die Gäste zunächst einem knappen Rückstand (11:13/13:15/14:16) hinterher. Das lag zum einen daran, dass sie sich wiederholt Zeitstrafen einhandelten in eher harmlosen Situationen. Zum anderen hatte der TVB auch Pech, weil etliche Abpraller in den Händen des HBW landeten. Das Heimteam wirkte beweglicher, entscheidende Vorteile jedoch erspielte es sich nicht, weil der TVB weiterhin nicht klein beigab und um jeden Zentimeter Boden kämpfte.
Lohn war der 17:17-Ausgleich durch Michael Schweikardt (41.) – die Ernüchterung indes folgte mit einer neuerlichen Zeitstrafe. Nachdem Dennis Wilke bei seinem fünften Strafwurf zum ersten Mal gescheitert war, traf Dominik Weiß zum 18:17 und damit der ersten TVB-Führung seit dem 2:1. Weiß, der in den ersten 30 Minuten noch etwas gehemmt agiert hatte, entwickelte sich nun zum wichtigsten Mann des TVB. Der Halblinke übernahm Verantwortung und hielt sein Team im Spiel. Auch beim 19:18 durch Spatz war der TVB noch im Vorteil, hechelte anschließend aber wieder hinterher, weil ihm im Angriff haarsträubende Fehler unterliefen. Entmutigen ließ sich das König-Team jedoch nicht. Sechs Minuten vor dem Ende donnerte Weiß den Ball zum 21:21-Ausgleich in die Maschen – und die Balinger schienen plötzlich nervös zu werden. Die deutschen Nationalspieler Fabian Böhm und Martin Strobel trafen zwar zum 23:22 und 24:23 (56.) für Balingen, doch Spatz zum 24:24.
Es herrschte Hochspannung in der „Hölle Süd“. Die Gäste blieben in den letzten drei Minuten kühl – und hatten das nötige Glück auf ihrer Seite: Balingen leistete sich einen Fehler, Schweikardt zauberte den Ball 28 Sekunden vor der Schlusssirene aus spitzem Winkel zum 25:24 ins kurze Eck. Der HBW brachte für den finalen Angriff den siebten Feldspieler. Böhm zimmerte fünf Sekunden vor Schluss den Ball Richtung TVB-Kasten, doch Jerkovic hielt den Ball und damit die wichtigen Punkte für den TVB fest.
HBW Balingen-Weilstetten: Ristanovic, Baumeister, Böhm (5), Foth, Nyokoa (1), Hausmann (1), Wilke (8/4), Vasilakis (2), Theuerkauf (1), Strobel (3), Kunkel (2/1), Krieg, Ruß (1), Dominikovic.
TVB 1898 Stuttgart: Jerkovic, Özmusul; Schimmelbauer (1), Schöbinger (1), Weiß (7), Schweikardt (4), Kisum (1), M’Bengue (2), Coric (2), Baumgarten, Seiz, Kretschmer, Spatz (7/1), Kienzle.

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW