Dem Trainer fehlt die Verlässlichkeit

Gedemütigt wurden die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart bei der 26:35-Niederlage gegen den THW Kiel zwar nicht. Der Trainer des Aufsteigers hatte sich allerdings etwas mehr versprochen. „Mir fehlt in dieser Saison die Verlässlichkeit der Spieler“, sagt Thomas König. Am Rande der Partie wurde eine Personalie geklärt: Der Vertrag mit Sajad Esteki ist aufgelöst worden.

20:31 bei den Rhein-Neckar Löwen, 19:34 in Flensburg und jetzt 26:35 gegen den THW Kiel: Gegen die Top-Teams der Liga war der TVB chancenlos. Er könnte sich allerdings damit trösten, dass die Niederlage gegen den Deutschen Meister am Dienstag die knappste der drei Pleiten war.

Wobei bei der Bewertung des Spiels die Meinungen deutlich auseinandergehen. Für die Kieler sei’s nicht mehr als ein Trainingsspiel gewesen, sie hätten den Vorsprung nach der Pause verwaltet, finden die einen. Andere sind der Überzeugung, der TVB habe sich besser verkauft als erwartet. „Das ist hypothetisch“, sagt der TVB-Coach Thomas König am Tag danach. „Ich als Trainer bin mit dem Spiel meiner Mannschaft jedenfalls nicht zufrieden. „Ich hatte gehofft, wir könnten länger mithalten.“ Besonders missfallen hat ihm die „Unordnung“ in der Abwehr in den ersten 30 Minuten. Viel zu große Lücken seien in der 6:0-Deckung entstanden. „Das darf uns einfach nicht passieren.“ In Spielen wie zuletzt gegen den Bergischen HC, der über nicht so viele gute Einzelspieler verfüge wie der THW Kiel, seien diese Schwächen nicht so sehr ins Gewicht gefallen.

Auch die vielen einfachen Fehler im Angriff, zum wiederholten Mal übrigens in dieser Saison, bereiten König erhebliche Sorgen. Teilweise unbedrängt warfen die Bittenfelder den Ball ins Niemandsland oder spielten ihn den Kielern in die Hände. Die eine oder andere technische Schwäche war jedenfalls nicht zu übersehen.

„Insgesamt gesehen, dachte ich, dass wir schon ein wenig weiter sind“, sagt der Coach – und bemängelt die „fehlende Verlässlichkeit“. Zu groß seien die Formschwankungen der Spieler, „wir haben keine stabile Größe im Team, das ist der Knackpunkt“. Und es fehlen Alternativen. Vor allem im Rückraum nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Alexander Heib und Lars Friedrich. Bei Heib (Schulterverletzung) besteht die Chance, dass er noch im Dezember in den Kader zurückkehren wird. Mit Friedrichs Comeback (Schambeinentzündung) rechnet König zum Rückrundenstart am 13. Februar.

Am Ende bleiben nach der elften Niederlage im 16. Spiel die guten Wünsche des Kieler Geschäftsführers. „Ich hoffe, dass der TVB den Ligaverbleib schafft“, sagte Thorsten Storm bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. „Der Standort Stuttgart würde der Handball-Bundesliga gut tun.“

Bereits beendet dagegen ist das Bundesliga-Engagement von Sajad Esteki. Zumindest beim TVB. Erst zwei Tage vor Saisonbeginn hatte der TVB den iranischen Nationalspieler verpflichtet, nun wurde der Vertrag in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst. So richtig angekommen ist der 25-Jährige nie beim Aufsteiger. „Manchmal passt es einfach nicht zusammen“, sagt der TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. Hat Esteki womöglich nicht die nötige Zeit bekommen, sich einzugewöhnen? „Auch der Spieler selbst muss sich die Zeit geben“, sagt Schweikardt. Esteki sei in seinen Vereinen und in der Nationalmannschaft immer Stammspieler gewesen und mit hohen Erwartungen zum TVB gekommen. Doch mit der neuen Rolle hatte der Iraner offensichtlich Schwierigkeiten.

So oder so: Der TVB hat einen Spieler weniger im Kader, es besteht folglich personeller Handlungsbedarf. „Wir sind auf dem Markt unterwegs“, sagt Schweikardt. „Wir brauchen jedoch einen Spieler, der uns in der ersten Liga weiterbringt – und die wachsen in dieser Phase der Saison nicht auf den Bäumen.“ Zudem müsse der Neue zu finanzieren sein.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW