Unterhalsames Spiel, Kiel macht ernst

Die Sensation haben die 6211 Zuschauer in der ausverkauften Porsche-Arena gestern im vorgezogenen Spiel der 1. Handball-Bundesliga nicht miterleben dürfen. Ein unterhaltsames Spiel bekamen sie bei der 26:35-Niederlage (13:19) des TVB 1898 Stuttgart gegen den THW Kiel aber allemal zu sehen. Der Aufsteiger hatte gute Phasen gegen den Meister, besonders stark präsentierten sich Özmusul und M’Bengue.
Es war klar, dass alles hätte passen müssen, um als Neuling gegen den Deutschen Rekordmeister eine Chance zu haben. Bestenfalls hätten die Kieler den TVB unterschätzen müssen, diesen Gefallen indes tat das Team von Trainer Alfred Gislason dem Außenseiter nicht.
Im Titelrennen dürfen sich die Kieler keinen Ausrutscher mehr erlauben, entsprechend konzentriert gingen sie in die Partie – mit der erwarteten offensiven Abwehrformation, gegen die der TVB mächtig arbeiten musste. Zunächst sah das ganz gut aus. Djibril M’Bengue, der gegen die Kieler Defensive wenig Respekt zeigte, sorgte mit seinem zweiten Treffer für den 3:4-Anschluss (5.).
Dann jedoch leistete sich das Heimteam zu viele technische Fehler, die Kiel clever bestrafte. Zudem stimmte auch im TVB-Abwehrverband die Abstimmung nicht, die Gäste kamen zu einfachen Treffern und sorgten beim 9:3 nach zwölf Minuten für klare Verhältnisse. Allen voran Christian Dissinger bekamen die Bittenfelder nicht in den Griff.
Auf der anderen Seite packte M’Bengue immer wieder den Hammer aus, das 6:10 war bereits sein vierter Treffer. Weniger glücklich agierten seine Nebenleute im Rückraum. Dominik Weiß kam selten in Position, und auf das Zusammenspiel von Michael Schweikardt und Simon Baumgarten hatten sich die Kieler sehr gut eingestellt.
Am meisten Probleme hatte der Meister mit Yunus Özmusul. Der türkische Nationaltorhüter zeigte sein bestes Spiel im TVB-Trikot, 16 Paraden und zwei gehaltene Siebenmeter standen am Ende auf dem Zettel. Damit stach er seine Gegenüber Niklas Landin und Nikolas Katsigiannis klar aus.
Beim 9:13 nach 20 Minuten war der Aufsteiger am dichtesten dran. Wenn’s darauf ankam, spielten die Kieler aber immer wieder ihre individuelle Klasse aus, gegen die kein Kraut gewachsen war. Folgerichtig ging der klare Favorit mit der deutlichen 19:13-Führung in die Halbzeit.
Im zweiten Spielabschnitt agierte der TVB in der Deckung offensiver, störte den Kieler Rückraum aggressiver. Das funktionierte bisweilen gut, die Gäste mussten jedenfalls mehr Laufarbeit verrichten. Beim 20:25 (42.) sah’s wieder deutlich freundlicher aus. Der TVB kämpfte um ein ordentliches Resultat – auch wenn die Chance, den übermächtigen Gegner in Bedrängnis zu bringen, nicht wirklich da war.
Bis zum 24:29 (52.) blieb der TVB in Sichtweite, dann jedoch gingen ihm die Körner aus. Mit fünf Treffern in Folge zog Kiel zum 34:24 davon (58.) und hatte am Ende souverän mit 35:26 die fest einkalkulierten Punkte in der Tasche.
Der TVB darf sich trösten, dass er den Fans ein im Rahmen der Möglichkeiten gutes Spiel bot und sich nie aufgegeben hat. Im nächsten Spiel am 13. Dezember geht es zum Mitabstiegskonkurrenten HBW Balingen-Weilstetten. Da wären die Punkte besonders wichtig.
TVB 1898 Stuttgart: Jerkovic, Özmusul; Schimmelbauer (5), Schöbinger, Kienzle, Weiß (3), Schweikardt (1), Kisum (3), M’Bengue (9), Coric (1), Baumgarten (1), Seiz, Kretschmer, Spatz (3).
THW Kiel: Landin, Katsigiannis; Duvnjak (4), Ferreira Moraes (2), Mamelund, Hansen (2), Sprenger, Weinhold (4), Dissinger (8), Ekberg (3/1), Anic (1), Canellas (1), Dahmke (4), Vujin (7/2).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW