Teilerfolg für TVB im Abstiegskrimi

Die Punktausbeute könnte besser sein, doch die Moral bei den Erstliga-Handballern des TVB 1898 Stuttgart passt nach wie vor: Im  direkten Abstiegsduell beim Bergischen HC hatte der Aufsteiger drei Minuten vor dem Ende mit 18:21 im Hintertreffen gelegen. Dank der in der Schlussphase nervenstarken Yunus Özmusul und Michael Spatz rettete der TVB beim 21:21 (12:13) noch einen glücklichen Zähler.

Die Fans der Löwen in der ausverkaufen Solinger Klingenhalle standen nach der Schlusssirene reichlich bedient vor ihren Sitzen: Ihr Team hatte den dritten Saisonsieg nach 60 spannenden und von zahllosen Fehlern auf beiden Seiten gekennzeichnetem Abstiegskampf so gut wie in der Tasche. In der 57. Minute versenkte der Löwen-Spielmacher Alexander Oelze den Ball zum 21:18 im Kasten des TVB. Selbst nach zwei schnellen Treffern von Simon Baumgarten und Kasper Kisum zum 21:20 hatte der BHC noch alle Chancen: Djibril Bengue stoppte Christian Hoße regelwidrig – mit der Konsequenz einer Zeitstrafe und eines Siebenmeters. Doch Yunus Özmusul hielt Oelzes Wurf und hielt sein Team im Spiel.

Beim letzten Bittenfelder Angriff, in Unterzahl, hatten die Schiedsrichter Philipp Dinges und Daniel Kirsch bereits passives Spiel angezeigt, als Ace Jonovic den TVB-Spielmacher Michale Schweikardt abseits der gefährlichen Zone im Gesicht traf. Wie schon gegen Nettelstedt-Lübbecke spielte dem TVB jetzt die neue Regel in die Karten: Es gab die Rote Karte für den etwas zu bissigen Löwen und Siebenmeter für den TVB. Michael Spatz, der zuvor bei einigen freien Würfen am überragenden Björgvin Gustavsson gescheitert war, behielt die Nerven und überlistete den Keeper zum 21:21.

Der Ex-Bittenfelder war einer der Gründe, warum es nichts wurde mit dem ersehnten zweiten Saisonsieg des TVB. Der isländische Nationaltorhüter zeigte vor allem bei freien Würfen seine Klasse – wobei der TVB bei Tempogegenstößen schlichtweg seine Erstligatauglichkeit vermissen ließ.

Die Partie entwickelte sich von Beginn an so, wie sie erwartet worden war: Beide Mannschaften kämpften um jeden Zentimeter. Es war allerdings auch deutlich zu spüren, dass einiges auf dem Spiel stand. Im Eifer des Gefechts schlichen sich auf beiden Seiten eine Vielzahl von Fehlern ein. Der TVB erwischte dabei den etwas besseren Start, führte nach fünf acht Minuten mit 5:3.

Binnen drei Minuten drehte der BHC jedoch die Partie zum 6:5. Tobias Schimmelbauer brachte den TVB per Konter beim 8:7 (18.) noch einmal in Führung. Mit dem Debüt des russischen Neuzugangs bei den Löwen, Inal Aflitulin, kam neuer Schwung ins Spiel der Gastgeber, die beim 11:9 (24.) zum ersten Mal mit zwei Treffern im Vorteil waren. Auch, weil Gustavsson immer wieder Sieger blieb im Duell mit den TVB-Angreifern. So ging der BHC mit der knappen 13:12-Führung in die Halbzeit.

Beim TVB kehrte in den zweiten 30 Minuten Özmusul, der nach 20 Minuten dem allerdings glücklosen Dragan Jerkovic Platz gemacht hatte,  in den Kasten zurück. Und am türkischen Nationalkeeper lag’s beileibe nicht, dass der TVB fortan einem knappen Rückstand hinterher hechelte. Nach Oelzes Treffer zum 16:13 (38.) musste der TVB aufpassen, nicht den Anschluss zu verlieren. Der Siebenmeter von Michael Spatz  zum 16:14 war erst der zweite Bittenfelder Treffer in den ersten zehn Minuten nach der Pause.

Es krankte eindeutig in der Offensive, selbst mit zwei Spielern in Überzahl traf der TVB das Tor nicht. Die Abwehr stand überwiegend ordentlich. Allerdings fehlte in der einen oder anderen Eins-gegen-eins-Aktion die letzte Konsequenz. Positiv war, dass der TVB nicht abreißen ließ und erneut großen Kampfgeist an den Tag legte.

Der jedoch hätte nicht gereicht, wenn sich die Löwen in der Schlussphase etwas cleverer angestellt hätten. Kristian Nippes schien beim Gastgeber zum Matchwinner zu avancieren. Nach seinem Treffer zum 20:18 nahm der TVB-Trainer Thomas König viereinhalb Minuten vor dem Ende eine Auszeit. Doch nach Gustavssons 15. Parade und Oelzes 21:18 schienen die Punkte für die Gäste verloren.

Doch die Bittenfelder zeigten zum wiederholten Mal in dieser Saison in der entscheidenden Phase Nervenstärke – und profitierten zudem davon, dass sich die neue Regel offensichtlich auch noch nicht bis ins Bergische Land herumgesprochen hat.

Für den TVB war’s letztlich ein gewonnener Punkt. Bei einer etwas besseren Chancenauswertung indes hätte es mit dem angestrebten zweiten Saisonsieg durchaus klappen können. Durch die Niederlage der Eisenacher gegen Gummersbach verteidigte der TVB den Nichtabstiegsplatz, der HBW Balingen-Weilstetten dagegen zog mit seinem dritten Saisonsieg gegen Leipzig an den Bittenfeldern vorbei.

Bergischer HC: Gustavsson, Rudeck; Preiß (2), Hoße (1), Nils Artmann, Gunnarsson (2), Nippes (4), Oelze (4), Jan Artmann, Alexander Hermann (2), Weiß (3), Gutbrod (2), Jonovski, Aflitulin (1).

TVB 1898 Stuttgart: Jerkovic, Özmusul; Schimmelbauer (2), Schöbinger, Kienzle, Weiß (3), Schweikardt (2), Kisum (3), M’Bengue (3), Coric, Baumgarten (2), Seiz, Kretschmer, Spatz (6/3).

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW