TVB bricht ein – und rettet einen Punkt

Der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart hat seinen zweiten Saisonsieg beim 33:33-Unentschieden gegen den Tabellenletzten TuS Nettelstedt-Lübbecke leichtfertig verspielt. Nach der 20:13-Führung zur Halbzeit brach der TVB im zweiten Spielabschnitt ein und geriet mit drei Toren ins Hintertreffen. Der überragende Michael Schweikardt rettete seinem Team in der hitzigen Schlussphase den Teilerfolg.

Ziemlich gruselig war’s, was der TuS Nettelstedt-Lübbecke an Halloween über weite Strecken der ersten 30 Minuten zu bieten hatte. Das Team von Trainer Goran Suton zeigte, weshalb es in elf Spielen lediglich einen Punkt geholt hat: Hölzern, behäbig und leicht ausrechenbar im Angriff, zögerlich und ohne Mumm in der Deckung trat das Schlusslicht in der mit 2251 Fans zum fünften Mal ausverkauften Stuttgarter Scharrena auf.

Kurzum: Der TuS schien gerade der richtige Gegner zu sein für den TVB, um endlich den so wichtigen zweiten Saisonsieg einzufahren. Das Heimteam kam sehr gut in die Partie, spielte hinten wie vorne konzentriert und führte nach zehn Minuten mit 8:3. Die Bittenfelder Shouter Djibril M’Bengue und Dominik Weiß genossen ihre Freiheiten, wurden immer wieder geschickt in Position gebracht. Der Lübbecker Torhüter Nikola Blazicko hielt keinen Ball und musste früh Platz machen für Matevz Skok.

Und tatsächlich kamen die Gäste mehrfach bis auf zwei Tore heran. Nur vier Treffer gelangen dem TVB binnen zehn Minuten, der deutsche Nationalspieler Jens Schöngarth traf zum 12:10 (20.). Spätestens jetzt stellten sich die Zuschauer doch auf das erwartet enge Match ein – und wurden positiv überrascht: Im letzten Drittel des ersten Spielabschnitts überrollte der TVB seine Gäste förmlich. Der Keeper Yunus Özmusul hielt einige Bälle, zudem nutzte das König-Team seine Chancen eiskalt und zog mit Simon Baumgartens Treffer zum sicheren 17:10 davon (25.).

Die Gäste wirkten überfordert und wussten sich gegen die von Michael Schweikardt geschickt initiierten Angriffe lediglich mit dem einen oder anderen Frustfoul zu helfen. In den letzten zwei Minuten vor der Pause nutzte der TVB die doppelte Überzahl zum 20:12. Der Tabellenletzte war zu diesem Zeitpunkt chancenlos. Etwas ärgerlich indes aus Bittenfelder Sicht war der 13. Treffer der Gäste mit zwei Spielern weniger auf dem Feld.

Zum zweiten Spielabschnitt kam bei den Gästen Jens Bechtloff für Tim Remer auf Linksaußen – und der ehemalige Bittenfelder sollte im Laufe der Partie eine nicht unwesentliche Rolle einnehmen. Zunächst einmal jedoch hatte der TVB das Spiel weiter im Griff, Schweikardt legte zum 21:14 nach (35.). Doch urplötzlich stand der TVB völlig neben sich: Neun Fehlwürfe, technische Fehler und Fehlabspiele leistete er sich binnen acht Minuten. Verunsicherung machte sich breit, den Abschlüssen fehlte es an Überzeugung. Zudem packte die Deckung gegen die immer stärker werdenden Tim Suton und Schöngarth nicht mehr richtig zu. Diese Einladungen nahm das Schlusslicht dankend an, Suton verkürzte auf 22:21 (42.).

Mit einer Auszeit versuchte der TVB-Trainer Thomas König sein Team wieder in die Spur zu bringen. Indes: Sein Team agierte weiterhin wie gelähmt, mutlos und ohne Esprit. Die Angst ging um, den sicher geglaubten Sieg doch noch aus der Hand zu geben. Beim 22:22 glich Lübbecke erstmals seit dem 1:1 aus und hatte nun den psychologischen Vorteil klar auf seiner Seite. Suton sorgte beim 26:25 (47.) für die erste Führung.

Beim TVB kam nun der halbwegs genesene Dragan Jerkovic für Özmusul und war gleich gut im Spiel. Dennoch blieb Lübbecke am Drücker, agierte selbstbewusst und hatte nach dem 31:28 durch den energischen Bechtloff (55.) beste Karten auf den ersten. Drei Minuten vor dem Ende sorgte Vuk Lazovic mit dem 32:29 für die vermeintliche Entscheidung. Doch der TVB kam, wie schon in Eisenach und gegen Gummersbach, noch einmal zurück. Er nutzte die Überzahl nach einer dummen Zeitstrafe für Christian Klimek eine Minute vor dem Ende zum 32:32-Ausgleich. Bechtloff und der unglücklich spielende Niclas Pieczkowski hatten sich  leichte Fehler geleistet, Spatz per Konter und der unermüdliche Schweikardt doppelt getroffen.

Nun musste der TVB nur noch den finalen Angriff der Gäste überstehen. Doch mit seinem elften Treffer zum 32:33 machte Schöngarth sieben Sekunden vor dem Ende die Hoffnungen auf einen Punkt zunichte. Die anschließende Zeitstrafe gegen den Linkshänder war eigentlich zu verkraften, da dem TVB bei einem Freiwurf aus der eigenen Hälfte nur noch drei Sekunden blieben. Die Bittenfelder brachten tatsächlich noch Tobias Schimmelbauer in Position. Der wurde von Bechtloff regelwidrig gestoppt. Die Schiedsrichter Philipp Dinges und Daniel Kirsch zückten nach einem Tumult auf dem Spielfeld die Rote Karte und entschieden auf Siebenmeter.

Schweikardt behielt die Nerven und rettete dem TVB beim 33:33 wenigsten einen Zähler. Der jedoch dürfte im Abstiegskampf zu wenig sein. So viele Einladungen dürfte der Aufsteiger nicht mehr bekommen.

TVB 1898 Stuttgart: Özmusul, Jerkovic; Schimmelbauer (2), Schöbinger, Weiß (4), Schweikardt (11/2), Kisum (1), M’Bengue (5), Coric, Baumgarten (3), Kretschmer, Esteki (1), Spatz (6/2).

TuS Nettelstedt-Lübbecke: Blazicko, Skok; Herth, Bechtloff (3), Langhans (1), Tauabo, Pieczkowski (2), Lazovic (1), Suton (6), Schagen (4/1), Schöngarth (11), Borozan (2), Klimek (2), Remer (1).

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW