Ausgerechnet Esteki gibt den Impuls

Hin- und hergerissen ist Thomas König nach dem 28:28 des Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart beim ThSV Eisenach. „Ob es ein gewonnener oder verlorener Punkt war, wird sich am Ende der Saison zeigen“, sagt er. Positiv stimmen den Trainer die Moral seines Teams und der deutliche Formanstieg des lange verletzten Florian Schöbinger. Und dann war da ja noch Sajad Esteki.

Mit seinem letzten Neuzugang hatte der TVB kurz vor Saisonbeginn für ziemliches Aufsehen gesorgt: Der iranische Nationalspieler Sajad Esteki sollte für die besondere Note im Spiel des Aufsteigers sorgen. Im ersten Spiel gegen die HSG Wetzlar deutete der 25-Jährige seine Fähigkeiten an, seither indes ist es ruhig geworden um ihn. Hinter Dominik Weiß und Kasper Kisum musste sich Esteki im linken Rückraum hinten anstellen. So richtig angekommen ist er noch nicht in der Liga, die sprachliche und kulturelle Umstellung scheint ihm größere Probleme zu bereiten – und offensichtlich auch die Spielweise in der ersten deutschen Bundesliga.

In seinem iranischen Verein genoss Esteki alle Freiheiten, durfte sich dort auch den einen oder anderen Wurf zu viel nehmen. In der ersten deutschen Liga und damit auch beim TVB indes ist ein gewisses Maß an Disziplin vonnöten beim Torabschluss. Bei seinen Auftritten im TVB-Trikot agierte Esteki nicht immer glücklich, seine Einsatzzeiten hielten sich in Grenzen. Auch am Samstag beim so wichtigen Abstiegsduell in Eisenach schmorte der Iraner 55 Minuten auf der Bank – und hatte dann seinen großen Auftritt.

Nicht konsequent genug im finalen Angriff

Der TVB-Trainer Thomas König schickte Esteki „aus dem Gefühl heraus“ beim 23:27-Rückstand aufs Spielfeld. In einer Phase, „in der bei uns im Angriff nicht mehr viel passierte“. Estekis erster Wurf verfehlte das Ziel noch, die nächsten drei Versuche schlugen – teilweise spektakulär – im Netz ein und retteten dem TVB den Punkt. „Sajad kann gute Sachen machen“, sagt König. Die Hoffnung ist jedenfalls nach wie vor da, dass Esteki dem TVB in dieser Saison noch viel helfen wird.

Um ein Haar hätte der TVB sogar beide Punkte aus Thüringen mitgenommen und damit die Abstiegsränge verlassen. Die fahrigen Eisenacher verloren acht Sekunden vor dem Ende zum wiederholten Mal den Ball, zudem musste Olafur Ragnarsson auf die Strafbank. Thomas König ging volles Risiko, brachte den siebten Feldspieler. Mit zwei Spielern in Überzahl indes spielte der TVB den Angriff nicht konsequent genug zu Ende. Der Eisenacher Torhüter Svetislav Verkic hatte keine Mühe mit Dominik Weiß’ Wurf.

Esteki war im Übrigen nicht die einzige überraschende Personalie, die König parat hatte: Drei Minuten vor dem Ende brachte er den A-Jugend-Keeper Yannick Hölzl für Yunus Özmusul, der das Torhüterduell mit Verkic und Jan-Steffen Redwitz klar verlor. Hölzl hatte anschließend Grund zu feiern, blieb er doch ohne Gegentreffer. Wobei der Youngster auch keine Gelegenheit hatte, sich auszuzeichnen: Der einzige Wurf in Richtung Bittenfelder Gehäuse landete am Pfosten.

Trotz der 28 Gegentreffer war König mit der Leistung seiner Deckung zufrieden, die deutlich beherzter zugriff als gegen Magdeburg. „Die Abwehr hat über 60 Minuten hinweg unheimlich geackert“, sagt der Trainer. „Wir haben gut und gerne zehn technische Fehler der Eisenacher provoziert und hatten vier, fünf Steals.“

In der einen oder anderen Situation indes hätte sie etwas abgezockter agieren können. Beispielsweise bei der 10:8-Führung, als der TVB den Gegner zum Zeitspiel zwang. Resultat indes war nicht die Drei-Tore-Führung, sondern die doppelte Unterzahl. „Da ist man als Trainer einfach machtlos“, sagt König. „Ich bin mir sicher, dass wir mit der Führung in die Pause gegangen wären, wann das nicht passiert wäre.“

Auch wenn die Bittenfelder im Duell der Aufsteiger gerne beide Punkte mitgenommen hätten: König zieht Positives aus dem Auftritt seines Teams. „Für die Moral war der Punkt ganz wichtig, deutlich zu erkennen waren auch die Fortschritte, die Florian Schöbinger gemacht hat.“

Nichts einzuwenden hätte der Trainer sicherlich, wenn Sajad Esteki am kommenden Samstag im Heimspiel gegen den Tabellenletzten TuS Nettelstedt-Lübbecke (20.15 Uhr) an seinen couragierten Auftritt vom Samstag anknüpfen könnte.

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW