Jürgen Schweikardt im Interview

Herr Schweikardt, um in der 1. Liga zu punkten, braucht der TVB nicht nur in jedem Spiel eine Top-Leistung, sondern auch möglichst seinen kompletten Kader beisammen. Bisher hat kaum ein Spieler alle elf Spiele bestritten. Nach Alex Heib und Dragan Jerkovic gibt’s mit Lars Friedrich den nächsten Langzeitverletzten. Über seinen Stellenwert gibt’s wohl keine zwei Meinungen.

Lars war in den vergangenen Jahren ein wesentlicher Part. Er hat im Aufstiegsjahr und auch schon in den ersten Spielen der ersten Liga gezeigt, wozu er vor allem im Angriff zu leisten in der Lage ist. Deshalb schmerzt sein Ausfall natürlich sehr.

Bayern-Kicker Mario Götze fiel über ein halbes Jahr mit einer Schambeinentzündung aus. Damit wäre die Saison für Friedrich so gut wie beendet. Machen Sie sich Gedanken darüber, in der Winterpause personell nachzulegen?

Im Fall Friedrich werden wir kurzfristig nicht reagieren, weil wir ja nicht genau wissen, wie lange er ausfallen wird. Das macht die Planung sehr schwierig. Djibril M’Bengue hat unser Vertrauen, wir haben noch andere Spieler, die auf Halbrechts spielen können. Außerdem traue ich auch Finn Kretschmer zu, hier für Entlastung zu sorgen.

Von den neuen Spielern haben Kasper Kisum und Michael Spatz die Erwartungen im Großen und Ganzen erfüllt. Von Torhüter Yunus Özmusul und Teo Coric dürfte sich der TVB mehr versprochen haben, Sajad Esteki ist noch nicht angekommen in der 1. Liga. Wie sieht Ihre Zwischenbilanz aus?

Wir haben von vorneherein gesagt, dass Özmusul und Coric keine Spieler sind, die den Durchbruch schon geschafft haben. Auch wenn sie internationale Erfahrung gesammelt haben, ist ihre Entwicklung längst noch nicht abgeschlossen. Yunus hat gute Spiele gezeigt, leider jedoch vielleicht zum falschen Zeitpunkt. In Berlin und Melsungen beispielsweise. Zu Hause hat er das eine oder andere Mal ein bisschen unglücklich agiert. Wir sind aber nicht unzufrieden mit ihm, er muss nur stabiler werden. Teo Coric hat’s nicht leicht, weil Simon Baumgarten derzeit im Hoch ist. Wenn Teo aber auf dem Feld war, hat er seinen Beitrag geleistet. Bei Sajad Esteki hat die Integration noch nicht so gut funktioniert. Da müssen wir abwarten, wie er sich weiterentwickelt.

Nach einem Drittel der Saison steht der TVB dort, wo ihn viele erwartet hatten: auf einem Abstiegsplatz. Der Abstand zu den rettenden Plätzen ist zwar gering, nur drei Punkte indes aus elf Spielen sind ernüchternd. Was stimmt Sie dennoch optimistisch, dass es klappen könnte mit dem Ligaverbleib?

Wir hatten fast in jedem Spiel eine Siegchance und müssen weiter hartnäckig an den paar Prozentpunkten arbeiten, die uns noch fehlen. Nach unserem schwierigen Programm kommen jetzt die Gegner, mit denen wir eher auf Augenhöhe sind.

Im Zuschauerranking liegen sechs Vereine hinter dem TVB, der einen Schnitt von 3300 Zuschauern hat. Trotzdem rümpfte der eine oder andere die Nase, nachdem gegen Magdeburg „nur“ 4600 statt 6200 Fans wie gegen Göppingen in die Porsche-Arena strömten. Können Sie das nachvollziehen?

Ein Stück weit, ja. Die Leute waren mindestens 5500 Zuschauer gewöhnt, wenn wir die Porsche-Arena aufgeschlossen haben. Wir müssen aber realistisch bleiben: Andere Vereine wären froh, wenn sie 4600 Zuschauer in ihrer Halle hätten. Für Berlin haben wir jetzt bereits knapp 5000 Karten verkauft, für Kiel 5700. Diese Zahlen sind meiner Meinung nach nicht gut, sondern sensationell.

Trotzdem gilt die alte Regel: Wer Erfolg hat, ist begehrt. Fürchten Sie einen Zuschauereinbruch, wenn der TVB nicht allmählich anfängt zu punkten?

Nein. Es kommt auf die Art und Weise an, wie sich die Mannschaft präsentiert. Die Leute wollen Einsatz, Kampf und Leidenschaft sehen. Das hat das Team gezeigt – mit Ausnahme der zweiten Halbzeit gegen Göppingen vielleicht.

Nun stehen die wichtigen Spiele gegen die direkten Konkurrenten an, eine besonders unangenehme und brisante Aufgabe wartet am Samstag im Eisenacher Hexenkessel auf den TVB. Wie sehen Sie die Chancen?

Ich finde nicht, dass es eine unangenehme Aufgabe ist, sondern vielmehr eine schöne. In Eisenach herrscht immer eine super Stimmung, und ein Sportler wünscht sich Emotionen und Action. Es treffen zwei Mannschaften auf Augenhöhe aufeinander. Wie immer, haben wir eine Siegchance, aber natürlich müssen wir wieder einen sehr guten Tag erwischen, um dort zu bestehen.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW