Heißer Tanz unter der Wartburg

Aufsteigerduell, der Drittletzte gegen den Vorletzten, der Sieger verlässt die Abstiegsplätze: Das sogenannte Vier-Punkte-Spiel zwischen dem ThSV Eisenach und dem TVB 1898 Stuttgart am Samstag im 3300-Zuschauer-Hexenkessel unter der Wartburg verspricht einiges an Brisanz.

Zwei Punkte gegen den Mitaufsteiger Leipzig, einen Zähler zu Hause gegen Gummersbach: Mehr gab’s für den TVB im ersten Saisondrittel nicht zu holen. Der Aufsteiger hat in vielen Spielen sehr gut mitgehalten. Das ist tröstlich und zeigt, dass er kein Spielball für die Konkurrenz ist. Allerdings kommen jetzt die Aufgaben, in denen etwas herausspringen muss. Mit den Partien am Samstag in Eisenach, gegen Nettelstedt-Lübbecke, beim Bergischen HC und in Balingen beginnt für die Bittenfelder die Runde quasi von vorne. In Hannover und gegen Kiel darf sich der Neuling zunächst einmal nichts ausrechnen. Das bedeutet: Wenn der TVB zum Hinrunden-Ende die von Trainer Thomas König angestrebten neun Punkte auf der Habenseite möchte, sollte der TVB möglichst gleich am Samstag die erste Gelegenheit zum zweiten Saisonsieg nutzen.

Allerdings gilt die Werner-Aßmann-Halle unter der Wartburg seit jeher als ganz heißes Pflaster. „Tolles Publikum, tolle Atmosphäre“, sagt der TVB-Trainer Thomas König. Wie der TVB, so muss auch der Mitaufsteiger seine zum Ligaverbleib notwendigen Punkte vornehmlich in eigener Halle holen. Zweimal ist das dem Team von Trainer Velimir Petkovic bereits gelungen: beim 31:30 gegen den TuS Nettelstedt-Lübbecke zum Saisonauftakt und beim 33:31 gegen den HBW Balingen-Weilstetten. Gegen Melsungen (27:30) und Wetzlar (25:29) setzte es recht knappe Heimniederlagen, gegen die Füchse Berlin eine 28:40-Schlappe. In der Fremde hatte Eisenach, ähnlich wie der TVB, nichts zu bestellen und kassierte die eine oder andere heftige Niederlage.

Nach dem einjährigen Gastspiel in der 1. Liga in der Saison 2013/2014 sah’s in der vergangenen Spielzeit nach einem Start mit 7:9 Punkten lange nicht nach der umgehenden Rückkehr aus. Die Aufholjagd mit 43:5 Punkten endete schließlich auf dem zweiten Platz – hinter Leipzig und vor dem TV Bittenfeld.

Neun neue Spieler, 20-Mann-Kader aus neun Nationen

Mit einer fast völlig neu aufgestellten Belegschaft versuchen die Thüringer nun, den Ligaverbleib zu schaffen: Neun Spieler verließen den Verein oder mussten gehen, neun kamen hinzu. Der 20-Mann-Kader setzt sich aus ebenso vielen Nationen zusammen.

Besonders schmerzhaft sind die Verluste von Bjarki Elisson (Füchse Berlin), Aivis Jurdzs (Leipzig), Dener Jaanimaa (Hamburg) und René Villadsen (Melsungen). In Svetislav Verkic haben die Eisenacher im Tor mehr als nur einen Ersatz für Stanislaw Gorobtschuk (Bietigheim) an Land gezogen. Der Serbe mit Europapokal-Erfahrung kommt nach anfänglichen Problemen immer besser zurecht.

Zugelegt, auch körperlich, haben die Eisenacher im Rückraum: Dusko Celica (1,98), Azat Valullin (2,07), Bogdan Criciotoiu (1,96) und Patrik Hruscak (2,06) haben allesamt Gardemaß. Allerdings sind mit Celica, Criciotoiu und Hruscak gleich drei der Neuen verletzt und werden wahrscheinlich auch gegen den TVB nicht auflaufen. Der Kader scheint jedoch groß genug, solche Ausfälle wegzustecken. Zuletzt überraschten die Eisenacher beim Deutschen Meister THW Kiel. Sie unterlagen zwar letztlich nach der Führung vor der Pause deutlich mit 22:32, ärgerten den hohen Favoriten jedoch 50 Minuten lang (20:24). Der TVB-Trainer Thomas König lässt sich davon aber nicht beeindrucken. „Das sind Spiele ohne Wert“, sagt er. König sieht die Eisenacher ähnlich unter Druck wie sein Team – vielleicht sogar ein bisschen mehr angesichts des Heimspielvorteils.

In der Aufstiegssaison gehörten die Duelle zwischen Eisenach und dem TVB zu den Höhepunkten. Im Hinspiel nahmen die Bittenfelder mit 26:25 die Punkte aus Thüringen mit, sieben Sekunden vor dem Ende verwandelte Michael Schweikardt den entscheidenden Siebenmeter. Das Rückspiel war aus TVB-Sicht ganz bitter: In der ausverkauften Porsche-Arena gab Bittenfeld die 24:19-Führung in der Schlussphase völlig unnötig aus der Hand und unterlag mit 25:26.

Nach dem langfristigen Ausfall von Lars Friedrich (Schambeinentzündung, wir haben berichtet) steht nun Djibril M’Bengue in der Pflicht. Die Last soll jedoch nicht ausschließlich auf den breiten Schultern des 23-Jährigen liegen. In der Defensive wie im Angriff sieht König durchaus Alternativen.

Außer Lars Friedrich und Alex Heib muss der TVB weiterhin auf Dragan Jerkovic verzichten – möglicherweise indes zum letzten Mal: Nach seinem Handbruch soll der Torhüter kommende Woche wieder mit dem Ball trainieren. Der Einsatz im nächsten Heimspiel gegen den TuS Nettelstedt-Lübbecke scheint nicht ausgeschlossen.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW