90 Jahre Handball beim TV Bittenfeld 1898 e.V.

Zeittafel mit bedeutenden Handball-Erfolgen und -Ereignissen

1925 Gründung Handballabteilung, erste Spiele (Feldhandball)

1927 Bau Spiel- und Turnplatz am Zipfelbach im Unterdorf (unter 1. Vorsitzender Wilhelm Stetter)

1928 Bau vereinseigene Turnhalle (unter 1. Vorsitzender Wilhelm Stetter)

1938/39 A-Jugend, Endspiele um Württ. Meisterschaft (Feldhandball)

1947/1948/1949 1. Mannsch., Endspiele um Württ. Meisterschaft (Feldhandball, Trainer Helmut Luithardt)

1948 Bau Waldsportplatz „Löhle“ (unter 1. Vorsitzender Eugen Scholpp)

1951 A-Jugend, Endspiel um die Württ. Meisterschaft (Feldhandball) gegen FA Göppingen, die von

Bernhard Kempa trainiert werden und als „Kempabuben“ mit ihren Kempatricks Europapokalsieger und

Deutsche Meister Sportgeschichte schrieben.

1954/1955/1956 Bau TVB Vereinsheim am Waldsportplatz „Löhle“ (unter 1. Vorsitzender Karl Läpple)

1960/1961 1. Mannsch., Aufstieg in die höchsten Spielklassen (1. Liga) im Feldhandball und Hallenhandball

(Trainer Horst Jung) Gegner u. a. Dt. Meister und Europacupsieger FA Göppingen

1970 1. Mannsch. Meister Landesliga und Aufstieg Württ. Oberliga Feld, höchste Spielkl. (Trainer H. Jung)

1970 C-Jugend Württ. Vizemeister (Trainer K. Kloth)

1970/1971 Erweiterung und Saalanbau TVB Vereinsheim (unter 1. Vorsitzender Dieter Böhringer)

1979/1980 Ausbau Waldsportplatz „Löhle“ und Bau Leichtathletik-Anlagen (unter 1. Vorsitzender H. Jung)

1979 1. Mannsch. Württ. Pokal-Vizemeister Hallenhandball (SpielerTrainer G. Schweikardt)

1991/1992 Großer Umbau mit Renovieerung TVB Vereinsheim (unter 1. Vorsitzender H. Jung)

1985 Württembergischer Hallenhandball-Seniorenmeister

1988 Württembergischer Hallenhandball-Seniorenmeister

1994/95 1. Mannsch., Landesliga, Meister (Trainer Rolf Fischer)

1997 B-Jugend, Württembergischer Meister

1997/98 1. Mannsch. Verbandsliga (Trainer R. Fischer/Günter Schweikardt)

1999 DHB-Junioren-Pokalsieger

1999 Württembergsicher Feldhandballmeister

1999/2000 Württ. Oberliga (Trainer G. Schweikardt)

2000/01 Württ. Oberliga (Trainer G. Schweikardt/Henning Fröschle)

2003/04 Baden-Württ. Liga (Trainer G. Schweikardt/H. Fröschle)

2004/05 Regionalliga (Trainer G. Schweikardt/H. Fröschle)

2006 3.12., 1. Spiel in der in der Porsche Arena (TVB vs. Bergischen HC 30:35)

2006/07 2. Bundesliga-Süd (Trainer G. Schweikardt)

2008 1.4. GmbH Gründung mit Ausgliederung zur Saison 2008/09 (Geschäftsführer Jürgen Schweikardt)

2011/12 Eingleisige 2. Bundesliga (Trainer G. Schweikardt)

2012 4.5. 1. Spiel in der SCHARRena, 2049 Zuschauer ausverkauft (TVB vs. HSG Nordhorn-Lingen 31:30)

2014/15 Aufstieg 1. Bundesliga (Trainer Jürgen Schweikardt)

2015 24.6. Namensumbenennung in TVB1898 Stuttgart (nur Bundesligamannschaft „Wild Boys“)

ab 2015/16 1. Bundesliga (Trainer Thomas König)

Infobox Turnverein Bittenfeld 1898

1000 Mitglieder

Vereinsheim „TVB Das Restaurant“, Waldsportplatz „Löhle“, Schulstr. 29,

71336 Waiblingen, 1. Vorsitzender Achim Kraisel, Finanzvorstand Rainer Heib, Geschäftstelle Monika Heib

Infobox TVB1898 Stuttgart GmbH & Co. KG, Wild Boys

71332 Waiblingen, Steinbeisstr.13, Geschäftsführer Jürgen Schweikardt, Geschäftstelle Monika Heib, Sportlicher Leiter Günter Schweikardt, Pressesprecher Jens Zimmermann

Stolze Vergangenheit

Der Turnverein Bittenfeld wurde 1898 von turnbegeisterten jungen Bittenfelder Männern

gegründet. Zwei Jahre nachdem die olympische Bewegung unter der Führung des französischen Pädagogen und Historikers Baron Pierre de Coubertin die Olympischen Spiele wieder entdeckt und sie 1896 in Athen, am Ort der Antiken Olympischen Spiele

(776 v. Chr. bis 395 n. Chr.) nach moderner Art wieder eingeführt hatten. Gründervater Lehrer Bizer wurde auch 1. Vorsitzender, bis 1900. Ihm folgte Wilhelm Ott. Über 80 junge Bittenfelder waren damals schon dem TVB beigetreten. Aus dem mörderischen 1. Welt-krieg kehrten fünfzehn junge Turnvereinler nicht mehr zurück. Der Turn- und Sportbetrieb ruhte während der Kriegsjahre weitgehend, wurde dann aber sofort nach Kriegsende wieder intensiv aufgenommen. In dieser Zeit wuchs das allgemeine Interesse für Spiel-sportarten. Turnspiele wie Ringtennis, Faustball und Handball, aber auch Fussball, begannen ihren Siegeszug.

Die TVBler betrachteten die Entwicklung aufmerksam und beantragen gemeinsam mit

dem Bittenfelder Radfahrverein beim Gemeinderat einen großen Fest- und Spielplatz.

Von der Gemeinde wird daraufhin eine große Wiese als Turn- und Spielplatz neben der 1913 neu erbauten Volksschule, am Zipfelbach im Unterdorf dem Verein überlassen.

Es sollte bis ins Jahr 1948 die erste Heimstätte des Turnvereins sein, nachdem sich der Verein 1928 seine Turnhalle auch an diesem Standort selber erbaut hatte.

Handball beim TVB ist eine unendliche Erfolgsgeschichte, die bis in die Gegenwart

auch Heimat- und Dorfgeschichte widerspiegelt. Sie begann 1925, als vor 90 Jahren die vom 1. Weltkrieg heimgekehrten jungen TVBler eine Mannschaftssportart für sich suchten und das Wiesengelände am Zipfelbach zu einem Turn- und Sportplatz umbauten. Jetzt galt es sich zwischen Handball oder Fussball zu entscheiden. Die Entscheidung kam schnell und war eindeutig: Mit dem Kauf von zwei Latten und dem Bau von zwei hölzernen Toren aus dem Bittenfelder Wald schlug die Geburtsstunde für das von Heiser, König, Schelenz 1917 entwickelte deutsche Handballspiel auch in Bittenfeld. Mit einem grossen Sportfest wurde dieser erste Sportplatz eingeweiht, und bereits im Folgejahr beteiligte sich die neu gegründete Handballmannschaft mit guten Erfolgen am Wettkampf-Spielbetrieb. Schon damals zeigte sich, wie bis heute, dass die Bittenfelder

für diese Sportart außergewöhnlich talentiert und prädestiniert sind. Ein nicht erklärbares Phänomen. Im Rückblick darf heute gesagt werden: Die Gründergeneration hatte aus dem Gefühl heraus die richtige zukunftsorientierte Entscheidung getroffen und mit dieser Sportart ihrem Turnverein eine Art sportliche Existenzsicherung und Daseinsvorsorge beschert. Mit Handball als Kernsportart hat der Verein allen Zukunftsstürmen und Widrigkeiten bis in die Gegenwart getrotzt; dieses wird ihm so auch weiterhin gelingen. Und bis heute wird in Bittenfeld kein Fussball gespielt, sondern der Handball mit Wucht aufs Scheunentor geworfen. So ist der Aufstieg in die erste Bundesliga, in das Oberhaus des deutschen Handballs, ein Geburtstagsgeschenk zum 90., wie es schöner nicht hätte sein können.

Mit dem Aufstieg ist dem Bittenfelder Dreigestirn Vater Günter und Söhne Jürgen und Michael Schweikardt ein Meisterstück gelungen, das in dieser Form einmalig im deutschen Handball ist. Für Günter Schweikardt, wie seine nicht mehr lebenden älteren Brüder Rolf und Eugen mit dem Handball-Virus infiziert, ist dieser phänomenale Aufstieg ein persönlicher Erfolg, an dem seine beiden Söhne Jürgen und Michael entscheidenden Anteil haben. Vor allem Jürgen, der alle Aufstiege als Leitwolf, Spielmacher, und gefürchteter Torewerfer mit erkämpfte und die rechte Hand des Vaters auf dem Spielfeld war. Als Geschäftsführer der Handball GmbH übernahm er in Personalunion auch das Traineramt nach dem Rücktritt seines Vaters vor drei Jahren. Mit der Rückkehr seines bundesligaerfahrenen Bruders Michael, nach dessen erfolgreichen Jahren bei FA Göppingen und MT Melsungen, auf die Position des Spielmachers und Regisseurs, verbesserten sich die Chancen für den Aufstieg in die 1. Liga entscheidend. Als spiritus rector führte Michael Schweikardt sein Team in dieser Saison von Sieg zu Sieg, brillierte mit exzellenter Balltechnik und ästethischem Spiel, Kempa-Tricks, und ist Lenker, Denker und Torewerfer in einem.

Mit Erfolgen bei TV 05/07 Hüttenberg und TUSEM Essen katapultierte sich der TV Bittenfeld 1898 am Ende der Saison als Tabellendritter der 2. Bundesliga in die Beletage des deutschen Handballs, und schrieb damit Sportgeschichte. Für den Verein ein historischer, aus Bittenfelder Sicht sogar ein epochaler Erfolg. Ging damit doch ein Traum mit historischer Dimension in Erfüllung. Gleichzeitig ist es aber auch die wundersame Geschichte eines handballverrückten Dorfes mit derzeit rund 4.300 Einwohnern, dessen Turnverein, heute rund 1.000 Mitglieder groß, 1925 das Handballspiel für sich entdeckte. Das ganze Dorf, die Stadt mit Oberbürgermeister Andreas Hesky und Empfang im Rathaus sowie Eintrag in das Goldene Buch der Stadt, und auch die Medien feierten mit der Mannschaft stolz eine Woche lang im Juni dieses Jahres diesen sensationellen Erfolg.

Mir send Handbäller – bis heute ist die Dorfjugend mit Begeisterung dabei. Daher konnte der TVB auch immer alle Jugendklassen besetzen. Die Kinder kommen quasi schon als Handballtalent auf die Welt und bleiben dem Handballsport ein Leben lang treu. Ganze Familiengenerationen prägten in diesen vielen Jahren seither das Gesicht von Verein und Mannschaft. Zuerst im Feldhandball, dann im Hallenhandball. Waren es früher die Luithardts, so sind es heute die Schweikardts. Die jüngere Erfolgsgeschichte im Hallenhandball liest sich wie eine Familiensaga. Diese wiederum begann als „Gino“ Günter Schweikardt nach der Deutschen Meisterschaft mit FA Göppingen 1973, er war 1971 vom TVB zu FAG gewechselt, wieder zu seinem TVB zurückkehrte, die Trainings-leitung übernahm und mit neuen Ideen und Strukturen sowie jungen Talenten sich anschickte die Ligen im Eiltempo zu durchqueren. Von der Landesliga bis in die 2. Liga führte dieser Parforceritt. 2006 war man am Ziel, und heute nun ist das TVB-Team in der ersten Bundesliga, der stärksten Handballliga der Welt angekommen. Damit hat Jürgen Schweikardt, zusammen mit Co-Trainer Karsten Schäfer, in der Saison 2012/2013 Nachfolger seines Vaters Günter als Trainer geworden, erreicht, was ihm als Spieler nicht gelungen ist, der Aufstieg in die Premierligue des Handballs. Irgendwie einzigartig, auch deswegen, weil sein Bruder Michael, als Spieler spiritus rector seiner Mannschaft eine prägende und entscheidende Rolle spielt, im wahrsten Sinn des Wortes. Jede Spielergeneration hatte, bis heute, herausragende Könner in ihren Reihen. In den Gründungsjahren waren es Hermann Schock als Torwart, Wilhelm und Gottlob Fischer, Herbert Merkle und Otto Brudermüller, der noch in der Nachkriegszeit ein gefürchteter Stürmer mit hammerharten Wurf auf Linksaußen war. Zu ihnen gesellte sich schon als Jugendlicher „Fadle“ Helmut Luithardt auf Halblinks, damals einer der besten Handballer im süddeutschen Raum mit überragenden Fähigkeiten. Noch während des 2. Weltkriegs wurde er in Auswahlmannschaften berufen und gehörte mit seiner athletischen Spielweise zum erweiterten Kader der deutschen Feldhandball-Nationalmannschaft die 1936 Olympiasieger im Feldhandball geworden war. Während des 2. Weltkrieges war der Spielbetrieb nur sehr eingeschränkt möglich. 27 TVBler, darunter Marianne Fischer, ließen ihr hoffnungsvolles Leben bei diesem Völkermorden. Der Wiederbeginn nach dem Krieg war schwer, zumal alles von der amerikanischen Militärregierung beschlagnahmt war und von dieser Genehmigungen eingeholt werden mussten. Auch für die Spiele um die Württembergische Feldhandballmeisterschaft. Am 9. September 1946 wird der am 18. November 1945 wieder gegründete Verein von der amerikanischen Militärregierung endlich anerkannt. Am 20. Januar 1946 erhielt der TVB seine Turnhalle wieder zurück, seine Spiele musste er jedoch beim TSV Schwaikheim austragen, sein Vermögen bleibt weiterhin beschlagnahmt. 1947/1948 erhält der Verein im Tausch mit der Gemeinde Gelände im Waldgebiet Löhle und baut sich selber in Eigenleistung seinen noch heute existierenden weithin bekannten Waldsportplatz „Löhle“; diesem folgt, ebenfalls in Eigenleistung, in den Pionierjahren 1955-1957 das idyllisch am Waldrand gelegene TVB-Vereinsheim. Der Verein hatte damit seine endgültige, bis heute sehr beliebte Heimstätte gefunden. Ein Zuhause in dem jeder TVBler und viele Gäste aus der Region sich wohl fühlen und daheim sind. Auch die Feldhandballmannschaften beweisen in diesen Aufbaujahren ihre Klasse bei den Spielen um die Württembergische Meisterschaft der Männer und der Jugend. Gespielt wird wie beim Fussball ganzjährig, also auch im Winter, und mit 11er-Teams, auch in der Jugend. Die Spiele des TVB waren ein Renner, über 1.000 Zuschauer umsäumten den Waldsportplatz. Um guten Handball zu sehen, eilte man nach Bittenfeld, „TVB anfeuern“, und danach Bittenfelder Moschd-Viertele geniessen.

 

Ära Frischauf Göppingen

Eine Ära FA Göppingen wäre ohne Bernhard Kempa nicht möglich gewesen. Von der

renommierten französischen Sportzeitung LÉquipe als Monsieur Handball bezeichnet prägte er das Handballspiel weltweit wie kein anderer. Für Deutschland war er so etwas wie der Fritz Walter des Handballs. Ein noch heute anhaltender Langzeiteffekt mit Wirkung und Verdienst der Erfolge von FA Göppingen sowie der Aura eines Monsieur Handball und seinen Kempa-Buben. Einer Revolution gleich kam sein nach ihm genannter Kempa-Trick der das Hallen-Handballspiel revolutionierte, es in der Handballwelt so attraktiv machte, dass es zu einer Verdrängung des Feldhandballs führte und letztlich zu dessen Niedergang entscheidend mit beitrug. Die FAG-Ära begann als der 1920 in Oppeln/Oberschlesien geborene Auswahl-Spieler Bernhard Kempa 1947/1948 als vertriebener Flüchtling nach Göppingen kam, FAG beitrat, dort die Männermannschaft als Trainer übernahm und mit seinen jüngeren Brüdern Achim und Gerhard 1948 zum erstenmal Württembergischer Feldhandball-Meister wurde. Der TV Bittenfeld nahm als Kreismeister bereits 1946/1947 an den Spielen um die württembergische Feldhandballmeisterschaft teil, und hatte mit Fadle Helmut Luithardt, Eugen Ehring jun., Mittelstürmer Emil Gall, Mittelläufer Gerhard Müller, Läufer Eugen Fröschle und Torwart Alfred Müller, ein großartiges Team, das zur württembergischen Spitze gehörte, Jahr für Jahr Kreismeister wurde, und auch 1948/1949 um die württembergische Meisterschaft spielte, aber am Rivalen VfL Ossweil, nach FAG stärkster württembergischer Verein, scheiterte. Neben dem Feldhandball wurde langsam begonnen Hallenhandball zu spielen, meistens in Turnierform und bei speziellen Turnieren, wie in der Fellbacher Stadthalle. Bei der württembergischen Meisterschaft 1948 trafen zum erstenmal FAG und der TVB aufeinander. Gespielt wurde in der alten Flakhalle von Göppingen, auf Holzboden. Das Duell der beiden, damals wohl besten württembergischen Spieler Bernhard Kempa und Helmut Luithardt vom TVB endete mit einem 15:12 Erfolg für FAG. Das sollte jedoch erst der Beginn weiterer handballerischer Auseinandersetzungen gewesen sein. Die nächste folgte 1951 – und was für eine! Beide Vereine waren für ihre gute Jugendarbeit damals schon bekannt, und beide hatten Klasse-Jugendmannschaften die im Jugendhandball Württembergs eine führende Rolle spielten. So kam es in Esslingen bei der A-Jugend zwischen FAG und TVB zum Endspiel um die Württembergische A-Jugend-Feldhandballmeisterschaft. Der TVB hatte im Halbfinale den starken TSV Zuffenhausen, mit den späteren Nationalspielern „Bubbes“ Graf und Keeper Jörg Steinle, ausgebootet. Der Frischaufjugend von Dr. Zeller eilte ein „Unschlagbar“-Ruf voraus. War doch ihr Trainer Bernhard Kempa. Und so war es denn auch. Obwohl TVB-Jugendleiter Alfred Luithardt seine Jungs gut auf die variantenreiche Angriffsreihe der Göppinger vorbereitet hatte, mussten sich die läuferisch starken Bittenfelder mit 14:18 geschlagen geben. Kein Wunder, erwuchsen doch aus der FAG-Mannschaft Nationalspieler deren Namen heute noch die Zunge schnalzen lässt. Und auch den Kempa-Trick spielten damals schon Horst Singer und Edwin Vollmer auf dem Feld (!), wohl trainingshalber von ihrem Trainer Bernhard Kempa verordnet; nach der Erinnerung des Autors spielte Horst Singer den Ball und Vollmer verwandelte zweimal im Sprungflug. Die Mannschaften spielten 2×30 Minuten in folgender Aufstellung, TV Bittenfeld 1898:

Hans Wörner (Tor), Helmut „Hanu“ Luithardt, Siegfried Petershans, Anton Bischof, Karl Brudermüller, Horst Jung, und hatte mit Horst Kleinknecht, Matthias Bürger, Dieter Böhringer, Rolf Luithardt, Herbert Max, einen Paradesturm der eigentlich seinesgleichen suchte.

FA Göppingen: Werner Speidel, Horst Singer, Erhard Wohletz, Werner Hasch, Edwin Vollmer, Siegfried Schwenk, Frieder Weiß, Joachim Pohl, Hans Rentschler, Hans Airer, Günter Haller, Rolf Kehrer. Der Grundstein für die späteren großen Erfolge und der Name „Kempa-Buben“ war geboren und wurde europaweit ein Begriff für hochklassigen Handballsport. Bernhard Kempa formte aus den Spielern, die aus der erfolgreichen A-Jugend in die Aktivenmannschaft aufrückten, die Mannschaft, die 1954 Deutscher Doppelmeister im Feld und in der Halle wurde. Im Laufe der nächsten Jahre rückten mit Grill, Jarosch, Meister, Schmauder, Pflüger weitere Göppinger „Buben“ nach. 1955 wurde der Hallentitel verteidigt. Im gleichen Jahr wurden Bernhard Kempa und Horst Singer mit der deutschen Nationalmannschaft als erste Göppinger Weltmeister im Feldhandball. Nach dem Vizetitel in der Halle 1957 hängte Bernhard Kempa die Handballschuhe an den Nagel und fungierte fortan nur noch als Trainer. Allerdings schnürte er im Sommer nochmals die Schuhe für die Endspiele um die Deutsche Meisterschaft im Feldhandball und errang mit seinen Buben den zweiten und letzten Titel im Feldhandball. Eine beispiellose Erfolgsserie gelang den Kempa-Buben 1958 bis 1961, als vier mal nacheinander der Hallentitel errungen werden konnte. In dieser Zeit spielte Horst Singer für einige Jahre in Berlin bei BSV 92 und beim Lokalrivalen Turnerschaft.1961 gab Bernhard Kempa sein Traineramt an einen seiner Buben, Edwin Vollmer, ab. Unter seiner Regie konnte dieser Triumph dann 1962 mit dem verlorenen Sohn Horst Singer mit 13:8 gegen Dukla Prag wiederholt werden. Im Laufe der folgenden Jahre ging die Ära der Kempa-Buben langsam zu Ende, auch wenn 1965 nochmals der Hallentitel errungen wurde. Die Buben waren langsam in die Jahre gekommen. Es erfolgte der Einbau neuer Spieler und als Tiefpunkt wurde 1966 die Qualifikation für die neu gegründete Bundesliga verpasst. Trainer Edwin Vollmer trat daraufhin zurück, Bernhard Kempa übernahm wieder das Ruder. Die Ära der Kempa-Buben in den 50er und 60er-Jahren brachte insgesamt

9 Deutsche Meisterschaften und 2 Europapokalsiege. Später folgten 1970 und 1972 noch zwei weitere Meistertitel in der Halle. Kempa und Singer wurden Weltmeister, viele Frisch Auf-Spieler wurden in die Nationalmannschaft berufen. Und was man sich heute überhaupt nicht mehr vorstellen kann: Die Spieler dieser Ära waren alle „Einheimische“.

Das Jahr 1954 war zum großen Triumph geworden und der Beginn der Legende FRISCH AUF Göppingen. Mit den beiden ersten deutschen Meistertiteln, sowohl im Feld als auch in der Halle, war FAG das Maß aller Dinge im deutschen Handball. Seit 1948 war Göppingen im Rennen um den deutschen Meistertitel im Feld, 1954 zum ersten Mal auch in der Halle. Was Bernhard Kempa gegenüber anderen deutschen Handballgrössen auszeichnete, war, dass er im Feldhandball so gut war wie im Hallenhandball; im Gegensatz zu Hein Dahlinger vom THW Kiel und Atomotto Maychrzak vom Polizeisportverein Hamburg, die beide im Feldhandball ihre überragenden Stärken hatten, oder Hotti Käsler vom Berliner SV der in der Halle brillierte, wie auch Klaus Velewald, dem neben Horst Singer besten Balltechniker und Ballzauberer Deutschlands, wohl bis heute. Beide spielten auch klasse Basketball. Horst Singer, der Meisterschüler von Bernhard Kempa, tat dies bei der Turnerschaft Göppingen, wohin er in den 1958/1959er-Jahre auch zum Handball spielen gewechselt war und somit auch gegen den TVB in Bittenfeld spielen musste. Dieser war mit souveränen Leistungen 1959 in die höchste Feldhandball-Spieklasse, die damalige Verbandsliga aufgestiegen. Mit dem Aufstieg hatten die TVB-Handballer ein tolles Jahrzehnt großartig zum Abschluss gebracht. Begonnen hatte es mit dem Neuaufbau der Mannschaft aus der erfolgreichen A-Jugend und den schlachtenbewährten Älteren um Fadle Helmut Luithardt, Gerhard Müller, Eugen Ehring, Emil Gall. Neben der 1. Mannschaft hatte der TVB auch immer eine äußerst starke II. Mannschaft, die Reserve, sowie alle Jugendklassen, und auch Frauenhandball im Einsatz. Außerdem wechselte Auswahlspieler Manfred Schieferdecker zum TVB. Er war nach den Freundschaftsspielen mit der BSG Traktor Schafstädt/DDR nach dem Rückspiel in Bittenfeld einfach hier geblieben und verstärkte so das TVB-Team enorm, zudem war er ein Klasse-Läufer. Dritter DDR-Meister über 1500 m, nach Silbermedaillengewinner Richtzenhain. Mit ihm als Spielertrainer eilte der TVB nun von Sieg zu Sieg. Als dann noch mit Hermann Teis und Siegfried Jung – nach grünem Sportbericht „das grösste Talent im württembergischen Handball“, aus einer neuen A-Jugend-Generation kommend das TVB-Team nochmals verstärkten, gab es nach Oben so gut wie keine Grenzen mehr. Im Feldhandball und im Hallenhandball erkämpfte sich das Team den Aufstieg in die damals höchsten Spielklassen und konnte die Aufstiege mit der Bittenfelder Einwohnerschaft, dem Musikverein „Freiweg“ sowie dem Handball-Kreisvorsitzenden und späteren BW-Finanzminister und Fellbacher Oberbürgermeister Dr. Guntram Palm in seiner alten Turnhalle und seinem neu erbauten Vereinsheim tage- und nächtelang gebührend feiern. So wie FAG das Maß im deutschen Handball war, war der TVB zum Maß für den Handballkreis Rems geworden, worauf uns Guntram Palm offiziell zum „Frischauf des Remstals“ kürte. Den Aufstieg 1960 in die württembergische Verbandsliga erspielte sich der TVB mit der Mannschaft Horst Kleinknecht und Gerhard Laible (Torwarte), Dieter Böhringer, Franz Teller, Hermann Schieferdecker, Helmut Scholpp, Rolf Schweikardt, Eugen Schweikardt, Vize Helmut Wissmann, Hermann Teis, Rolf Luithardt, Siegfried Jung, Fritz Gabler; ihr Trainer war Horst Jung.

Das Spiel in Bittenfeld verlor damals die Turnerschaft Göppingen, trotz Horst Singer, mit 16:12; der TVB allerdings musste mit viel Pech absteigen, kam jedoch in der Halle mit

Furore zurück und erkämpfte sich den Aufstieg in die württembergische Hallenliga.

Dort spielte die Creme de la creme. FAG, TB Esslingen, TSV Zuffenhausen, Tschft. Göppingen, TSB Horkheim, SV Möhringen, mit ihren Nationalspielern, sowie TB Gingen,

TSB Heidenheim,TSV Esslingen, und nun auch der TVB. Die Spiele fanden in den gerade neu erbauten Sporthallen in Esslingen, Bietigheim, Heidenheim, Heilbronn, und in der Messehalle auf dem Killesberg vor Tausenden von Zuschauern statt. Die Hallen waren völlig überfüllt, die Menschen hatten nach den bitteren Kriegs- und Nachkriegsjahren auch Hunger auf guten Sport und so wurde aus dem von FAG creierten und gespielten Hallen-Handball ein regelrechter Siegeszug für diese Art zu spielen. Alles wollte Bernhard Kempa und seine Buben spielen sehen. Es war eine tolle unvergleichliche Zeit für den Handball, und alle Sportarten. Pionier- und Aufbaujahre nicht nur für den Sport. Der TVB

spielte unter dem Trainergespann Rudi Dinse/Horst Jung mit der Mannschaft Dieter Böhringer (1. Torwart), Gerhard Laible (2. Torwart), Rolf Luithardt, Hermann Teis,

Siegfried Jung, Horst Kleinknecht, Fritz Gabler, Helmut Scholpp, Eugen Schweikardt,

Rolf Schweikardt, Wilhelm Heilemann, Götz Rascher, Siegfried Veigel. Der Bittenfelder

Rückraum mit Rolf Luithardt, Hermann Teis, Siegfried Jung, war allseits bekannt und

hatte schon bei den Aufstiegsspielen allen das Fürchten gelehrt, und im Tor glänzte der

ehemalige Feldspieler Dieter Böhringer mit großartigem Stellungsspiel und stoischer Ruhe als Steher-Typ. Dazu wurden aus der jüngsten A-Jugend-Generation noch die Nachwuchstalente Götz Rascher und Siegfried Veigel geholt, beide auch Klasse-Leichtathleten, S. Veigel war zuvor württembergischer Jugendmeister über 3.000 m geworden. Nach dem Spiel gegen den TSB Horkheim, das der vorzüglich spielende TVB mit 13:9 in der völlig überfüllten Heilbronner Halle gewann, titelte der Grüne Sportbericht „Leichtathlet Veigel stoppt Nationalspieler Herbert Hönnige“. Und auch das Spiel gegen

FAG in der proppenvollen neuen Schelztorhalle Esslingen wurde ein handballerischer

Höhepunkt. FAG trat mit seiner kompletten Meistermannschaft die schon viermal Deutscher Meister und darüber hinaus zum erstenmal Europa-Pokalsieger geworden war (18:13 gegen GF Aarhus in Paris) gegen den Aufsteiger TV Bittenfeld 1898 an, mit dem Riesen Anton Burkhardtsmaier im Tor und seinen Nationalspielern Vollmer, Grill, Meister, Jarosch, Pohl, sowie Weiß, Röhm, Speidel, Schmauder. Der TVB unbeeindruckt, war in

Galaform und spielte zum Erstaunen der überfüllten Halle auf Augenhöhe. Die Halle

raste als der Bittenfelder Rückraum ebenfalls zu tricksen begann und H. Teis und Six Jung Keeper Burkhardtsmaier mit tollen Sprung- und Knickwürfen kein Chance ließen; beim sensationellen Halbzeitstand von 8:5 für den TVB drohte die Halle zu platzen, nachdem S. Jung zuvor noch einen Rückhandwurf an den Pfosten gedonnert hatte. FAG gewann schließlich aus Bittenfelder Sicht glücklich mit 10:14. Der TVB wurde unter tosendem Beifall als Sieger gefeiert und war fortan in aller Munde. Zum Spiel gegen die Turnerschaft Göppingen, mit Nationalspieler Horst Singer, in der randvollen Stuttgarter Messehalle strömten über 5.000 Zuschauer, auch um zu sehen wer der bessere Ballzauberer und Techniker ist, Horst Singer oder Six Jung. Der TVB gewann unter frenetischem Beifall nach hoch spannendem Spiel mit 13:11. Obwohl der TVB auch gegen den TSV Esslingen mit 12:7 gewann, musste er nach Entscheidungsspielen wieder aus der höchsten Liga absteigen. In den Folgejahren scheiterte er immer wieder knapp am Aufstieg, auch weil Hermann Teis zu FAG gewechselt war, wo er es bis zum

Nationalspieler (Feld und Halle) brachte. Mit Willi Fischer, Erich und Helmut Fischer, Werner Lang, Bernd Rzepka, Gerhard Fischer, Wolfgang Billing, Quinto Sabbadini, Manfred Wolf, Brüder Gendig, Brüder Fröschle, Bernd Müller, Günter Schweikardt, Roland Zeller, Erich und Helmut Becker, Sepp Strecker, Rolf Fischer, Robert Koser, Rainer und Werner Heib, Rainer Seiz, Brüder Laible, Thomas Randi, Bernd und Roland Wissmann, Volker Dezius, Thomas Moser, Christopher und Wolf Jung, Sven Heib, Michael Schwaderer, sorgten junge hoch talentierte Spieler in den nachfolgenden Jahren immer dafür, dass der TVB in den höchsten Spielklassen Württembergs eine gute Rolle spielte. Keine Rolle mehr spielte der Feldhandball, der nach den Olympischen Spielen 1972 in München, wo zum erstenmal Hallenhandball in das olympische Programm aufgenommen worden war, immer mehr zum Freizeitsport verkümmerte. Schlussendlich wurde der offizielle Spielbetrieb vom DHB und seinen Landesverbänden eingestellt. Der Hallenhandball hatte weltweit seinen Siegeszug erfolgreich angetreten. Der Bau der Gemeindehalle 1969/1970 in Bittenfeld folgte dieser Entwicklung und verbesserte die Hallen-Situation für den TVB entscheidend. In allen diesen Jahren hatten junge Handballer als Spielleiter und Abteilungsleiter Verantwortung für die TVB-Mannschaften übernommen und mit viel Idealismus ihre Handballer durch das Auf und Ab im sportlichen Dasein „geführt“. Von 1945 bis heute waren dies: Eugen Ehring, Paul Baur, Eugen Scholpp, Albert Dolderer, Karl Läpple, Erwin Wiesenmaier, Julius Luithardt, Dieter Böhringer (von 1951-1954), Horst Jung (1954-1969), Bernd Müller (1969-2013), Peter Seiz (2013-bis heute). Günter Schweikardt war 1971 der zweite zu FAG wechselnde TVB-Spieler und gewann dort 1972 die bis heute letzte Deutsche Meisterschaft für FAG, zusammen mit Peter Bucher vom SSV Hohenacker. Michael Schweikardt folgte als Juniorenspieler den Spuren seines Vaters und spielte bei FAG von 20003-2010, die letzten im Bunde waren Simon Baumgarten für kurze Zeit 2004 im Rahmen vom Zweitspielrecht und Keeper Rutschmann 2011.

In all den vielen Jahren bewies der TVB1898 mit zahlreichen herausragenden freund-schaftlichen Begegnungen in der Gemeindehalle, auf dem Waldsportplatz „Löhle“, auf den Spielfeldern und in den Handball-Arenen dieser Handballwelt seine Weltoffenheit, auch als Botschafter des Grenzen überwindenden und völkerverbindenden Sports. Daraus entstanden Freundschaften die bis heute bestehen. Der TV Bittenfeld reiste dabei um die halbe Welt. In Bittenfeld zu Gast waren viele europäischen Spitzenmannschaften aus Deutschland und anderen Ländern wie der Schweiz, Austria, Frankreich, Norwegen, oder Tatran Presov, Dukla Prag, Bohemiens Prag, Honved Budapest, die türkische, mexikanische, koreanische Junioren-Nationalmannschaft, die russische Nationalmann-schaft mit ihrem Top-Star Maximow, die senegalesische Nationalmannschaft, die Städte-mannschaft Berlin sowie Turniere aller Art erlebten die besondere Bittenfelder Gastfreundschaft. Unvergessliche Erlebnisse mit eindrucksvollen Begegnungen vermittelten unsere mehrere Tage oder Wochen umfassenden Spielreisen in die ehemalige DDR 1955, Frankreich 1960, 1961 und 1963 mit Spielen in Bordeaux, Narbonne, Montpellier, Lyon, Marseille, Besancon, Socheaux, die Jordanienreise 1989 mit Schwimmen im Toten Meer, den Besuchen von Petra, Berg Arat und antiken Ausgrabungsstätten sowie Spielen an der syrischen Grenze gegen die jordanische Nationalmannschaft und Empfang durch die Deutsche Botschaft in der Hauptstadt Amman. Auch der Griechenland Kurztrip und der Mexiko-Trip 2000 mit Trainingsquartier im Leistungszentrum des Olympischen Comite Mexicano in Mexiko City mit Spielen gegen den Mexiko-Meister und weitere Spitzenmannschaften des Landes, gegen die Nationalmannschaft, sowie der Besuch von Ausgrabungsstätten und Pyramiden der Azteken und indianischen Ureinwohner-Kulturen bleiben solche lebenslangen kostbaren Erinnerungen und Erfahrungen. Alles organisiert und durchgeführt von Horst Jung.

Und die Zukunft?!

Die großartige und außergewöhnliche Entwicklung im Bittenfelder Handballgeschehen

wurde in diesen vielen Jahren auch immer getragen und begleitet von der Begeisterung seiner Fans landauf, landab; auch die Unterstützung wohlwollenden Sponsoren und der Kommunen Bittenfeld, Waiblingen, und der Landeshauptstadt Stuttgart, sowie der Idealismus und das Engagement vieler ehrenamtlichen Helfer und Mitmacher halfen über viele Schwierigkeiten und Hürden hinweg und trugen damit entscheidend zu diesem herausragenden Ergebnis mit Status von heute bei. Schnell, schön und erfolgreich

Handball zu spielen ist zu einem Markenzeichen für den Bittenfelder Handball gereift.

Die eindrucksvollen Aufstiegserfolge zwangen zu strukturellen und organisatorischen Überlegungen, auch hinsichtlich der Hallen-Infrastruktur. In der Bittenfelder Gemeindehalle konnte der Spielbetrieb ab der Regionalliga nicht mehr länger durchgeführt werden. Der Verein erstellte daher Planungen für eine DHB- und IHF-konforme neu zu bauende Handballhalle in Bittenfeld oder Waiblingen. Nachdem die Stadt sich außerstande sah diesen Überlegungen und Vorstellungen zu folgen, musste rasch eine neue zukunftsorientierte Lösung gefunden werden. Dieses war in und mit Stuttgart möglich. Porsche Arena und SCHARRena erfüllen und entsprechen HBL Bundesliga-Anforderungen. Das erste Spiel in der Porsche Arena (6.211 Plätze) folgte am 3.12.2006 gegen Bergischer HC (30:35), das erste Spiel in der SCHARRena (2.251 Plätze) am 4.5.2012 gegen HSG Nordhorn-Lingen (31:30). Seit diesem Zeitpunkt finden alle Heimspiele der Wild Boys in diesen beiden Stuttgarter Arenen statt. Mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga wurden weitere strukturelle, funktionale und organisatorische Maßnahmen notwendig. Die GmbH Gründung erfolgte am 1.4.2008, die Ausgliederung des „Profi-Handballs“ wurde zur Saison 2008/09 vollzogen, sie betraf die 1. Mannschaft, die sich fortan mit dem Beinamen „Wild Boys“ schmückte. Damit war eine funktionale Trennung zum Amateurhandball auch organisatorisch vollzogen. Alle aktiven Mannschaften, außer dem Bundesligateam „Wild Boys“, sowie alle Jugendmannschaften spielen und trainieren weiterhin in der Gemeindehalle Bittenfeld. Nach dem Aufstieg in die 1. Bundesliga erfolgte am 24.6.2015 der vorläufig letzte organisatorische Schritt: In seiner ersten Pressekonferenz als Erstligist informierte Geschäftsführer Jürgen Schweikardt im Beisein von OB Andreas Hesky Waiblingen, Frau Dr. Eisenmann BM für Sport und Kultur in Stuttgart, Christian May Geschäftsführer Alfred Kärcher Vertriebs GmbH vom Hauptsponsor, über die Umbennung auf den Namen TVB1898 Stuttgart. Von dieser Umbenennung betroffen ist ausschließlich das Bundesligateam, die „Wild Boys“. Alle anderen Mannschaften, auch die Jugend spielen weiterhin unter dem Traditionsnamen TV Bittenfeld 1898. Gleichzeitig wurde aus der GmbH die TVB 1898 Handball GmbH & Co. KG, mit Gesellschafter und Beirat. Geschäftsührer ist weiterhin Jürgen Schweikardt, Sportlicher Leiter Günter Schweikardt,   Pressewesen & Öffentlichkeitsarbeit Presse- und Hallensprecher Jens Zimmermann, Geschäftsstellenleiterin Monika Heib. Jürgen Schweikardt zu dieser Umbenennung und den strukturellen Maßnahmen: „Wir stehen vor der größten Herausforderung die es im Handball gibt. Mit dem Aufstieg in die erste Bundesliga ist nun der richtige Zeitpunkt da auch an unserem äußeren Erscheinungsbild etwas zu ändern. Wir wollen keine neue Identität schaffen, sondern unsere bisherige weiter entwickeln. Auch erhoffen wir uns weitere und neue Sponsoren, noch mehr Medienpräsenz und Fans aus der Landeshauptstadt, um die wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen zu stärken.“

Elf Mal war FRISCH AUF im vergangenen Jahrhundert Deutscher Meister, zweimal Europapokalsieger. Die Kempa-Buben haben in den 50er- und 60er-Jahren ganze Arbeit geleistet und den Grundstein zur Legendenbildung gelegt. Der TVB 1898 freut sich heute

gegen die Nachfolger der legendären Kempabuben zu spielen, die letzte Pfichtspiel-Begegnung war am 11.12.2013 im Pokal. FAG gewann glücklich nach Verlängerung mit 39:36 in der rappelvollen SCHARRena! Alles Gute mit viel Gesundheit aber wünschen wir unserem Monsieur Handball Bernhard Kempa. Der Welthandballer begeht im November seinen 95. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch hierzu und vielen Dank von uns Handballern für sein Lebenswerk Handball.

Der Turnverein Bittenfeld 1898 ist zum sportlichen Aushängeschild der Stadt Waiblingen

geworden. Neun Jahrzehnte Handball beim TVB 1898 waren geprägt von spannenden Spielen, ausverkauften Hallen und tollen Spieler-Persönlichkeiten. Der TVB1898 Bittenfeld hat mit seinen Erfolgen und dem Aufstieg in die Königsklasse des Handballs sowie dem Umzug in die modernen Stuttgarter Arenen dem Handball in der Landes-hauptstadt, aber auch sich, eine neue Grundlage mit viel Perspektiven und eigenem Gepräge gegeben. Daraus entstand im Internet-Zeitalter eine neue Fankultur, die Begeisterung verbreitet und die Hallen füllt und, das ist jetzt schon absehbar, sie zu klein werden lässt. Der TVB1898 Stuttgart kann sich in seiner Premierensaison in der ersten HBL-Bundesliga auf ausverkaufte Arenen freuen, Porsche Arena und auch SCHARRena sind schon jetzt stets so gut wie ausverkauft. Und auch beim TV Bittenfeld 1898 herrscht eitel Freude, darüber, dass ihre alte ehrwürdige Gemeindehalle von der Stadt Waiblingen modernisiert und um ein komplettes Feld vergrössert werden wird. Mit vier aktiven Mannschaften und jeweils zwei Teams in allen Jugendklassen (A-B-C-D-E-Minis) stürmen die TVBler nach vorne. Vorweg TV Bittenfeld II in der Württemberg-Liga, als Perspektivmannschaft für die Erste. Für die Verantwortlichen um Jugendleiter Rainer Seiz und seine Trainer- und Betreuerteams eine Riesenaufgabe um den Bittenfelder Handball mit Herz, Leidenschaft, schnell und erfolgreich, hoffnungsfroh in die Zukunft zu führen. Auf alten Spuren weiter, immer weiter, bis zum Hundersten. Der Turnverein Bittenfeld 1898 und Frischauf Göppingen haben Handballgeschichte geschrieben, jeder auf seine Weise, tun sie es weiter. Viel Glück und Erfolg dabei.

Quellen zu diesem Artikel:

Privatarchiv Horst Jung

Historie FA Göppingen

Chronik TV Bittenfeld 1898, copyright Autor Horst Jung