Der Dino ist stark, aber schlagbar

Der letzte Dinosaurier wird sich am Sonntag in der Scharrena die Ehre geben: Als einziger Club ist der VfL Gummersbach seit der Einführung der Handball-Bundesliga im Jahr 1966 dabei. Nach vier Niederlagen in Serie braucht der TVB 1898 Stuttgart dringend die Punkte gegen den zwölffachen Deutschen Meister. Ein Wiedersehen gibt es mit Jörg Lützelberger.

5397 Fans in der Flens-Arena waren am Mittwoch begeistert – sofern sie der SG Flensburg-Handewitt die Daumen drückten. Der Vorjahresdritte machte beim 34:19-Sieg nicht viel Federlesens mit dem TVB 1898 Stuttgart. „Das war ein sehr deutlicher und auch in dieser Höhe verdienter Sieg für Flensburg“, sagte Günter Schweikardt, Sportlicher Leiter des TVB, bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. „Ich sehe trotzdem eine Tendenz nach vorne, wir gehen zuversichtlich in die nächsten Spiele.“

Natürlich hatte auch der Trainer des Aufsteigers eine Niederlage in Flensburg einkalkuliert. „Die Frage ist nur, wie man verliert“, sagte Thomas König am nächsten Tag. Nachdem die Bittenfelder bis zum 16:13 mitgehalten hatten, suchten sie zu überhastet den Abschluss und luden die Flensburger zu Gegenstößen ein. Und die beherrschen sie mit am besten von allen Erstligisten. So nahm das Unheil seinen Lauf, am Ende standen 15 Tore Differenz zu Buche. Und weiterhin nur zwei Punkte.

Von Ernüchterung indes möchte König nichts wissen. „Es ist nichts passiert, die Saison ist noch jung.“ Nach vier Auswärtsspielen in Folge stehen jetzt drei Heimpartien auf dem Zettel: Gummersbach, Göppingen und Magdeburg. „Gummersbach und Göppingen haben jede Menge Erstligajahre auf dem Buckel“, sagt König. Das alleine zeige schon, mit welchen Kalibern es der TVB in den nächsten Tagen zu tun bekomme.

Vor dem württembergischen Derby am Mittwoch in der Porsche-Arena muss sich der TVB am Sonntag mit dem traditionsreichen VfL Gummersbach auseinandersetzen. Die besten Zeiten hat der dienstälteste Bundesligaclub zwar schon eine Weile hinter sich, einen starken Kader hat er allerdings nach wie vor beisammen. „Wir möchten zeigen, dass wir gegen solche Teams gewinnen können“, sagt König. „Das ist unser großes Ziel.“

Der SC DHfK Leipzig, gegen den der TVB seine einzigen Punkte geholt hat, knöpfte den Gummersbachern zuletzt beim 23:23 in deren Halle einen Punkt ab. Zuvor hatte der VfL mit dem 27:23-Sieg bei den bis dato verlustpunktfreien Melsungern für einen Coup gesorgt. Dass es noch an Stabilität mangelt bei den Oberbergischen, verdeutlicht die 21:30-Heimpleite gegen den HSV Hamburg am vierten Spieltag.

Der Gummersbacher Coach Emir Kurtagic, nach dem Hannoveraner Jens Bürkle der jüngste Trainer der ersten Liga, kann auf ein eingespieltes Team zählen. Großer Rückhalt ist der 193-fache deutsche Nationaltorhüter Carsten Lichtlein. Der österreichische, besonders trickreiche Nationalspieler Raul Santos gehört für Thomas König zu den besten Linksaußen der Liga. Auch auf der anderen Außenposition ist der VfL mit dem Ex-Flensburger Florian von Gruchalla sehr gut besetzt. Das gilt auch für den Kreis: Alexander Becker spielte schon in der vergangenen Saison für Gummersbach, mit dem deutschen Nationalspieler Evgeni Pevnov hat sich der VfL prima verstärkt. Pevnov spielte, bevor er nach Göppingen und zu den Füchsen Berlin wechselte, unter König in Friesenheim.

Eine gute Mischung aus erfahrenen Spielern und Talenten hat der Bittenfelder Gegner im Rückraum mit dem wuchtigen Christoph Schindler (32) und dem Jung-Nationalspieler Simon Ernst (22) auf der Mitte-Position sowie Julius Kühn (22)/Andreas Schröder (24) und Mark Bult (33)/Magnus Persson (25) auf den Halbpositionen.

Auf der Bank der Gummersbacher wird am Sonntag ein Mann Platz nehmen, den die Bittenfelder im Frühjahr innerhalb kürzester Zeit ins Herz geschlossen haben. Es ist ein kluger Schachzug gewesen von den Verantwortlichen im Frühjahr: Weil mit Simon Baumgarten und Florian Schöbinger gleich beide Kreisläufer verletzt waren, verpflichtete der TVB kurzfristig Jörg Lützelberger. Und der Co-Trainer des VfL Gummersbach hatte mit starken Auftritten in den letzten vier Spielen maßgeblichen Anteil am Aufstieg des TVB.

Nach der Aufstiegsfeier nahm Lützelberger die Arbeit bei seinem Verein wieder auf und kehrt nun für ein Spiel nach Stuttgart zurück – und wird seinem Chef Emir Kurtagic sicherlich den einen oder anderen Tipp geben können.

Simon Baumgarten geht es nach seinem Magen-Darm-Infekt wieder besser (siehe Interview links), er wird bis Sonntag wieder fit sein. In Flensburg und Lemgo machte sich das Fehlen des Kreisläufers deutlich bemerkbar, wobei König mit Teo Coric zufrieden war. „Er kommt immer besser rein.“

Eher unwahrscheinlich dagegen ist der Einsatz von Sajad Esteki, dessen Platzwunde an der Lippe genäht werden musste. Noch mindestens zwei Wochen gedulden muss sich Dragan Jerkovic nach seinem Handbruch.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW