WILD BOYS empfangen den VfL Gummersbach

Mit dem VfL Gummersbach stellt sich am Sonntag das in den 1970er Jahren als beste Vereinsmannschaft der Welt geltende Handballteam in der Stuttgarter SCHARRena vor. Doch der Ruhm der Oberbergischen ist in der Zwischenzeit etwas verblasst, die letzte Deutsche Meisterschaft liegt lange zurück.

Mit ihren Stars wie dem ehemaligen Bundestrainer Heiner Brand, Jochen Brand, Klaus Brand, Joachim Deckarm, Claus Fey, Klaus Kater, Jochen Feldhoff, Hansi Schmidt und Klaus Westebbe bestimmte der VfL Gummersbach die europäische Handballszene vor rund 40 Jahren. Legendär die Handballschlachten in der Dortmunder Westfalenhalle gegen Gegner wie Mai Moskau, ZSKA Moskau oder Frankfurt/Oder um die europäische Krone. Später gesellten sich noch Spieler wie der heutige DHB-Justiziar Andreas „Hexer“ Thiel oder Sport1-Kommentator Stefan „Kretsche“ Kretschmar zu den Oberbergischen. Doch diese Zeiten, in denen der jetzige Bundesliga-Dino mehrmals den Europalpokal holte, sind lange vorbei. Den letzten deutschen Meistertitel feierten die Gummersbacher im Jahre 1991.

Heuer backen die Oberbergischen freilich kleinere Brötchen, wenngleich Geschäftsführer Frank Flatten einen einstelligen Tabellenplatz als Ziel für diese Runde ausgegeben hat. Dies ist eine realistische Vorgabe, auch wenn man bedenkt, dass der VfL Gummersbach bereits mehrfach vor dem finanziellen Kollaps stand. Etwa 1997, als Spieler auf ihre Gehälter verzichten oder verkauft werden mussten. Oder jüngst in der Saison 2011/12, in der den Gummersbachern erst im zweiten Anlauf die Lizenz für die Bundesliga erteilt wurde. Damals klaffte eine Lücke im Etat von mehr als zwei Millionen Euro, die aber innerhalb von einer Woche durch Anhänger und Förderer des Traditionsvereins geschlossen wurde. Wohl dem, der sich auf solche Fans stützen kann.

In diese Saison starteten die Oberbergischen, die als einziger Verein seit der Gründung der Bundesliga immer erstklassig sind, eher durchwachsen. Mit 7:5 Zählern stehen sie derzeit auf dem neunten Rang. Allerdings gewann die Mannschaft jüngst bei der damals noch verlustpunktfreien MT Melsungen, kam aber gegen Aufsteiger Leipzig daheim über ein Unentschieden nicht hinaus. Und gegen den HSV Hamburg gab es sogar eine 21:30 Heimniederlage.

Letzteres bestätigt auch den TVB 1898 Stuttgart Coach Thomas König, der feststellt: „Der VfL Gummersbach ist sicherlich schlagbar.“  Aber die Aufgabe wird sicher sehr schwer für die WILD BOYS. Denn die Gäste besitzen eine eingespielte Mannschaft, die kaum Neuzugänge integrieren musste. Mit Tom Landgraf, dem Rückraumriesen Florian Baumgärtner, Christian Zufelde und Kreisläufer Evgeni Pevnov von den Berliner Füchsen stießen 2015 lediglich vier Akteure zu den Oberbergischen. „Dies ist eine sehr spielintensive Mannschaft“, weiß Thomas König.

Aber für die WILD BOYS ist es sicher ein ganz wichtiges Spiel. „Wir werden alles dafür geben, dass die Punkte in Stuttgart bleiben.“, betont der Trainer, der sich nach vier Auswärtsspielen in Folge wieder auf die Heimspielatmosphäre in der Stuttgarter SCHARRena freut. „Die Halle muss uns am Sonntag zum Sieg peitschen“, fordert König. Genauso wie die Anhänger des TBV Lemgo am letzten Wochenende hinter ihrem TBV standen. Zwar hatten die WILD BOYS die Möglichkeit, mit einem Erfolg aus Ostwestfalen heimzukehren, aber daraus wurde nichts. Mit 29:26 siegte der TBV Lemgo am vergangenen Samstagabend.

Jetzt soll eben am Sonntag in der SCHARRena ein Sieg her für die WILD BOYS. Mit einem Erfolg gegen Gummersbach will sich die Mannschaft vom TVB 1898 Stuttgart auch auf das württembergische Derby gegen Frisch Auf Göppingen einstimmen.

 

Quelle: Joachim Gröser, TVB