Zuversicht beim TVB vor Kellerduell

Bei den Rhein-Neckar Löwen war nichts zu holen für den TVB 1898 Stuttgart, am Samstag stehen die Chancen besser: In Lemgo soll der zweite Saisonsieg her. „Auswärts ist es immer schwierig“, sagt der Trainer Thomas König. „Ich bin aber zuversichtlich, dass wir es packen.“ Nach sechsmonatiger Verletzungspause wird Florian Schöbinger sein Comeback feiern.

Eine knappe Viertelstunde spielte der TVB am Mittwoch in der Mannheimer SAP-Arena munter mit. Dann zeigten die Rhein-Neckar Löwen, warum sie verlustpunktfrei an der Tabellenspitze stehen und zuletzt auch den großen FC Barcelona alt aussehen ließen. Beim 19:8-Vorsprung zur Halbzeit war das ungleiche Duell schon durch. In den zweiten 30 Minuten stemmte sich der TVB so gut es ging dagegen und hielt das Spiel, was die Torverteilung angeht (12:12), ausgeglichen. An der klaren 20:31-Niederlage gab es freilich nichts zu deuteln.

„Das ist kein Beinbruch“, sagt der TVB-Trainer Thomas König, der – wie sein Trainerkollege Nikolaj Jacobsen – früh zu experimentieren begann und dem einen oder anderen Spieler eine wohlverdiente Auszeit gönnte. Schließlich gilt’s, den Fokus auf jene Spiele zu richten, in denen die Erfolgsaussichten besser sind. Die zweite Halbzeit beim Titelkandidaten war für König ein Muster ohne Wert. „Entscheidend im Handball ist, dass man unter Druck die richtigen Entscheidungen trifft.“ Und den habe es auf beiden Seiten nicht gegeben aufgrund der klaren Verhältnisse.

In der Partie am Samstag wird das anders sein. Das König-Team sollte die Punkte drei und vier sammeln, um nicht den Anschluss zu verlieren. Und der TBV Lemgo? Der darf in eigener Halle gegen einen Neuling nichts liegenlassen. „Sonst brennt in Lemgo sicher der Baum“, sagt König.

Außer den drei Aufsteigern hatten die Experten der HBW Balingen-Weilstetten, dem Bergischen HC und dem TBV Lemgo eine schwierige Saison prophezeit. Und nach sechs Spieltagen finden sich alle diese Teams im hinteren Tabellendrittel. Am schlimmsten jedoch steht es um den noch punktlosen TuS Nettelstedt-Lübbecke mit dem Ex-Bittenfelder Jens Bechtloff, der nach der vergangenen Saison von Lemgo zum TuS gewechselt war.

Mit Lübbecke müssen sich die Bittenfelder erst am 31. Oktober auseinandersetzen. Bis dahin sollten sie den einen oder anderen Punkt gesammelt haben – und am besten gleich am Samstag in der Lipperlandhalle damit beginnen. Den einzigen, aber wichtigen Sieg gab’s für den TBV beim 30:28 gegen den Abstiegskonkurrenten Balingen. Einen Punkt holte das Team von Trainer Florian Kehrmann beim 23:23 gegen die HSG Wetzlar, zuletzt setzte es in Leipzig eine 25:28-Niederlage.

Lemgo ist leidgeprüft im Abstiegskampf. Nach 6:28 Punkten trennte sich der Verein im Dezember vergangenen Jahres von seinem Trainer Niels Pfannenschmidt. Der Ex-Nationalspieler Florian Kehrmann, 14 Jahre Rechtsaußen beim TBV, übernahm und führte seinen Verein zum Ligaverbleib. Das Zittern möchte sich Kehrmann in seiner ersten vollständigen Saison gerne ersparen.

Groß war die Fluktuation im Kader nach dem Beinahe-Abstieg. Neun Spieler haben den Verein verlassen, darunter wichtige Akteure: Torhüter Dan Beutler, Finn Lemke (Magdeburg), Hendrik Pekeler (Rhein-Neckar Löwen), Timm Schneider (MT Melsungen) und Tim Suton (TuS Nettelstedt-Lübbecke).

Mit den beiden Nationalspielern Pekeler und Lemke musste der TBV seinen Mittelblock ersetzen, diese Aufgabe übernimmt nun das schwedische Duo Anton Mansson/Jonathan Stenbäcken. Dritter Schwede und reiner Abwehrspezialist ist Gustav Rydergard, der aus Bukarest kam. Aus Friesenheim holte der TBV den Spielmacher Andrej Kogut, der Chilene Erwin Feuchtmann-Perez spielte in der vergangenen Saison mit dem Bittenfelder Torhüter Yunus Özmusul bei Besiktas Istanbul.

Das Torhüterduo bilden der Jung-Nationalspieler Nils Dresrüsse und Jonas Maier (von den Kadetten Schaffhausen). Stark besetzt ist der rechte Rückraum mit Rolf Hermann. Der Ex-Nationalspieler fehlte zuletzt wegen muskulärer Probleme. König vermutet, dass Hermann gegen den TVB wieder einsatzfähig sein wird. „Er ist der stabilste Spieler und hat Lemgo in den vergangenen Spielen sehr gefehlt.“ Ein Wiedersehen gibt’s für König mit Andrej Kogut: Der Mittelmann spielte zuletzt unter ihm bei der TSG Ludwigshafen-Friesenheim.

Für den Kapitän Florian Schöbinger wird am Samstag eine sechsmonatige Leidenszeit zu Ende gehen. Zunächst war aufgrund einer Knieverletzung von vier Wochen Pause die Rede, nun endlich ist der 29-Jährige wieder am Start. Natürlich fehlt dem Allrounder die Wettkampfpraxis, sein Trainer setzt jedoch große Hoffnungen in Schöbinger. „Was er im Training gezeigt hat, war sehr gut“, sagt Thomas König. „Er wird uns sicher weiterbringen.“

Ein bisschen bangt der Coach noch um den Einsatz von Simon Baumgarten, der sich am Donnerstag mit Magen-Darm-Problemen vom Training abgemeldet hat. Sein Ausfall wäre bitter, gehört der Kreisläufer doch in der noch jungen Saison zu den stärksten Spielern beim TVB.

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW