Vom Fuchsbau in den Löwenkäfig

Der TVB 1898 Stuttgart ist derzeit um seine Aufgaben nicht zu beneiden: Nach den Füchsen Berlin wartet an diesem Mittwoch mit den Rhein-Neckar Löwen der nächste Barcelona-Bezwinger auf den Liga-Neuling. Die Löwen sind als einziges Bundesliga-Team noch verlustpunktfrei und wirken aktuell gefestigter als die Meisterschafts-Konkurrenten aus Kiel und Flensburg.

2:8 Punkte nach fünf Spielen: Das ist sicherlich nicht das, was sich die Bittenfelder zum Saisonstart erträumt hatten. Indes: Gegen Teams wie gegen den HSV Hamburg, die MT Melsungen und die Füchse Berlin war nicht unbedingt mit Zählbarem zu rechnen. Die Auftaktniederlage gegen die HSG Wetzlar liegt dem Aufsteiger allerdings immer noch ein wenig im Magen.

Eines hatten sämtliche Auftritte des TVB gemein: Der Neuling hielt bis auf kurze Phasen gegen jeden Gegner mit. Auch am Sonntag bei den Füchsen in Berlin, deshalb fand der TVB-Geschäftsführer bei der anschließenden Pressekonferenz auch lobende Worte. „Wir haben in den fünf Spielen konstant gute Leistungen abgerufen“, sagte Jürgen Schweikardt. Das unterscheidet den TVB von den beiden Mitaufsteigern. Leipzig kassierte beim 21:32 gegen Melsungen eine Packung, Eisenach war gleich dreimal chancenlos: beim 21:31 in Göppingen, 25:39 bei den Rhein-Neckar Löwen und 28:40 gegen die Füchse Berlin.

Das Dumme aus Sicht des TVB ist, dass die Abstiegskonkurrenten nicht schlechter dastehen in der Tabelle – im Gegenteil: Eisenach hat wie der TVB zwei Pünktchen, Leipzig bereits deren sechs. Und die Chancen, die Bilanz an diesem Mittwoch in der Mannheimer SAP-Arena aufzubessern, stehen nicht allzu gut. Gegen die Rhein-Neckar Löwen scheint derzeit kein Kraut gewachsen. Nicht einmal das Star-Ensemble aus Barcelona um Danijel Saric, Filip Jicha, Kiril Lazarov, Raul Entrerrios und Dudjon Valur Sigurdsson stoppte die Löwen und musste sich zum Champions-League-Auftakt mit 21:22 geschlagen geben. Xavier Pascual, Trainer des FCB, krönte hernach die Löwen gar zur „im Moment wohl besten Mannschaft Europas“.

Auf die Bittenfelder kommt also einiges zu. Allen voran die Löwen-Defensive, wahlweise in der 6:0- oder 3:3-Formation, macht den Gegnern schwer zu schaffen. FA Göppingen erlebte zuletzt bei der 14:25-Niederlage ein kleines Trauma, dem TSV Hannover-Burgdorf gelangen lediglich 18 Treffer. Und 21 Gegentreffer gegen Barcelona sind ebenfalls ein Wort.

Die Löwen haben einen Lauf – und fiebern jetzt bereits dem Knaller in zwei Wochen gegen den THW Kiel entgegen. Die Aussichten, dass sie den Deutschen Meister in der SAP-Arena mit 16:0 Punkten empfangen werden, stehen gut: Alles andere als vier Punkte aus den Spielen gegen den TVB und am Samstag gegen den Tabellenletzten TuS Nettelstedt-Lübbecke wäre eine Sensation.

Der Trainer des TVB 1898 Stuttgart geht nicht davon aus, dass der Deutsche Vizemeister einen Gegner unterschätzen wird. „Die Löwen haben aus der vergangenen Saison gelernt“, sagt Thomas König. Damals setzte es überraschende Pleiten gegen den Bergischen HC (23:24) und den HC Erlangen (25:27). „Sie werden keine Punkte mehr herschenken.“

König glaubt, dass der Gegner noch besser besetzt ist als in der vorigen Spielzeit. Der eine oder andere hatte dem Team von Trainer Nikolaj Jacobsen nicht zugetraut, die Abgänge von Niklas Landin und Bjarte Myrhol kompensieren zu können. Das Gegenteil ist der Fall. König sieht die Torhüterposition mit Darko Stanic (von Al Kuwait gekommen) und Mikael Appelgren (aus Melsungen) noch besser besetzt. Stark präsentiert sich auch der neue Kreisläufer, der bullige Spanier Rafael Baena. Mit dem noch verletzten deutschen Nationalspieler Henrik Pekeler haben die Löwen noch einen hochkarätigen Kreisläufer in der Hinterhand.

Prunkstück in der Defensive ist der Mittelblock mit den Abwehrexperten Stefan Kneer und Gedeon Guardiola. Auch der Angriff der Mannheimer, in deren 18-Mann-Kader lediglich drei Spieler keine Länderspielerfahrung haben, ist über jeden Zweifel erhaben. Der Schweizer Andy Schmid zählt zu den besten Spielmachern überhaupt. Mit Mads Larsen, Kim Ekdahl du Rietz, Alexander Petersson und Harald Reinkind tummelt sich Weltklasse im Rückraum. Und die Außenpositionen sind mit dem Nationalmannschaftsduo Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki besetzt.

„Für uns sind das ähnliche Voraussetzungen wie vor dem Spiel in Berlin“, sagt Thomas König. „Wir werden versuchen, so lange wie möglich dagegenzuhalten.“ Der Aufsteiger braucht dazu in erster Linie eine ähnlich starke Abwehrleistung wie in Berlin und Yunus Özmusul in Bestform. Reduzieren muss der TVB auf alle Fälle seine Abspielfehler. Schafft er das nicht, dürfte es ganz schwierig werden, die Löwen ein bisschen zu ärgern. „Dann laufen wir Gefahr, dass wir Gegenstöße fressen“, sagt König.

Der TVB wird in unveränderter Aufstellung anreisen: Es fehlen die Langzeitverletzten Dragan Jerkovic und Alexander Heib. Demnächst wieder an Bord sein wird der Kapitän Florian Schöbinger.

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW