Der TVB ist erstmals ohne Chance

In seinem sechsten Spiel in der 1. Handball-Bundesliga ist der TVB 1898 Stuttgart zum ersten Mal ohne Siegchance gewesen. Der Aufsteiger unterlag gestern Abend vor 4412 Zuschauern in der Mannheimer SAP-Arena dem Deutschen Vizemeister und Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen mit 20:31. Die ungleiche Partie war bereits zur Pause beim 8:19 aus Sicht des TVB gelaufen.
Rund 100 wackere TVB-Fans hatten ihr Team gestern nach Mannheim begleitet – in der Hoffnung, der Aufsteiger könnte nach dem HSV Hamburg, Melsungen und den Füchsen Berlin einen weiteren Top-Club ein bisschen ärgern. Anders als in den vergangenen Spielen, bekamen die Bittenfelder dieses Mal jedoch rasch ihre Grenzen aufgezeigt. Der mit Nationalspielern gespickte Gegner war schlichtweg nicht die Kragenweite des TVB, der von Beginn an mit der ungemein starken Löwen-Abwehr nicht zurechtkam: zunächst nicht mit der offensiven 3:3-Formation, später nicht viel besser mit der defensiveren 6:0-Variante.
Eine kleine Chance hatte sich der TVB-Trainer Thomas König im Vorfeld ausgerechnet, schließlich sind die Löwen wie zuletzt die Füchse durch internationale Einsätze ein bisschen gestresst.
Eine Viertelstunde hielten die Gäste ordentlich mit. Nach dem 6:9 durch Dominik Weiß indes hatten sie immer größere Probleme, den Ball zu behaupten gegen die offensive Deckung der Löwen. Der Tabellenführer tat dies, was er auch hervorragend kann: Konter laufen und erfolgreich abschließen. Gleich neun der 19 Gegentreffer im ersten Spielabschnitt kassierte der TVB durch Gegenstöße, nachdem er vorne den Ball entweder leichtfertig hergeschenkt oder schlecht abgeschlossen hatte. Mit einem 10:2-Lauf zum 19:8-Pausenstand machten die Löwen kurzen Prozess und entschieden die Partie frühzeitig. Wenig ausrichten konnten dabei auch Yunus Özmusul und Sebastian Arnold, wobei die beiden Torhüter nicht zu den Schlechtesten im Team des TVB gehörten.
In den zweiten 30 Minuten galt es für den Liga-Neuling, ein größeres Debakel zu verhindern. Und das Positive vorneweg: Mit 12:12 endete die Partie unentschieden. An den Kräfteverhältnissen änderte sich freilich wenig. Der Abstand pendelte sich konstant zwischen zehn und zwölf Toren ein. Der Löwen-Trainer Nicolaj Jacobsen nutzte die Überlegenheit und schonte den einen oder anderen Akteur angesichts des harten Programms, das auf sein Team wartet.
Weil mehr als Ergebniskosmetik für die Gäste nicht drin war, wechselte auch der TVB-Trainer Thomas König munter durch. So kam Sajad Esteki zu mehr Spielanteilen, dabei wechselten Licht und Schatten beim iranischen Nationalspieler. Auch Martin Kienzle und Finn Kretschmer durften für die Stamm-Außen Tobias Schimmelbauer und Michael Spatz auf die Platte und Spielpraxis sammeln.
Am Samstag bereits steht die Partie beim TBV Lemgo an. Das Team von Trainer Florian Kehrmann hat nur einen Punkt mehr auf dem Konto als der TVB. In dieser Partie dürften die Erfolgschancen also deutlich besser sein als gegen den Titelkandidaten.
Rhein-Neckar Löwen: Stanic, Appelgren; Schmid (1), Gensheimer (5/2), Kneer (1), Sigurmansson (2/1), Baena (3), Larsen (4), Pekeler (1), Groetzki (4/2), Reinkind (2), Guardiola (3), Petersson (2), Ekdahl du Rietz (3),
TVB 1898 Stuttgart: Özmusul, Arnold; Schimmelbauer (1), Kienzle (1), Weiß (3), Schhweikardt (1), Friedrich, Kisum (2), M’Bengue (1), Coric (1), Baumgarten (3), Kretschmer (2), Esteki (3), Spatz (2/2).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW