Nun geht es zu den Löwen

Jetzt geht es Schlag auf Schlag für den TVB 1898 Stuttgart in der DKB Handball Bundesliga. Nachdem am Sonntag in Berlin die Füchse der Gegner waren, reisen die WILD BOYS am Mittwoch zu den Rhein-Neckar-Löwen nach Mannheim in die dortige SAP-Arena.

Auch Berlin war für die Handballer des TVB 1898 Stuttgart keine Reise wert. Dennoch boten die Gäste dem frisch gebackenen Vereinsweltmeister lange Zeit Paroli. „Wir haben uns erneut für die gute Leistung nicht belohnt“, zeigte sich Trainer Thomas König mit der Leistung seiner Mannschaft bei den Füchsen Berlin trotz der 20:26 (10:13) Niederlage sehr zufrieden. Bis zur 52. Minute hielten die WILD BOYS beim großen Favoriten aus der Hauptstadt hervorragend mit. Dann jedoch ließ der TVB 1898 Stuttgart zwei Chancen zum Ausgleich liegen, und das rächte sich. Der Vereinsweltmeister nutzte die Möglichkeiten und zog auf 23:19 davon. Dennoch: „Unsere Deckung stand hervorragend“, lobte König.

Nun erwartet die WILD BOYS beim Tabellenführer Rhein-Neckar-Löwen eine ähnlich schwere Auswärtsaufgabe wie in Berlin, denn der Spitzenreiter hat den WILD BOYS in puncto Erfahrung einiges voraus. „Unser Hauptaugenmerk wird darauf liegen, die starke Löwen-Abwehr zu knacken“, weiß der TVB 1898 Stuttgart Coach. An dieser überragenden Deckung biss sich am Sonntag auch Champions League Sieger FC Barcelona die Zähne aus Ob der Spitzenreiter am Mittwoch nun eine offensive 3:3 oder eher die defensive 6:0 Abwehrformation wählt, ist dabei völlig egal. „Wir müssen uns auf beides einstellen“, fordert Trainer Thomas König.

Der amtierende Vizemeister ist derzeit das Maß aller Dinge in der DKB Handball Bundesliga, führt mit 12:0 Zählern die Tabelle an. Der ehemalige Bittenfelder Spieler und jetzige Trainer der TSV Hannover Burgdorf, Jens Bürkle, erklärte sogar in Sport1: „Wenn man die so sieht, ist das der nächste deutsche Meister.“ Zuvor hatten die Löwen Bürkles „Recken“ in der Hannoveraner Swiss-Life-Hall mit 30:18 regelrecht auseinander genommen. Dabei zeigten sich die Nordbadener vor allem in der Abwehr in einer Top-Verfassung. Wie schon beim 25:14 Erfolg über den württembergischen Rivalen Frisch Auf Göppingen gab es auch für die TSV Hannover Burgdorf kein Durchkommen durch die wechselnden Abwehrformationen. Und auch der amtierende Champions League Sieger FC Barcelona musste bei der 20:21 Niederlage in Mannheim die Abwehrstärke der Nordbadener anerkennen. Und das, obwohl sich Löwen-Coach Nikolaj Jacobsen festlegt: „Die Bundesliga hat für uns höchste Priorität.“ Da kann dann am Mittwoch einiges auf WILD BOYS zukommen, denn der Sieg über den FC Barcelona dürfte das Selbstvertrauen der Rhein-Neckar-Löwen nicht gerade geschmälert haben.

Ihren Ursprung haben die Löwen allerdings nicht in Mannheim, sondern in den nordbadischen Orten Kronau und Östringen. 2002 schlossen sich die beiden Vereine TSV Östringen und TSG Kronau zur SG Kronau/Ösrtingen zusammen. Ziel war es, bald erstklassig zu sein, denn Nordbaden gilt als äußerst „handballverrückt“. Die ehemaligen Bundesligisten TSV Rot, SG St. Leon und TSV Oftersheim waren einst der Stolz der nordbadischen Handballszene. Die Region lechzte also förmlich wieder nach einem Bundesligisten. 2002 war es dann endlich soweit. Die SG Kronau/Östringen hatte den Aufstieg geschafft. Nach Abstieg und Wiederaufstieg spielt die erste Männermannschaft seit 2007 offiziell als Rhein-Neckar-Löwen in der Mannheimer SAP-Arena. Und das mit großem Erfolg. Zweimal war die auch heute mit internationalen Stars gespickte Mannschaft deutscher Vizemeister, stand mehrfach im Final-Four des Pokalwettbewerbs und gewann 2013 in Nantes den EHF-Pokal. Nur der erste nationale Titel lässt noch auf sich warten. Aber in diesem Jahr soll er nun endlich gewonnen werden. Und dafür wollen die Löwen auch die Champions-League opfern.

Quelle: Joachim Gröser, TVB