Der TVB bleibt wieder lange dran

Der Handball-Erstligist TVB1898 Stuttgart hat sich gestern Abend bei den Füchsen Berlin mit 20:26 (10:13) geschlagen geben müssen. Vor 8171 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle hielt der Aufsteiger über 60 Minuten hinweg gegen den Vereinsweltmeister hervorragend mit. In den entscheidenden Phasen unterliefen dem TVB jedoch zu viele einfache Fehler. Ein starkes Spiel zeigten Yunus Özmusul und Djibril M’Bengue.

Eine Niederlage mit sechs Toren Differenz: Das sieht nach einer klarer Angelegenheit für den großen Favoriten aus – und täuscht doch ein wenig. Wie bei den Niederlagen gegen Wetzlar, Hamburg und Melsungen machte der TVB dem Gegner das Leben lange Zeit sehr schwer. Nachdem der kaum zu bremsende M’Bengue den Außenseiter acht Minuten vor dem Ende auf 19:20 herangebracht hatte, bot sich dem TVB gleich mehrfach die Chance zum Ausgleich oder zumindest, an den Füchsen dranzubleiben. Die indes nutzten die fatalen technische Fehler und Ballverluste der Gäste clever aus und zogen in der Schlussphase entscheidend davon.
Vom schnellen 1:3-Rückstand nach drei Minuten ließen sich die Bittenfelder nicht beeindrucken. Besonderen Eindruck hinterließ vor der stimmungsvollen Kulisse Djibril M’Bengue: Das 4:4 (7.) war bereits der dritte Treffer des wurfgewaltigen Linkshänders. Im Anschluss jedoch spielte der TVB den Füchsen die Bälle gleich mehrfach in die Hände, der Gastgeber zog mit vier Toren in Folge auf 8:4 davon (11.).
Doch der Aufsteiger wehrte sich: M’Bengue, Michael Spatz und Kasper Kisum brachten ihr Team auf 7:8 heran (17.). Der beste Mann indes stand im Tor: Yunus Özmusul parierte zwei Siebenmeter hintereinander und biss sich immer mehr in die Partie. Am Ende standen 18 Paraden, inklusive fünf gehaltene Strafwürfe, auf dem Zettel. Auf der anderen Seite zeigte Silvio Heinevetter in vielen Szenen, weshalb er im Tor der deutschen Nationalmannschaft steht.
Nach 22 Minuten, bei der dünnen 9:8-Führung des Heimteams, bat der Füchse-Trainer Erlingur Richardsson sein Team zur Besprechung. So hatten sich die Berliner die Partie offensichtlich nicht vorgestellt. Fortan agierten sie ein wenig zielstrebiger und brachten die 13:10-Führung in die Halbzeit.
Auch im zweiten Abschnitt ließ sich der TVB zunächst nicht abschütteln. Nach dem Doppelschlag von Dominik Weiß zum 15:13 (33.) vergab das Team von Trainer Thomas König die Chance, noch näher heranzurücken: In Überzahl scheiterte Spatz gleich zweimal an Heinevetter, dann bekam Tobias Schimmelbauer eine umstrittene Zeitstrafe aufgebrummt. Der TVB wirkte in dieser Phase etwas fahrig, vergab drei gute Gelegenheiten. Die Berliner zogen auf 18:13 davon (42.).
Damit indes war die Angelegenheit nicht besprochen: Die Gäste kämpften sich zurück, waren beim 19:16 (45.) wieder in Reichweite und nach dem 20:19 (52.) drauf und dran, die Partie zu drehen. Es folgten jedoch ganz bittere sechs Minuten für die Bittenfelder. In der ersten und zweiten Welle leisteten sie sich eine ganze Reihe von Ballverlusten, technischen Fehlern und Stürmerfouls und spielten so den Berlinern in die Karten. Die hatten einfaches Spiel, den Sack zuzumachen. Das 23:19 durch Petar Nenadic bedeutete fünf Minuten vor dem Ende die Vorentscheidung.
In der Schlussphase verzweifelten die Gäste am starken Heinevetter. Dem TVB gelang binnen acht Minuten lediglich noch ein Treffer und musste sich letztlich mit 20:26 geschlagen geben. Angesichts der Kräfteverhältnisse standesgemäß. Ein knapperes Resultat wäre allerdings – wieder einmal – sicherlich  möglich gewesen.
Bereits am Mittwoch ist der TVB wieder im Einsatz: Mit dem Rhein-Neckar Löwen wartet der nächste Top-Club.

Füchse Berlin: Heinevetter, Wiede (5/1), Elisson (3), Fritz, Vukovic (3), Gojun, Vrazalic (4), Nenadic (5/3), Tönneseen (2), Plaza Jiminez, Weyhrauch (1), Nielsen (2), Petersen (1).
TVB 1898 Stuttgart: Özmusul, Arnold, Schimmelbauer, Kienzle, Weiß (3), Schweikardt, Friedrich (1), Kisum (2), M’Bengue (7), Coric, Baumgarten (2), Kretschmer, Esteki (1), Spatz (4/2).

Stimme zum Spiel
Thomas König, Trainer des TVB 1898 Stuttgart: „Wir wollten den Füchsen die Punkte nicht schenken, sondern hier etwas mitnehmen. Wir wussten, dass die Füchse nach den vielen Spielen etwas müde sein könnten, vor allem der Rückraum spielte ja fast durch. Ein Kompliment geht an Yunus Özmusul, der uns vor allem zu Beginn im Spiel gehalten hat. Meine Mannschaft hat Berlin über 60 Minuten hinweg einen harten Fight geliefert. Zufrieden bin ich trotzdem nicht. Wir hatten fünfmal die Chance zu einem Gegenstoßtor, haben dem Gegner den Ball in die Hand gespielt und zudem freie Chancen vergeben. Wir hätten die Füchse nervöser machen können.“

Quelle: Thomas Wagner, ZVW