TVB erkämpft sich die ersten Punkte

Im vierten Anlauf hat es geklappt: Nach drei guten, aber erfolglosen Spielen hat sich der TVB 1898 Stuttgart die ersten Punkte in der 1. Handball-Bundesliga gesichert. Vor 2251 Fans in der erneut ausverkauften Stuttgarter Scharrena behielt der TVB gegen den Mitaufsteiger SC DHfK Leipzig beim 28:26 (13:11) die Nerven. Entsprechend groß war die Erleichterung.

Nach ihren überraschenden Siegen gegen den HSV Hamburg und den SC Magdeburg reisten die Leipziger selbstbewusst und ohne Druck nach Stuttgart. Der TVB dagegen stand mächtig unter Zugzwang vor seinen vier Auswärtsspielen in Folge und spürte von Beginn an, welch’ unangenehme Aufgabe er zu bewältigen hatte. Die Leipziger Defensivabteilung präsentierte sich flink auf den Beinen und störte den Spielfluss des TVB geschickt.

Es entwickelte sich die erwartet verbissen geführte Partie, mit der die nicht immer souveränen Christoph Immel und Ronald Klein ihre liebe Müh’ und Not hatten. Gleich sechsmal schickten die Schiedsrichter in den ersten 30 Minuten Leipziger Spieler für zwei Minuten auf die Strafbank. Der TVB dagegen geriet lediglich einmal in Unterzahl.
Diesen Vorteil indes nützte das Heimteam viel zu selten aus. Das lag zum einen daran, dass der Leipziger Trainer Christian Prokop bei numerischer Unterlegenheit im Angriff konsequent seinen Torhüter Milos Putera vom Feld nahm und durch einen zusätzlichen Feldspieler ersetzte. Zudem zeigten die Bittenfelder ihre altbekannten Schwächen im Zweikampf. Allen voran der Mittelblock ließ sich vom cleveren Philipp Pöter immer wieder düpieren.

So blieb die Partie ausgeglichen. Während sich das Team von Trainer Thomas König die Tore – auch in Überzahl -, zunächst mit einigem Aufwand erarbeiten musste, kamen die Gäste häufig zu einfachen Treffern. Folgerichtig stand’s nach einer Viertelstunde 8:8.

Es dauerte 23 Minuten, ehe sich der TVB beim 11:9 durch den unermüdlich rackernden Tobias Schimmelbauer die erste Zwei-Tore-Führung erarbeitet hatte. Die Leipziger blieben jedoch dran. Der gute Maximilian Janke verkürzte auf 11:10, Marvin Sommer auf 12:11 (28.). Michael Spatz versenkte auch seinen dritten Siebenmeter zur 13:11-Pausenführung des TVB. Zum wiederholten Mal hatten die Gäste das sehr gute Kreisläuferspiel zwischen Michael Schweikardt und Simon Baumgarten nur regelwidrig unterbunden. Im Vorteil waren die Bittenfelder auch auf der Torhüterposition: Während Milos Putera und Felix Storbeck einen schwachen Tag erwischten, zeigte sich Yunus Özmusul wie schon in Melsungen stark verbessert.

Sehr konzentriert kamen die Bittenfelder aus der Pause und nutzten endlich das Überzahlspiel konsequent. Spatz und Djibril M’Bengue sorgten für die 15:11-Führung (32.), Simon Baumgarten legte zum 17:12 nach (34.). Der TVB hatte das Spiel nun im Griff – auch, weil die Lücken in der Deckung weniger wurden.

Zu diesem frühen Zeitpunkt war die Partie freilich längst nicht gelaufen, zumal sich die Fehlerquote beim TVB im Angriff erhöhte. Beim 18:16 (39.) war Leipzig wieder dran. Dann jedoch folgte zwischen der 40. und 44. Minute die stärkste Phase der Bittenfelder. Angeführt vom Dänen Kasper Kisum, der ein prima Spiel machte, holten sie sich mit einem 5:1-Lauf beim 23:17 die beruhigende Führung.

Es war ein ungewöhnliches Gefühl für den TVB. Doch nachdem Prokop in der Auszeit eine sehr offensive Deckung angeordnet hatte, bekamen die Bittenfelder Probleme – und machten sich selbst welche durch zwei völlig unnötige Zeitstrafen gegen Dominik Weiß und Michael Schweikardt.
Leipzig ließ sich nicht zweimal bitten, verkürzte auf 23:21 (51.).

Anders als in den ersten drei Partien, behielt der TVB dieses Mal die Nerven. Özmusul war weiter auf dem Posten, auf dem Feld setzte der erfahrene Spatz die entscheidenden Nadelstiche: Erst mit einem weiteren Siebenmeter zum 24:21 (52.), im Eins-gegen-eins von Rechtsaußen zum 25:22 (53.) und wieder vom Strich zum 26:22 (55.).

Und dann war da ja noch Sebastian Arnold: Bei einem Siebenmeter feierte der 19-Jährige seine Bundesliga-Premiere – und blieb gegen Marvin Sommer Sieger. Ein bisschen zittern mussten die Fans trotzdem noch: Eineinhalb Minuten vor dem Ende verkürzte Christoph Steinert zum 27:25. Für die Entscheidung sorgte Kisum. Der Neuzugang verwandelte ein riskantes, aber gekonntes Anspiel von Schweikardt zum 28:25. Der Kontertreffer von Bastian Roschek zum 28:26-Endstand ging bereits im Jubel der Fans unter.

TV 1898 Stuttgart: Özmusul, Arnold; Schimmelbauer (4), Weiß, Schweikardt (2), Friedrich (4), Kisum (4), M’Bengue (2), Coric, Baumgarten (3), Esteki, Spatz (9/6).
SC DhfK Leipzig: Storbeck, Putera; Steinert (4), Jurdzs (3), Krzikalla, Pöter (4/1), Binder (2), Janke (5), Sommer (4/4), Roschek (2), Weber, Milosevic (2), Meschke.

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW