Die erste Auswärtshürde ist sehr hoch

Nach zwei Heimspielen müssen die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart an diesem Mittwoch zum ersten Mal auswärts ran. Um bei der MT Melsungen zu bestehen, muss der Aufsteiger einen besonders guten Tag erwischen: Das Team von Trainer Michael Roth strebt in dieser Saison einen Platz unter den ersten fünf an. Zu Recht, wie TVB-Coach Thomas König findet.

MT Melsungen, Füchse Berlin, Rhein-Neckar Löwen, TBV Lemgo, SG Flensburg-Handewitt: Der Monat September stellt den TVB 1898 Stuttgart vor riesige Herausforderungen in der Fremde. Den TBV Lemgo zählen die Experten zum erweiterten Kreis der Abstiegskandidaten. Die anderen vier Bittenfelder Kontrahenten gehören zum Besten, was die Liga zu bieten hat, und sind – vor allem auswärts – eigentlich nicht die Kragenweite des TVB.

Die MT Melsungen startet in ihre elfte Saison in der ersten Liga und hat sich nach und nach zu einem ernsthaften Kandidaten für die Europapokalplätze entwickelt. Den sechsten Platz aus der vergangenen Saison möchten die Nordhessen gerne toppen. Ein Ziel, das auch nach Ansicht des TVB-Trainers nicht zu hoch gegriffen ist. „Melsungen hat ein robustes, erfahrenes Team, das in der Abwehr und im Angriff gleichermaßen stark ist“, sagt Thomas König. Seine Mannschaft habe nichts zu verlieren. Nachdem der TVB in den beiden Heimspielen gegen die HSG Wetzlar und den HSV Hamburg zumindest ein wenig unter Druck gestanden ist, dürfte eine Niederlage in Melsungen keinen überraschen. „Wir können die Aufgabe sicherlich etwas entspannter angehen“, sagt König. Andererseits: „Wenn sich die Chance bieten sollte, möchten wir sie auch nutzen.“

So oder so könnten seine Spieler in dieser Partie wichtige Erfahrungen sammeln für die kommenden Aufgaben. Beispielsweise, wie man sich gegen eine robuste Deckung durchsetzt, die wahlweise in der 5:1- oder 6:0-Formation agiert. Die Zwillinge Philipp und Michael Müller sind hierbei die Eckpfeiler. Experte auf der vorgezogenen Position ist Michael Allendorf. Der Linksaußen hat sich allerdings in Eisenach verletzt und wird gegen den TVB zusehen müssen.

Drei wesentliche Veränderungen gegenüber dem Vorjahr gibt es im Kader der Melsunger: Mit Per Sandström und Mikael Appelgren verloren sie beide Torhüter, mit dem neuen Duo Johan Sjöstrand (vom THW Kiel) und René Villadsen (ThSV Eisenach) dürfte Melsungen eher an Qualität zugelegt haben. Der Neuzugang Timm Schneider (aus Lemgo) teilt sich derzeit die Spielmacherposition mit Nenad Vuckovic. Der Schwede Patrik Fahlgren, Nationalspieler wie zwölf seiner Teamkollegen, befindet sich nach einem Kreuzbandriss in der Aufbauphase. Mit dem ebenfalls am Kreuzband operierten rechten Rückraumspieler Malte Schröder fehlt der MT ein dritter Spieler verletzungsbedingt. Doch auch hier ist Melsungen mit Michael Müller und dem Ex-Bittenfelder Jan Forstbauer dreifach besetzt. Im rechten Rückraum hat Michael Roth die Wahl zwischen dem Ex-Göppinger Momir Rnic und Philipp Müller.

Wie gut der Kader der MT Melsungen bestückt ist, zeigt die Tatsache, dass auch der Ausfall von Allendorf wohl kaum ins Gewicht fallen dürfte: Der niederländische Nationalspieler Jeffrey Boomhouwer steht bereit. Johannes Sellin sorgt von der rechten Außenposition für Gefahr.

Am Kreis ist normalerweise Felix Danner erste Wahl. In Eisenach wurde jedoch der kroatische Nationalspieler Marino Maric auf dieser Position zum Matchwinner.

Die SG Flensburg-Handewitt, die Rhein-Neckar Löwen und die MT Melsungen starteten mit der maximalen Punktausbeute aus den ersten drei Spielen. Nach dem 23:20-Auftaktsieg gegen die Füchse Berlin siegte Melsungen beim SC DHfK Leipzig klar mit 32:21. Mehr Mühe hatte der Vorjahressechste beim 30:27 in Eisenach. Der zweite Aufsteiger forderte das Roth-Team heftig, sechs Minuten vor dem Ende stand es 25:25. Erst in doppelter Überzahl setzte sich der Favorit durch.

Wie der MT Melsungen, so fehlen auch dem TVB mit Alex Heib, Florian Schöbinger und Dragan Jerkovic drei Spieler verletzungsbedingt – wobei diese Ausfälle den Aufsteiger härter treffen. Zum ersten Mal werden Yunus Özmusul und der junge Sebastian Arnold (19) das Torhütergespann bilden.

Wieder im Mannschaftstraining befindet sich Schöbinger, er macht jedoch nicht alle Spielformen mit. „Es dauert sicher noch ein bissle, bis er einsatzfähig sein wird“, sagt König. „Irgendwann müssen wir allerdings einen Härtetest machen.“

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW