Auch das noch: Jerkovic fällt lange aus

Die Saison beginnt unglücklich für den Aufsteiger in die 1. Handball-Bundesliga: Nach den beiden Niederlagen gegen die HSG Wetzlar und den HSV Hamburg muss der TVB 1898 Stuttgart einen weiteren Rückschlag verkraften: Der Torhüter Dragan Jerkovic hat sich im Spiel gegen den HSV die Mittelhand gebrochen und fällt sechs bis acht Wochen aus.

Als hätten die Bittenfelder an der 27:31-Niederlage gegen den HSV Hamburg am Freitag nicht genug zu knabbern: Nun müssen sie auch noch den längerfristigen Ausfall ihrer Nummer eins im Tor verkraften. Dragan Jerkovic, dessen Einsatz wegen Oberschenkelproblemen gefährdet war, verletzte sich Mitte der zweiten 30 Minuten an der Hand. Weil er bis zum Ende durchspielte, schien die Blessur zunächst nicht ganz so schlimm zu sein.

Eingehende Untersuchungen am Wochenende brachten nun die ziemlich niederschmetternde Diagnose: Mittelhandbruch und damit mindestens sechs, eher acht Wochen Pause. „Die Verletzung von Dragan trifft uns wirklich sehr“, sagt der TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. Nun könnten sich die beiden Neuzugänge Yunus Özmusul und Sebastian Arnold in der stärksten Liga der Welt beweisen.

„Das sind natürlich schlechte Nachrichten“, sagt der TVB-Trainer Thomas König. In den ersten Spielen hatte Özmusul mit seiner Nervosität zu kämpfen und überzeugte noch nicht. „Vielleicht kann sich Yunus jetzt freischwimmen“, sagt König. Als Back-up steht der junge Sebastian Arnold zur Verfügung, der ansonsten in erster Linie mit Zweifachspielrecht beim Baden-Württemberg-Oberligisten TSV Neuhausen zum Einsatz kommt. In der Vorbereitung zeigte der 19-Jährige vor allem im Spiel gegen den HBW Balingen-Weilstetten sein Talent.

Biegler checkt während der Pressekonferenz seine Nachrichten

Dass in den Punktspielen noch einmal ein ganz anderer Wind weht, bekam auch der TVB am Freitag zu spüren. Wobei sich die Hamburger überaus glücklich schätzen durften, dass sie die Punkte mit an die Elbe nahmen. Nach dem Pokalaus beim Zweitligisten HSG Nordhorn-Lingen und der Auftaktniederlage beim Aufsteiger SC DHfK Leipzig stand der HSV – trotz des jüngsten klaren Sieges gegen den TBV Lemgo – in Stuttgart gehörig unter Druck. Das war auch den Worten des HSV-Geschäftsführers zu entnehmen. „Wer die Medienlandschaft in Hamburg kennt, der weiß, dass einige nach diesem Spiel ihren Artikel wieder umschreiben mussten“, sagte Christian Fitzek bei der Pressekonferenz nach dem Spiel – und blickte zum links neben ihm sitzenden Trainer. Der indes nahm davon wenig Kenntnis, war er doch damit beschäftigt, seine Nachrichten auf dem Smartphone zu checken.

Vermutlich war die eine oder andere Gratulation zum Sieg darunter, den die Hamburger in erster Linie ihrer Kaltschnäuzigkeit und der Flatterhaftigkeit der Bittenfelder zu verdanken hatten. Mehrfach hatte sich der TVB einen Zwei-Tore-Vorsprung erkämpft und erspielt und es – wie bereits beim 27:28 gegen die HSV Wetzlar – verpasst, den Gegner mit einem höheren Rückstand noch stärker unter Druck zu setzen.

So führte der TVB nach 40 Minuten mit 23:21 – und brachte anschließend zehn Minuten kaum mehr etwas auf die Reihe: Sechs Fehlwürfe, eine Zeitstrafe und ein Stürmerfoul – das war zu viel des Guten gegen eine routinierte Mannschaft wie den HSV, der sich beim 26:24 die Führung holte. Doch selbst acht Minuten vor dem Ende, beim 25:26, hatte der Aufsteiger die Chance, das Spiel zu drehen.

Drei Fehlwürfe sowie zwei unnötige Zeitstrafen gegen Michael Schweikardt und Lars Friedrich brachten dem HSV Hamburg den entscheidenden Vorteil – wobei sich Thomas König fast noch mehr über die Schwächen im Mittelblock ärgerte. „Damgaard und die Kreuzungen haben wir nie richtig in den Griff bekommen“, sagt er. „Das war schon enttäuschend.“ In solchen Situation fehle ein Spieler wie der verletzte Florian Schöbinger, der dem TVB mit seiner Erfahrung und seinem Können sicher weiterhelfen könne. „Hier haben wir auf jeden Fall noch erheblichen Nachholbedarf.“

So blieben dem TVB als – schwacher – Trost einzig die anerkennenden Worte des Gegners. Bevor sich Michael Biegler während der Pressekonferenz ausgiebig seinem Smartphone widmete, hatte er über das „sehr gute Kreisläuferspiel des Gegners“ gesprochen und „den Respekt“, mit dem sein Team dem TVB gegenübergetreten sei. „Das war ganz wichtig, damit wir hier nicht auf dem falschen Fuß erwischt werden.“ Christian Fitzek gefiel das „tolle, faire Publikum“. Da habe der HSV schon ganz andere Erfahrungen gemacht. „Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr wieder hierherkommen.“

Da hätte der TVB sicher nichts dagegen.

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW