Der TVB ist dran, der HSV nimmt die Punkte mit

Die Handballer des TVB 1898 Stuttgart haben auch in ihrem zweiten Spiel in der ersten Liga an einer Überraschung geschnuppert und standen am Ende doch mit leeren Händen da: Vor 2251 Zuschauern in der ausverkauften Stuttgarter Scharrena unterlag der Aufsteiger dem HSV Hamburg mit 27:31 (16:16). Der Gast musste sich am Ende beim Ex-Nationalkeeper Jogi Bitter bedanken.

Die Szenerie nach der Schlusssirene in der Scharrena ähnelte der vor zwei Wochen an gleicher Stätte: Die Bittenfelder Spieler standen enttäuscht auf dem Spielfeld, der Gegner freute sich über zwei schwer erkämpfte Punkte. Wie schon beim 27:28 gegen die HSG Wetzlar, so war der TVB auch gestern Abend phasenweise die bessere Mannschaft. In der Schlussphase fehlte dem Aufsteiger das Glück und in der einen oder anderen Aktion auch die Ruhe im Abschluss. Zudem scheiterten die Bittenfelder in der Schlussphase gleich reihenweise am HSV-Torhüter Johannes Bitter, der 40 Minuten lang fast gar nichts gehalten hatte.
Der TVB startete mit drei Fehlwürfen, die wurfgewaltigen Adrian Pfahl und Pascal Hens brachten die Hamburger schnell mit 3:1 in Führung. Der Aufsteiger fand aber umgehend in die Partie, Michael Spatz und Djibril M’Bengue glichen aus. Es entwickelte sich fortan eine sehr intensive und enge Partie, in der sich die beiden Teams nichts schenkten. Beim Neuling lief der Ball ordentlich durch die Reihen, er spielte die Angriffe geduldig zu Ende und fand auch die Lücken in der HSV-Deckung.
Trotzdem lief die Mannschaft von Trainer Thomas König zunächst einem knappen Rückstand hinterher (4:6/5:7/7:9/9:10) – aus zweierlei Gründen: Der Torhüter Yunus Özmusul fand nicht gut ins Spiel, und seine Vorderleute brachten die Deckung nicht stabil. Vor allem der Mittelblock ließ sich immer wieder austanzen, kam oft einen Schritt zu spät. Der flinke Däne Allan Daamgard nutzte die Lücken geschickt.
Nach 13 Minuten löste Dragan Jerkovic Özmusul ab, Kasper Kisum rückte für Michael Schweikardt auf die Spielmacherposition. Beim HSV ersetzte Bitter den schwachen Jens Vortmann.
Die Gäste hatten bis zur 20. Minute leichte Vorteile. Ein Doppelschlag von Dominik Weiß, der im Angriff viel besser zurecht kam als in der Defensive, brachte den TVB beim 12:11 (21.) zum ersten Mal in Führung. Der gute Michael Spatz legte zum 13:11 per Strafwurf nach. Der HSV-Trainer Michael Biegler zückte die Grüne Karte: Der Auftritt seiner Spieler missfiel ihm deutlich.
Der TVB dagegen schöpfte Mut. Er spürte, dass dem Favoriten durchaus beizukommen ist. Allerdings zeigten die Bittenfelder im Anschluss Schwächen im Überzahlspiel und verpassten es, weiter wegzuziehen. Der HSV glich zum 13:13 und 14:14 aus und egalisierte auch den 14.16-Rückstand kurz vor der Pause noch zum 16:16.
Bitter für den TVB:
Bitter steigert sich enorm
Auch in den zweiten 30 Minuten lieferten sich die Kontrahenten ein verbissenes Duell. Nach dem 20:21-Rückstand drehte der TVB in doppelter Überzahl mit zwei klasse Toren von M’Bengue und Simon Baumgarten die Partie zum 23:21 (41.). Hamburg antwortete wieder zum 23:23, Baumgarten machte das 24:23 (43.).
Dann jedoch hatte das Heimteam zusehends Probleme im Angriff. Die Gäste störten früher und zwangen den TVB zu ungenauen und unvorbereiteten Würfen. Zudem kam jetzt Bitter, der zuvor wie sein Kollege ganz schlecht ausgesehen hatte, immer mehr auf Touren. Der Ex-Nationalkeeper fuhr seine langen Beine aus und entschärfte Wurf um Wurf.
Dem TVB fehlte nun in der einen oder anderen Situation die letzte Konzentration. Er suchte auch überhastet den Abschluss und hatte dabei auch noch eine gehörige Portion Pech mit Latten- und Pfostentreffern. Zudem haderten die Spieler mit den Entscheidungen der Schiedsrichter Peter Behrens und Marc Fasthoff, die ihrer Aufgabe nicht immer gewachsen waren.
Hamburg ließ sich nicht zweimal bitten, nutzte die Situation clever aus und drehte das Spiel zum 26:24 (51.). Der TVB indes gab sich längst nicht geschlagen, kämpfte verbissen, M’Bengue drosch den Ball zum 25:26 in die Maschen (52.). Dann jedoch kassierte der TVB zwei Zeitstrafen, der HSV zog beim 28:25 (55.) erstmals mit drei Toren weg und schaukelte den Vorsprung routiniert über die Runden bis zum 31:27.
Bitter für den TVB, der wieder ein sehr gutes Spiel zeigte und sich dafür nicht mit Punkten belohnte. Am Mittwoch reist der Aufsteiger zum schweren Auswärtsspiel nach Melsungen.
TVB 1898 Stuttgart: Jerkovic, Özmusul; Schimmelbauer (1), Weiß (6), Schweikardt (1), Friedrich (2), Kisum (2), M’Bengue (5), Coric, Baumgarten (3), Kretschmer, Esteki, Spatz (7/4).
HSV Hamburg: Bitter, Vortmann; Schmidt (1/1), Schröder (7), Nenadic (1), Mortensen (7/3), Flohr, Grabarczyk, Damgaard (5), Brozovic, Wetzel (1), Hens (2), Pfahl (7), Feld.

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW