TVB bangt um Dragan Jerkovic

Nach einem spielfreien Wochenende geht’s für die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart ans Eingemachte: Binnen fünf Wochen stehen neun Spiele auf dem Programm. Zum Auftakt gastiert an diesem Freitag der Ex-Champions-League-Sieger HSV Hamburg in der Scharrena. Unsicher ist der Einsatz des angeschlagenen Torhüters Dragan Jerkovic.

Die Zwangspause am zweiten Spieltag kam den Bittenfeldern ganz gelegen. Nicht, weil sie die unglückliche 27:28-Auftaktniederlage gegen die HSG Wetzlar verarbeiten mussten. Für den Trainer Thomas König war die spielfreie Zeit vielmehr wertvoll, weil zu Saisonbeginn noch längst nicht alle Rädchen ineinandergreifen. Können sie auch nicht, dafür war die Vorbereitungsphase mit dem erst spät zusammengepuzzelten Kader schlichtweg zu kurz.

„Es ist besser geworden“, sagt König. „Aber die Integration ist natürlich noch längst nicht abgeschlossen.“ In den nächsten Wochen indes ist angesichts des straffen Programms eher „learning by doing“ angesagt: Der TVB hetzt mehr oder weniger von Spiel zu Spiel, muss innerhalb von 34 Tagen neunmal auf die Platte.

Auf die Partie gegen den HSV folgt am Mittwoch das Spiel in Melsungen. Samstags kommt der Mitaufsteiger SC DHfK Leipzig in die Scharrena, anschließend werden die TVB-Fans ihre Mannschaft für eine Weile nicht mehr zu Gesicht bekommen: Nacheinander geht’s zu den Füchsen Berlin, zu den Rhein-Neckar Löwen, nach Lemgo und Flensburg. Abgerundet wird das Mammutprogramm mit den Heimspielen gegen Gummersbach und Göppingen.

„Der Spielplan ist sicherlich suboptimal“, sagt König. „Wir müssen halt schauen, dass wir irgendwo etwas holen.“ Der Trainer erinnert sich dabei gerne an die vergangene Saison: Mit der TSG Ludwigshafen-Friesenheim sammelte König im prall gefüllten Dezember 8:4 Punkte, was die Hoffnung der Eulen auf den Klassenverbleib nährte – ebenso wie der 30:23-Sieg Anfang März gegen Hamburg.

Der TVB-Coach weiß also, wie dem HSV beizukommen ist. Indes: Quervergleiche taugen in diesem Fall wenig. Zumal der HSV ein ziemlich verändertes Gesicht zeigt. Torsten Jansen, Kentin Mahé, Henrik Toft Hansen oder Petar Djordjic haben den Verein verlassen. Zehn Neue muss der Trainer Michael Biegler integrieren – wobei diejenigen, die dem Verein die Treue hielten, über jeden Zweifel erhaben sind. Johannes Bitter im Tor, Pascal Hens, Adrian Pfahl, Hans Lindberg, Matthias Flohr, Stefan Schröder: Mit solchen Namen kann der TVB nicht aufwarten. „Wenn ich Trainer dieser Mannschaft wäre, müsste ich sagen, König, gegen den TVB musst du gewinnen.“

Der, ebenfalls neue, Hamburger Coach dürfte seinen Spielern kaum etwas anderes mit auf den Weg geben – wobei der HSV in der noch jungen Saison bereits zweimal gestolpert ist: Nach dem Pokal-Aus beim Zweitligisten HSG Nordhorn-Lingen (29:30) verlor der HSV auch das erste Punktspiel beim Liga-Neuling SC DHfK Leipzig mit 27:31. Einen totalen Fehlstart verhinderten die Hamburger durch den klaren 37:28-Erfolg im ersten Heimspiel gegen den TBV Lemgo. „Vielleicht war das gar nicht so schlecht“, sagt König. „Sonst wäre der HSV mit noch größerem Siegeswillen bei uns angetreten.“

Hochmotiviert dürften die Bittenfelder zu Werke gehen, allzu gerne würden sie als klarer Außenseiter dem großen HSV ein Bein stellen. „Wir haben auch in diesem Spiel eine Chance“, so König, der freilich weiß, dass sein Team dazu einen außergewöhnlichen Tag erwischen muss an diesem Freitag. Überhaupt nicht in den Plan passen allerdings die Sorgen im Tor: Dragan Jerkovic hat Probleme mit dem Oberschenkel, sein Einsatz ist gefährdet. Sollte der Kroate ausfallen, rückt der 19-jährige Nachwuchskeeper Sebastian Arnold nach und bildet mit Yunus Özmusul das Gespann. Egal, welches Duo aufgeboten wird: Ein paar mehr Bälle als gegen Wetzlar sollte es zu fassen bekommen, ansonsten dürfte der TVB auf verlorenem Posten stehen. Zum einen ist der HSV auf dieser Position mit dem ehemaligen Nationaltorhüter Jogi Bitter und Jens Vortmann hervorragend besetzt. Zum anderen hat Biegler auf dem Feld jede Menge unterschiedliche Typen, auf die sich die Torhüter einstellen müssen. Im linken Rückraum stehen außer Hens der Ex-Rostocker Tom Wetzel und der Neuzugang aus Flensburg, Drasko Nenadic, zur Wahl. Glänzend besetzt ist der rechte Rückraum mit den beiden Nationalspielern Adrian Pfahl und Dener Jaanimaa. Doppelt und dreifach – ebenfalls mit Nationalspielern bestückt – sind die Außenpositionen: rechts Hans Lindberg (Dänemark) und Stefan Schröder, links Matthias Flohr, Casper Mortensen (Dänemark) und Kevin Schmidt. Gefasst machen muss sich der TVB auf eine 6:0-Deckung der Hamburger, die bisweilen eine Spur defensiver agiert als gewöhnlich.

Verzichten muss der Aufsteiger nach wie vor auf die Langzeitverletzten Alexander Heib und Florian Schöbinger. Letzterer machte gegen Wetzlar zwar das Aufwärmprogramm mit, ein Einsatz kommt jedoch noch zu früh. Michael Schweikardt, Lars Friedrich und Tobias Schimmelbauer kränkelten zu Beginn der Woche etwas, sie sind mittlerweile aber wieder fit.

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW