Ex-Champions-League Sieger zu Gast

Am Freitagabend erwarten die WILD BOYS des TVB 1898 Stuttgart den Handballsportverein Hamburg in der Stuttgarter SCHARRena. Dieses Team hat in dieser Saison noch keine Bäume ausgerissen.

Im Pokalturnier verloren die Hanseaten gegen den Zweitligisten HSG Nordhorn/Lingen und schieden somit aus dem Wettbewerb aus. Nach der Niederlage beim Aufsteiger DHfK Leipzig zu Rundenbeginn war der Fehlstart perfekt. Eine Woche später zeigte sich die Mannschaft von Trainer Michael Biegler dann allerdings auf die Minute topfit und schlug den TBV Lemgo klar mit 37:28. In dieser lange Zeit ausgeglichenen Partie konnten sich vor allem Torhüter Jens Vortmann und der zwölffache Torschütze Hans Lindberg auszeichnen. Wie sich der HSV Hamburg nun in Stuttgart präsentieren wird, da müssen sich die Zuschauer überraschen lassen. Informiert man sich allerdings im Internet über die Hamburger, kann man fast schon Angst um den TVB 1898 Stuttgart bekommen. Pascal Hens präsentiert sich in wilder Entschlossenheit auf der Homepage des HSV Hamburg. Es wird also auf jeden Fall kein Zuckerlecken für das Team von Trainer Thomas König. Dafür werden auch die anderen Stars des HSV Hamburg sorgen. Am bekanntesten sind sicherlich die ehemaligen Nationalspieler Johannes Bitter, Stefan Schröder und Linkshänder Adrian „Addi“ Pfahl. Letzterer ist übrigens unweit von Stuttgart, genauer gesagt in Bietigheim, geboren und spielte in Oberstenfeld und bei der TSG Oßweil, bevor es ihn nach Gummersbach in die Bundesliga zog. Insgesamt hat die Mannschaft des HSV Hamburg den Spielern des TVB 1898 Stuttgart einiges an Erfahrung voraus. Und dann ist da noch HSV Hamburg Coach Michael Biegler. Wer gesehen hat, wie er die polnischen Spieler bei der WM Qualifikation gegen Deutschland heiß gemacht hat, der muss schon fast um die Gastgeber fürchten. „Wir müssen auf jeden voll dagegen halten“, stellt TVB 1898 Stuttgart Trainer Thomas König fest.

Der HSV Hamburg hat aber eine sehr wechselvolle Vergangenheit. Der als HSV Lübeck gegründete Verein übernahm die Bundesliga-Lizenz des VfL Bad Schwartau. 2002 zog der Verein dann in die Hansestadt Hamburg um. 2013 dann der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte: Die Hanseaten gewannen die EHF Champions-League. Im Endspiel besiegte man in einer spannenden Partie den FC Barcelona mit 30:29 nach Verlängerung. Ein Jahr später dann die wohl schwärzeste Stunde des HSV Hamburg. Die HBL verweigerte dem Verein nach dem Rückzug von Mäzen Andreas Rudolph aus Wirtschaftlichkeitsgründen die Lizenz für die Bundesliga. Erst das DHB-Schiedsgericht gab dann unter Auflagen grünes Licht für eine weitere Teilnahme am Spielbetrieb der DKB Handball Bundesliga, die dann in der letzten Saison mit 19 Teams spielte.

Nun kommt also das Team von Alster und Elbe an den Neckar. Da ist es gut, dass die Mannschaft vom TVB 1898 Stuttgart mit Selbstvertrauen in die Partie geht. Und das können die WILD BOYS trotz der Auftaktniederlage gegen die HSG Wetzlar durchaus. Nach dem 27:28 bekannte Kai Wandschneider, Trainer des letztjährigen Tabellenachten: „Es war ein Spiel auf Augenhöhe, aus dem wir als glücklicher Sieger hervorgegangen sind.“ In der Tat eine treffende Spielanalyse. 26:24 führten die WILD BOYS in der 55. Minute und sahen bereits wie der sichere Sieger aus. Doch Wetzlar schlug zurück und genau sieben Sekunden vor Schluss fiel das Siegtor für die Gäste. „Am Ende hat ein Sahnewurf direkt in den Winkel das Spiel entschieden“, ärgerte sich Jürgen Schweikardt, Geschäftsführer des TVB 1898 Stuttgart. Dennoch: „Der TVB 1898 Stuttgart stellt eine Bereicherung für die DKB Handball Bundesliga dar“, lobte Wetzlars Wandschneider. Doch für dieses Lob kann man bekanntlich nichts kaufen. Darauf wies auch TVB-Coach Thomas König hin, der aber mit der Wurfausbeute in der ersten Halbzeit haderte. „Da hätten wir mit zwei oder drei Toren führen müssen“, so der TVB-Coach.

Am Freitagabend gilt es für die WILD BOYS, keinen Respekt vor den großen Namen des HSV Hamburg zu zeigen. Vielleicht sollten die Gastgeber gerade heute das Bayern-Gen „Mia san mia“ beherzigen. Mit diesem Selbstvertrauen ist ein Sieg auch gegen den HSV Hamburg möglich. Die Leipziger haben es vor zwei Wochen vorgemacht. Und schließlich spielen die WILD BOYS am Freitagabend in der SCHARRena vor wieder ausverkauftem Haus. Wenn da der Funke vom Publikum auf die Mannschaft überspringt, dann sollte eigentlich nichts anbrennen. Dann kann der HSV Hamburg im Neckar baden geschickt werden. Das gute Spiel gegen die HSG Wetzlar macht auf jeden Fall Mut. Zuversichtlich stimmt neben dem guten Einstand des iranischen Nationalspielers Sajad Esteki auch, dass Thomas König sein Team zwei Wochen lang gezielt auf die Partie gegen den HSV Hamburg vorbereiten konnte.

 

Quelle: Joachim Gröser, TVB