Der wilde Süden soll beflügeln

Handball. Dänen sind in der ersten deutschen Handball-Bundesliga ein beliebter Import, seit drei Wochen hat auch der TVB 1898 Stuttgart einen: Kasper Kisum möchte seinen Teil zum Ligaverbleib des TVB beitragen. Sprachlich gibt’s keine Probleme, auf dem Spielfeld fehlt logischerweise noch ein wenig die Abstimmung. „Mit jedem Training wird’s aber besser“, sagt der ehemalige Junioren-Weltmeister.

Eine ausschweifende Geburtstagsparty war nicht drin für Kasper Kisum am vergangenen Donnerstag, schließlich stand tags darauf das Erstliga-Debüt des TVB 1898 Stuttgart an. Gerne hätte der nun 23-Jährige mit einem Sieg gegen die HSG Wetzlar ein bisschen nachgefeiert, doch der Aufsteiger scheiterte trotz allergrößter Bemühungen hauchdünn. Auch dem neuen Mann im Bittenfelder Rückraum klebte – noch – das Pech an den Händen. Nachdem er in der 15. Minute für Dominik Weiß eingewechselt worden war, landete Kisums erster Wurf im Wetzlarer Block.

Für den jungen Dänen war dies jedoch kein Grund zur Resignation: Er kämpfte furchtlos weiter. In den Vorbereitungsspielen hatte Kisum angedeutet, dass er ein wertvoller Spieler für den TVB 1898 Stuttgart werden könnte. Zumal er im Rückraum variabel einsetzbar ist und auch Abwehrqualitäten besitzt.

Seit seinem siebten Lebensjahr spielt Kasper Kisum Handball. Mit 18 zählte er bereits zu den Leistungsträgern beim dänischen Zweitligisten Holte IF und war unter den Top 5 der Torschützenliste zu finden. Mit 19 Jahren wechselte Kisum zum Erstligisten Nordsjælland Handbold, wo er ebenfalls zu den besten fünf Torschützen in der Liga zählte.

Überraschender Anruf von Ljubomir Vranjes

Internationale Erfahrung sammelte Kisum nicht nur in den Europapokal-Spielen seines Teams, sondern auch mit der Juniorenauswahl des dänischen Handballverbands. Im Jahr 2011 wurde das Team Weltmeister – und Kasper Kisum spielte sich damals ins Notizbuch von Ljubomir Vranjes, dem Trainer des Erstligisten SG Flensburg-Handewitt.

Im März 2014 jedenfalls, Kisum spielte mittlerweile beim dänischen Erstligisten TMS Ringsted und war auch dort unter den fünf besten Torschützen – ohne Siebenmeter –, klingelte beim Spieler das Handy. „Das war schon überraschend für mich“, sagt der Neu-Bittenfelder, der beim deutschen Spitzenclub einen Dreijahresvertrag unterschrieb.

Den Champions-League-Sieger plagten zu der Zeit Verletzungssorgen im linken Rückraum, Kisum sollte die Lücke schließen. Als Lars Kaufmann bereits im August wieder einsatzfähig war, wurde es eng für den jungen Dänen. Schließlich hatten die Flensburger mit dem serbischen Nationalspieler Drasko Nenadic einen weiteren gestandenen Spieler auf der Königsposition. Kisums Einsatzzeiten hielten sich in überschaubaren Grenzen, im November verließ er die Flensburger wieder und schloss sich dem dänischen Spitzenclub Skanderborg Handball an.

Über seine Zeit in Flensburg möchte Kisum nicht mehr viele Worte verlieren, sondern nach vorne blicken. Nur so viel: Weder mit dem Team noch mit dem Trainer habe er Probleme gehabt, zum Wechsel hätten ihn einzig und alleine die geringen Spielzeiten bewogen. „Und ein junger Spieler braucht nun einmal Spielzeiten, um sich weiterzuentwickeln.“

In Dänemark bekam Kisum die erhofften Einsatzzeiten, machte viele Tore und gewann die alte Sicherheit zurück. „Mein Ziel war es, irgendwann nach Deutschland zurückzukehren“, sagt er. Er habe das eine oder andere Angebot von einem größeren Club vorliegen gehabt, entschied sich aber für Bittenfeld.

Bereits beim ersten Probetraining habe er einen guten Eindruck von Trainer Thomas König und seinen künftigen Mannschaftskollegen bekommen. „Ich hatte sofort das Gefühl, die Spieler verstehen sich, alle stehen für ein gemeinsames Ziel zusammen – den Ligaverbleib.“ Kisum ist überzeugt davon, mit dem TVB die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Weil Kasper Kisum gut Deutsch spricht, war er schnell integriert. „Die Jungs haben es mir sehr leicht gemacht.“ Dringlichste Aufgabe sei nun, die Abstimmung auf dem Spielfeld zu verbessern. Alles andere müsse hinten anstehen – auch die Suche nach einer Wohnung. Dafür hat Kisum bis jetzt den Kopf nicht frei gehabt.

Sobald sich der erste Stress ein wenig gelegt hat, möchte sich der neue „Wild Boy“ um eine Bleibe kümmern und von dort aus seine beiden große Ziele angehen, die eng miteinander verknüpft sind: durchstarten in der stärksten Handball-Liga der Welt und mit dem TVB den Ligaverbleib schaffen. „Ich denke, wir haben eine gute Chance“, sagt Kisum.

Quelle: Thomas Wagner / WKZ