Trotz Enttäuschung: Das Positive überwiegt

Handball. Lob hat es reichlich gegeben für die Handballer des TVB 1898 Stuttgart nach ihrem Erstliga-Debüt gegen die HSG Wetzlar. Auch dem TVB-Trainer Thomas König hat der Auftritt seines Teams überwiegend gefallen, die letzten fünf Minuten indes schlugen ihm auf den Magen. „Da unterliefen uns zu viele einfache, individuelle Fehler.“ Bittere Folge war die 27:28-Niederlage.
Ein bisschen erinnerte das Spiel des TVB am Freitag in der Stuttgarter Scharrena an die beiden Auftritte des großen Nachbarn in dieser noch jungen Saison: Die Bittenfelder begeisterten ihre Fans, standen aber – wie der VfB Stuttgart – am Ende ziemlich bedröppelt da. Weder der Gegner der Roten vom Nesenbach noch der Kontrahent der Blauen vom Zipfelbach war besser.

Nur eben erfolgreicher.

Der Wetzlarer Trainer stieß nach dem hauchdünnen 28:27-Sieg das eine oder andere Stoßgebet gen Himmel. „Wir hätten uns nicht beschweren dürfen, wenn das Spiel andersherum ausgegangen wäre“, sagte Kai Wandschneider direkt nach der Partie. Es sei hart, ein solch enges und emotionales Spiel mit einem Tor zu verlieren. Der TVB sei jedenfalls eine Bereicherung für die Liga, die Halle und die Fans seien erstligareif, sagte er – und machte dem Aufsteiger Mut. „Hier werden noch einige Teams echte Probleme bekommen.“

Lieber weniger Lob und dafür die Punkte

Das Lob seines Kollegen freut den Bittenfelder Trainer sicherlich. Viel lieber indes hätte Thomas König die Punkte behalten in einer Partie, in der die Leistungsunterschiede eher marginaler Art waren. „Ich habe mir das Video noch einmal angesehen“, sagt er. „Ich denke, wir waren sogar die bessere Mannschaft.“

Umso ärgerlich und enttäuschender war’s für den Trainer, dass sich sein Team nicht für die über weite Strecken starke und disziplinierte Leistung belohnte. „55 Minuten lang haben wir vieles richtig gemacht und hätten das Spiel nach der 26:24-Führung eigentlich über die Runden bringen müssen.“ Die Aneinanderreihung etlicher leichter Fehler, ausgerechnet in der Schlussphase, sei letztlich entscheidend gewesen. „Das darf uns so nicht passieren.“

Nachdem der Aufsteiger den 22:24-Rückstand zur Zwei-Tore-Führung umgebogen hatte und die Halle bebte, fehlte dem TVB die Coolness. Zu hektisch, unüberlegt und übereifrig in der Euphorie und mit dem Sieg vor Augen agierten die Spieler.

Zunächst ließ sich die zuvor gute Abwehr vom bulligen HSG-Kreisläufer Jannik Kohlbacher düpieren, im Anschluss scheiterte Sajad Esteki am starken Wetzlarer Nationaltorhüter Andreas Wolff. Schließlich handelte sich Lars Friedrich dreieinhalb Minuten vor dem Ende eine Zeitstrafe ein. Dass es Tobias Schimmelbauer beim 26:26 – in Unterzahl und ohne Not – mit einem optimistischen Wurf aus dem Rückraum versuchte, passte ebenso ins Bild der unglücklichen Schlussphase wie das zu riskante Anspiel von Michael Schweikardt und die letzte Aktion der HSG: Der Unterarmwurf von Joao Ferraz war zwar verdeckt, hätte jedoch nicht unbedingt den Weg durch die Deckung finden dürfen.

Ein Erstligist, und das ist keine Überraschung, nimmt solche Geschenke in der Regel an.

Die Neuzugänge brauchen noch Zeit

Auf dem Feld boten die Bittenfelder dem Gegner über 60 Minuten Paroli, auf der Torhüterposition allerdings waren sie am Freitag eindeutig im Nachteil. Weder Dragan Jerkovic noch Yunus Özmusul erreichten das Niveau von Andreas Wolff. Speziell über die Außenpositionen kam Wetzlar zu etlichen Treffern. „Da kam von unseren Torhütern zu wenig“, sagt König. Vier Paraden standen am Ende bei Jerkovic auf dem Zettel, drei bei Özmusul. Die mit Vorsicht zu genießende Statistik der HBL weist gar nur erschreckende 17 Prozent gehaltene Bälle der Bittenfelder Keeper aus.

Auch wenn die Enttäuschung über die vergebene Siegchance groß ist bei König: Frustriert ist er nicht. „Unterm Strich überwiegt das Positive.“ So lief’s bei den Neuzugängen zwar nicht perfekt, was im Übrigen auch kaum zu erwarten war nach so kurzer Zeit des gemeinsamen Trainings. Teo Coric, Kasper Kisum und Sajad Esteki deuteten jedoch zumindest an, dass sie für den TVB wertvolle Spieler werden können.

Schon im nächsten Spiel in eineinhalb Wochen in der Scharrena gegen den HSV Hamburg dürfte es schon besser flutschen. „Ich wünsche mir, dass wir in den zwei Wochen jetzt gut arbeiten können“, sagt König. „Dann werden wir schon einen Schritt weiter sein.“ Der Trainer ist guter Dinge, dass sein Team in der Liga mithalten kann, „wenn jeder sein Level erreicht hat“.

Ein bisschen weiter als der TVB sind die beiden anderen Aufsteiger. Zumindest, was die Punktausbeute betrifft. Der ThSV Eisenach besiegte dank eines Treffers mit der Schlusssirene den TuS Nettelstedt-Lübbecke mit 31:30, der SC DHfK Leipzig zwang den HSV Hamburg recht klar mit 31:27 in die Knie. „Hätten auch wir gewonnen, wäre das ein Novum gewesen“, sagt König. So starteten nur zwei der drei Neulinge mit Erfolgserlebnissen in die Saison.

Dass die Mitaufsteiger und vermutlichen Mitabstiegskandidaten bereits zwei Punkte im Vorteil sind, findet König nicht besonders beunruhigend. Im Gegenteil: „Das ist doch gar nicht so schlecht“, sagt er. „Da sieht man, wie eng es in der Liga zugeht.“