TVB unterliegt unglücklich nach großem Kampf

Es hat nicht ganz gereicht für den TVB 1898 Stuttgart: Im spannenden Auftaktspiel der 1. Handball-Bundesliga musste sich der Aufsteiger der HSG Wetzlar mit 27:28 (13:13) geschlagen geben. Dennoch feierten die 2251 Fans in der ausverkauften Stuttgarter Scharrena ihr Team, das eine prima Leistung zeigte und den Favoriten am Rand der Niederlage hatte.

Es fehlten Kleinigkeiten, auch ein bisschen Glück, und die Bittenfelder hätten sich bei ihrer Erstligapremiere zumindest einen Punkt geschnappt. Die knappe Niederlage mag ärgerlich sein gegen einen Gegner, der nicht besser war. Das 27:28 macht aber auch Hoffnung, denn der TVB präsentierte sich kampfstark und hatte auch spielerisch eine ganze Menge zu bieten.
Vom üblichem Nervenflattern vor dem ersten Spiel war nichts zu spüren beim Team von Trainer Thomas König. Es ging selbstbewusst zu Werke und führte nach sechs Minuten mit 3:1. Die Defensive des Aufsteigers stand kompakt, vorne funktionierte insbesondere das Zusammenspiel zwischen Spielmacher Michael Schweikardt und Simon Baumgarten prächtig. Der Kreisläufer traf in Unterzahl zum 4:2 (7.).
Dann nutzten die Gäste vier schwächere Minuten des TVB eiskalt aus. Die Bittenfelder scheiterten mit vier Würfen hintereinander am Wetzlarer Keeper Andreas Wolff. Der Nationalspieler war das große Plus der HSG und stach über 60 Minuten hinweg das Bittenfelder Duo Dragan Jerkovic/Yunus Özmusul aus. Womöglich machte diese Position gestern den Unterschied.
Der Aufsteiger ließ sich jedoch auch nach dem 4:6-Rückstand (12.) nicht aus der Ruhe bringen und holte sich mit drei Toren in Folge beim 7:6 (17.) die Führung zurück. Es entwickelte sich nun eine packende Partie, in der sich keine Mannschaft mehr als zwei Tore Polster verschaffte.
Die Gäste versuchten immer wieder, über den Kreis zum Erfolg zu kommen, den Rückraum der HSG hatte der TVB ordentlich im Griff. Bis zur Halbzeit geriet der TVB nicht mehr in Rückstand, setzte sich aber auch nicht ab. Das lag zum einen daran, dass er mitunter zu fahrlässig mit den klaren Chancen umging. Zum anderen hatte Wetzlar den überragenden Spieler in seinen Reihen: Der Linksaußen Maximilian Holst zeigte sich nicht nur sicher vom Siebenmeterstrich, sondern hatte auch von Linksaußen eine sehr gute Quote.
Nach 24 Minuten feierte der Bittenfelder Neuzugang Sajad Esteki sein Debüt, und der Iraner zeigte keinerlei Hemmungen. Nach 25 Minuten parierte Özmusul beim 10:10 einen Strafwurf von Holst und löste Jerkovic ab. Lars Friedrich und Tobias Schimmelbauer, die beide eine gute Partie zeigten, brachten ihr Team beim 13:11 (28.) wieder in Vorteil. Zur Halbzeitführung indes reichte es nicht: Holst traf mit der Sirene zum 13:13.

Nach der Pause änderte sich am engen Spielverlauf nichts, die Führung wechselte mehrfach. Wetzlar spielte lange Angriffe, die TVB-Deckung blieb aber meist konzentriert. Die Bittenfelder blieben auch nach dreimaligem Zwei-Tore-Rückstand dran (17:19/18:20/20:22). Im Angriff brachte König nun den dynamischen Esteki, der beim 20:21 seinen ersten Bundesligatreffer erzielte und zum 22:23 (48.) nachlegte.
Wetzlar versuchte, mit zwei Kreisläufern Lücken zu reißen in der TVB-Deckung. Doch das funktionierte nur bedingt, weil die Bittenfelder mit unbändigem Kampfgeist dagegenhielten. Und fünf Minuten vor dem Ende hatten sie plötzlich prima Karten, die Punkte in der Scharrena zu behalten: Zweimal Schimmelbauer, Teo Coric und Dominik Weiß sorgten mit vier Toren in Serie für die 26:24-Führung.
Der bullige Jannik Kohlbacher vom Kreis und Holst nach einer Zeitstrafe gegen Friedrich glichen zum 26:26 aus, Joao Ferraz brachte die HSG in Führung. Nach Friedrichs Knaller zum 27:27 schnupperte der Aufsteiger zumindest an einem Punkt. Doch sechs Sekunden vor dem Ende drosch Ferraz einen verdeckten Wurf zum 28:27 für Wetzlar in die Maschen.
Der finale Angriff des TVB nach einer Auszeit landete an den Füßen des starken Andreas Wolff, die Gäste feierten den glücklichen Sieg.
Kommendes Wochenende hat der TVB spielfrei, weiter geht’s am Freitag, 4. September (19.45 Uhr), wieder mit einem Heimspiel: Es kommt der HSV Hamburg in die Scharrena.

TVB 1898 Stuttgart: Jerkovic, Özmusul; Schimmelbauer (5), Weiß (3), Schweikardt (4/1), Friedrich (5/1), Kisum, M’Bengue (1), Coric (1), Baumgarten (3), Kretschmer, Esteki (2), Spatz (3/2).
HSG Wetzlar: Wolff, N. Weber; Prieto, Lipovina,, Ferraz (5), S. Weber, Laudt, Holst (11/6), Fäth (5), Hahn (4), Bliznac, Klesniks, Kohlbacher (1), Mirkulovski (2).