Gestolpert und schnell wieder aufgestanden

21 Verlustpunkte müssten reichen zum Aufstieg, so die Rechnung der Bittenfelder Verantwortlichen kurz nach Beginn der Rückrunde. Tatsächlich waren’s am Ende so viele – und vier Zähler Vorsprung auf den ersten Nichtaufstiegsplatz. Das sieht nach einer sorgenfreien und souveränen Spielzeit des TVB aus. Ganz so war’s nicht: die Saison im Schnelldurchlauf.

Der Spielplan hatte es nicht gut gemeint mit dem Vorjahresvierten: Zum Auftakt musste der TV Bittenfeld gleich zweimal hintereinander beim SC DHfK Leipzig antreten – und beim Aufstiegskandidaten und späteren souveränen Meister gab’s weder im Pokal (23:25) noch im Punktspiel (19:23) etwas zu holen.

Davon indes ließen sich die Bittenfelder nicht aus der Ruhe bringen und zeigten in den folgenden Partien, weshalb sie zu den Aufstiegskandidaten zählten. Nach dem noch etwas mühevollen Heimsieg gegen den unbequemen EHV Aue holte sich der TVB die Punkte beim heimstarken HSC Coburg und fegte den Ex-Erstligisten TV Emsdetten mit 38:23 aus der Scharrena. Nach einem Rückschlag in Bad Schwartau blieben die Bittenfelder zehn Spiele lang ungeschlagen. Lediglich in Rostock mussten sie sich mit einem Zähler begnügen. Am neunten Spieltag kletterte das Team von Trainer Jürgen Schweikardt nach dem 27:23-Sieg gegen den Aufstiegskandidaten HSG Nordhorn-Lingen bei 14:4 Punkten zum ersten Mal auf einen Aufstiegsplatz, den es nur noch einmal – am 31. Spieltag – verlor.

Im Herbst zeigte der TVB einige Top-Spiele. Beispielsweise beim 26:25-Sieg in Eisenach, das mit seinem neuem Trainer Velimir Petkovic nach einem schwachen Saisonstart eine Aufholjagd startete, die erst auf Rang zwei endete. Auch beim Tabellenvierten TV Großwallstadt und gegen den Überraschungszweiten DJK Rimpar Wölfe (24:2 Punkte) behielt Bittenfeld die Oberhand und hatte sich bei 23:5 Punkten bereits ein kleines Zwei-Punkte-Polster auf Rang vier erarbeitet.

Die Rückschläge indes blieben nicht aus. Ganz bitter war die 32:33-Heimniederlage gegen den ASV Hamm-Westfalen, beim Aufsteiger SV Henstedt-Ulzburg reichte es anschließend lediglich zu einem Remis. Gegen Ende des Jahres indes fand der TVB wieder zu alter Stärke zurück: Er deklassierte TUSEM Essen mit 20 Toren Differenz, hier debütierte der kurzfristig aus Großwallstadt verpflichtete Nils Kretschmer. Der TVB hatte auf die Verletztenmisere (Patrik Kvalvik, Alexander Heib, Djibril M’Bengue) reagiert.

Ganz stark präsentierte sich der TVB, mittlerweile auf Rang zwei, um die Weihnachtszeit: Zuerst schlug er Leipzig in der ausverkauften Porsche-Arena und rückte bis auf zwei Punkte an den Tabellenführer heran. Mit dem Erfolg in Aue zwei Tage später verabschiedete sich Bittenfeld als Zweiter und nach seiner besten Hinrunde in der 2. Liga mit drei Punkten Vorsprung (33:9) auf den ersten Nichtaufstiegsrang in die Winterpause.

Der TV Bittenfeld wackelt nur kurz

Mit dem deutlichen Sieg gegen den Tabellenvierten Coburg kamen die Bittenfeld gut aus den Startlöchern und bauten den Vorsprung zum Vierten auf fünf Punkte aus. Auf den Boden zurück kam der TVB durch zwei Niederlagen in Folge in Emsdetten und zu Hause gegen Bad Schwartau. In Saarlouis und Nordhorn gab’s eine Punkteteilung.

Die wohl bitterste Niederlage der gesamten Saison setzte es gegen Eisenach: Vor 6200 Fans in der ausverkauften Porsche-Arena führte der TVB gegen das Team der Stunde zehn Minuten vor dem Ende mit 24:19 und unterlag noch mit 25:26. Bei einem Sieg hätte Bittenfeld den Konkurrenten um Platz drei mit fünf Punkten auf Distanz gehalten. Der TVB hätte einigermaßen gelassen in die letzten acht Spiele gehen können. Der Schock wirkte nach: Beim späteren Absteiger Eintracht Hildesheim setzte es eine Pleite, zudem fielen mit Tobias Schimmelbauer und Florian Schöbinger wichtige Spieler aus. Doch der TVB berappelte sich wieder, bezwang Großwallstadt, holte sich Rang drei zurück und nahm im Anschluss auch beim Tabellenzweiten Rimpar die Punkte mit.

Die Freude indes wurde schnell getrübt: Nach Schimmelbauer und Schöbinger fiel nun auch noch der Kreisläufer Simon Baumgarten länger aus, und im Derby gegen Neuhausen setzte es beim 23:29 eine schmerzliche Niederlage. Vier Spieltage vor Schluss hatte der TVB den dritten Platz nur noch aufgrund der besseren Tordifferenz gegenüber Nordhorn und Rimpar inne – und ein schweres Restprogramm vor der Brust. In der Not reaktivierten die Bittenfelder aus Gummersbach den Kreisläufer Jörg Lützelberger – und der 29-Jährige erwies sich als Volltreffer: Mit ihm und dank der wieder genesenen Schimmelbauer und Baumgarten machte der TV Bittenfeld mit vier Siegen in Serie alles klar: Nach dem 24:21-Erfolg am vorletzten Spieltag in Hüttenberg war ihm der Aufstieg praktisch nicht mehr zu nehmen. Die Restzweifel beseitigte der Tabellendritte mit dem finalen 25:23 in Essen.