Schweikardt sieht Henstedt-Spiel als Viertelfinale

Besser hätte der viertletzte Spieltag der 2. Handball-Bundesliga für den TV Bittenfeld nicht laufen können: Er verteidigte mit dem Sieg in Hamm nicht nur seinen dritten Platz, sondern profitierte auch von den überraschenden Niederlagen der Konkurrenten. Mit zwei Punkten Vorsprung und dem klar besseren Torverhältnis gehen die Bittenfelder in die verbleibenden drei Partien.

So schnell geht’s in dieser verrückten Zweitliga-Saison: Lange hatten die Bittenfelder zusammen mit Leipzig als der aussichtsreichste Kandidat auf den Aufstieg in die 1. Liga gegolten. Nach den bitteren Pleiten gegen den ThSV Eisenach, Eintracht Hildesheim und den TV Neuhausen/Erms sah’s jedoch so aus, als sei dem verletzungsgeplagten TVB fünf Spieltage vor Saisonschluss nach etlichen Höhen und Tiefen der Stecker gezogen. Zumal er im Vergleich zur Konkurrenz das härteste Restprogramm vor der Brust hatte.

Nun hat der TVB plötzlich wieder beste Karten im hart umkämpften Aufstiegsrennen: Mit einer Energieleistung holte er sich am Samstag beim 33:32 die Punkte beim starken ASV Hamm-Westfalen, gleichzeitig strauchelte die HSG Nordhorn-Lingen in eigener Halle mit 25:29 gegen den Abstiegskandidaten TSV Bayer Dormagen. Als tags darauf auch der DJK Rimpar Wölfe mit 26:28 gegen den EHV Aue klein beigeben musste, war das Wochenende für die Bittenfelder perfekt.

Egal, ob Henstedt kommt oder Kiel

„Natürlich war damit nicht unbedingt zu rechnen, es ist alles für uns gelaufen“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt – und baut gleich vor: „Entschieden ist damit aber natürlich noch überhaupt nichts.“ Der Spieltag habe einmal mehr gezeigt, dass es keinen Sinn mache, weiter nach vorne zu blicken als auf das nächste Spiel.

Zum letzten Mal in dieser Saison werden die Bittenfelder am Freitag (20 Uhr) in eigener Halle antreten. Zu Gast sein wird in der Scharrena der Aufsteiger SV Henstedt-Ulzburg, der den Ligaverbleib drei Spieltage vor Schluss nach einer sehr guten Rückrunde quasi in der Tasche hat.

„Für uns ist es ganz egal, ob Henstedt kommt oder der THW Kiel“, sagt Schweikardt. „Alle – Verein, Fans, Umfeld und Mannschaft –, müssen sämtliche Energie und Ressourcen in diese Partie reinlegen.“ Der TVB-Trainer hält sich dabei an Marschroute des VfB Stuttgart: Was für den VfB das Spiel gegen Mainz gewesen sei, sei für den TVB die Partie gegen Henstedt: ein Viertelfinale. „Wir möchten unbedingt ins Halbfinale gegen Hüttenberg und auch ins Endspiel gegen Essen.“

Egal, wie die Saison ende, sagt Schweikardt: „Ich hoffe, das Umfeld und die Fans werden die Leistung der Jungs honorieren.“ Er ziehe jedenfalls den Hut vor seiner Mannschaft, die nach etlichen Rückschlägen immer wieder aufgestanden sei und hervorragend gekämpft habe. „Das ist keinesfalls selbstverständlich.“

In Hamm standen Tobias Schimmelbauer und Simon Baumgarten nach wochenlanger Verletzungspause etwas überraschend wieder im Kader. Ein letzter Belastungstest am Donnerstag war positiv verlaufen – und Jürgen Schweikardt entschied sich, die beiden von Anfang an auf die Platte zu schicken. Baumgarten teilte sich die Aufgaben am Kreis und im Mittelblock mit Jörg Lützelberger. Der Neuzugang schlüpfte in die Rolle des noch verletzten Florian Schimmelbauer und bekam von seinem Trainer ein Extra-Lob. „Mit ihm war ich sehr zufrieden“, sagt Schweikardt. Wie auch mit den beiden „Comebackern“, wenngleich Schimmelbauer und Baumgarten die fehlende Spielpraxis in der einen oder anderen Szene natürlich noch anzumerken gewesen sei.

Vor allem in den ersten 30 Minuten, solange die Kraft noch da war, zeigte der TVB eine prima Abwehrleistung und hatte das gefährliche Hammer Duo Ondrej Zrdahala/Björn Wiegers gut im Griff. Zudem war TVB-Keeper Dragan Jerkovic gleich elfmal zur Stelle, nach der Pause hielt der eingewechselte Daniel Sdunek wichtige Bälle.

Bis zwei Minuten vor Schluss hielten die Bittenfelder mindeste einen Zwei-Tore-Vorsprung und schaukelten die Partie clever nach Hause.

Für das Bittenfelder Trainer-Duo Jürgen Schweikardt/Karsten Schäfer war’s übrigens ein besonderer Sieg: Ein paar Stunden vor dem Anpfiff hatten die beiden in Dortmund ihre A-Lizenz-Prüfung bestanden.