„60 Minuten Vollgas“ im ersten Finale

Von den vier Aufstiegskandidaten hat der TV Bittenfeld die schlechtesten Karten: In den restlichen vier Partien muss er dreimal auswärts ran, die wohl schwierigste Aufgabe wartet gleich am Samstag beim ASV Hamm-Westfalen. Mit Michael Seiz fällt nach Tobias Schimmelbauer, Florian Schöbinger und Simon Baumgarten der vierte Spieler aus.

Durch die 23:29-Heimniederlage gegen den TV Neuhausen/Erms hat der TVB vor drei Wochen seinen zweiten Tabellenplatz an die Eisenacher abgeben müssen. Dritter sind die Bittenfelder nun, stehen damit also immer noch auf einem Aufstiegsrang und könnten eigentlich zuversichtlich in die letzten vier Saisonspiele gehen – wären da nicht die Verletztenliste und der nicht eben vorteilhafte Spielplan.

Ohne die am Knie verletzten Kreisläufer Simon Baumgarten und Florian Schöbinger sowie Tobias Schimmelbauer (Muskelbündelriss) schleppten sich die Bittenfelder zuletzt mehr oder weniger durch die Spiele. Deshalb hatten die Trainer und Spieler die dreiwöchige Spielpause herbeigesehnt – in der Hoffnung, dass wenigstens einer der drei Langzeitverletzten bis zum Spiel in Hamm am Samstag wieder einsatzbereit sein würde. Danach indes sieht’s aktuell nicht aus. „Eine kleine Chance besteht noch“, sagte der Chef-Coach Jürgen Schweikardt am Mittwoch. „Wir werden alles Menschenmögliche tun und sind in dieser Phase der Saison natürlich risikobereit.“ Sicher nicht dabei sein wird Michael Seiz: Der Rechtsaußen kugelte sich im Training die Schulter aus. Gegen Henstedt-Ulzburg nächste Woche rechnet Schweikardt allerdings wieder mit ihm.

Mit dem ASV Hamm-Westfalen wartet auf den TVB am Samstag ein Team, das zu den Top-Adressen der Liga zählt. Bis vor ein paar Wochen zählte das Team von Trainer Kay Rothenpieler sogar noch zu den Aufstiegskandidaten. Die Niederlagen gegen Rimpar, in Essen und Hüttenberg ließen diesen Traum jedoch platzen.

Wie unangenehm die Hammer zu spielen sind, spürte der TV Bittenfeld im Hinspiel. 18 Spiele war der TVB in der Scharrena ungeschlagen, ehe der ASV mit dem 33:32-Sieg diese Serie beendete. Sehr zum Ärger von Schweikardt. „Diese Partie hätten wir niemals aus der Hand geben dürfen“, sagt er. Mehrfach hatten es die Bittenfelder verpasst, für klare Verhältnisse zu sorgen. Eine Minute vor dem Ende führte der TVB noch mit 32:31.

Hamm sei „sehr, sehr gut“ besetzt, sagt Schweikardt. Ganz nach vorne in der Tabelle fehle dem ASV lediglich etwas Konstanz. Mit Dennis Doden (ehemals TBV Lemgo) und dem Ex-Göppinger Tomas Mrkva hat der ASV im Tor keine Sorgen. Weitere Stützen im Team sind Markus Fuchs im linken Rückraum sowie Julian Possehl und Lars-Jan Gaubatz auf der anderen Seite. Gaubatz kam während der Saison vom Erstligisten VfL Gummersbach. Schwer zu halten ist der wuchtige und schlitzohrige Kreisläufer Björn Wiegers.

Dreh- und Angelpunkt auf der Spielmacher-Position und zudem noch gefährlicher Schütze ist Ondrej Zrdahala. Den tschechischen Nationalspieler bekamen die Bittenfelder im Hinspiel nicht in den Griff, er traf gleich zwölfmal. Zuletzt überragte Zrdahala bei den beiden Siegen der Tschechen in der EM-Qualifikation gegen die Schweiz mit insgesamt 14 Treffern.

Große Stärke der Hammer ist der Angriff, nur der ThSV Eisenach hat mehr Tore erzielt als der Bittenfelder Gegner. „Es ist eine große Aufgabe für uns, das Tempospiel zu unterbinden.“

Zweifellos hat der TVB von allen vier übrig gebliebenen Aufstiegskandidaten – Leipzig ist ja schon durch – das schwierigste Restprogramm mit den Partien in Hamm, Hüttenberg und Essen sowie dem einzigen Heimspiel gegen den SV Henstedt-Ulzburg. Auch für Rimpar dürfte es nicht leicht werden (Aue, Coburg, Emsdetten, Bad Schwartau). Nordhorn (Dormagen, Baunatal, Saarlouis, Rostock) und Eisenach (Bad Schwartau, Dormagen, Baunatal, Saarlouis) dagegen sind klar im Vorteil.

Jürgen Schweikardt gibt sich dennoch kämpferisch. „Es gibt jetzt kein Links und kein Rechts mehr, wir geben jetzt in jedem Spiel 60 Minuten Vollgas.“ In einem inoffiziellen Testspiel bezwangen die Bittenfelder am Dienstag den Erstligisten SG BBM Bietigheim mit 38:31. Nach fünf gemeinsamen Trainingseinheiten feierte die Neuverpflichtung Jörg Lützelberger (VfL Gummersbach) sein Debüt. „Natürlich können wir nicht eingespielt sein nach so kurzer Zeit“, sagt Schweikardt. „Jörg macht aber einen guten Endruck.“