Bittere Pille für hilflose Bittenfelder

Der Handball-Zweitligist TV Bittenfeld hat im Kampf um den Aufstieg einen weiteren schweren Dämpfer erhalten: Vor 2047 Fans in der ausverkauften Scharrena unterlag der Tabellenzweite im Derby dem TV Neuhausen/Erms mit 23:29 (12:12). Die Gäste verdienten sich den Sieg mit einer starken Defensive, gegen die der TVB überraschend wenig Lösungen parat hatte.

Dass die Neuhausener schwer zu spielen sind, wissen die Bittenfelder seit Jahren. Bis gestern hat die individuelle Klasse des TVB meist ausgereicht, um am Ende die Nase vorne zu haben. Ausgerechnet in diesem so wichtigen Spiel indes war davon nicht viel zu sehen – und zum ersten Mal wurde deutlich, dass das Team von Trainer Jürgen Schweikardt drei verletzungsbedingte Ausfälle nicht auf Dauer verkraften kann. Vor allem, wenn das Paradestück des TVB zu großen Teilen neben der Spur läuft.
Die Spielgestalter Michael Schweikardt und Alexander Heib rackerten unermüdlich, die Spieler auf den Halbpositionen erwischten durchweg jedoch einen ganz schwachen Tag: Dominik Weiß benötigte für seine drei Tore 14 Versuche, Lars Friedrich blieb gar ohne Treffer, Djibril M’Bengue gelang ein mickriges Törchen.
Der Neuhausener Trainer Aleksandar Stevic hatte sein Team hervorragend auf die Bittenfelder eingestellt. Die offensive Deckung störte geschickt die Abläufe des TVB, der Mühe hatte, aus dem gebundenen Spiel heraus in vernünftige Wurfpositionen zu kommen. Vorne spielten die Gäste lange Angriffe und suchten geduldig die Lücken in der TVB-Deckung.
Nach sechs Minuten lag das Heimteam mit 2:4 im Hintertreffen, es hatte dabei die besten Chancen liegenlassen. Überhaupt nicht ins Spiel kam Dominik Weiß, der zu diesem Zeitpunkt bereits viermal am starken Neuhausener Keeper Jan-Steffen Redwitz gescheitert war.
Diesem Rückstand liefen die Bittenfelder die gesamten ersten 30 Minuten hinterher. Viel zu pomadig, mit zu wenig Druck wurden die Angriffe aufgebaut. Zwar schaffte der TVB immer wieder den Ausgleich (4:4/6:6/8:8/10:10), doch die Treffer resultierten selten aus strukturierten Angriffen. Neuhausen agierte flexibler, war über die Außen, den Kreis und aus dem Rückraum gefährlich. Und es spielte clever, nahm immer wieder das Tempo aus dem Spiel und ließ die Bittenfelder nicht in einen Rhythmus kommen.
Der TV Bittenfeld konzentrierte sich auf seinen wurfgewaltigen Rückraum, der jedoch keine Akzente setzte. Beim 12:12 zur Pause blieb die Hoffnung auf ideenreichere zweite 30 Minuten – und tatsächlich kamen die Bittenfelder mit einer ganz anderen Körpersprache aus der Kabine. Die Abwehr arbeitete aggressiver, vorne drückten Heib und Schweikardt aufs Tempo. Beim 13:12 durch Finn Kretschmer lag der TVB erstmals vorne, Weiß legte vom Kreis zum 14:12 nach (34.).
Bis zum 15:13 deutete einiges auf eine Wende im Spiel hin. Dann indes verloren die Bittenfelder überraschenderweise völlig den Kopf: Mit einem 7:0-Lauf binnen zehn Minuten zogen die Gäste zur 20:15-Führung davon (45.). Der TVB spielte im Angriff nur noch den Ball quer und kassierte einfache Gegentreffer.
Neuhaussen nutzte weiterhin konsequent die Fehler des fahrigen Heimteams aus. Der Bittenfelder Trainer Jürgen Schweikardt stellte auf eine 4:2-Deckung um und brachte Daniel Sdunek für Dragan Jerkovic. Indes: Es brachte alles nichts. Nach dem 21:24 drei Minuten vor Schluss kam noch einmal leise Hoffnung auf. Doch die Gäste nutzten die Fehlpässe der Bittenfelder zu Kontertreffern, bei denen vor allem der neunfache Torschütze Felix Klingler viel Spaß hatte.
Am Ende stand eine deprimierende 23:29-Schlappe der Bittenfelder, die sie nun in die dreiwöchige Spielpause mitnehmen. Und womöglich wird sich der TVB am Sonntag von den Aufstiegsrängen verabschiedet haben.

TV Bittenfeld: Sdunek, Jerkovic; Kienzle (6), Nils Kretschmer (1), Weiß (3), Schweikardt (6/2), Friedrich, M’Bengue (1), Bischoff, Sundberg, Seiz, Heib (4), Finn Kretschmer (2).

TV Neuhausen/Erms: Redwitz, Becker; Hansen (1), Schuldt (1), Keinath (4/1), Daniel Reusch (1), Wessig, Klingler (9), Keupp (3), Michalik (5/1), Jan Reusch, Leventoux (1), Maas 3 ), Bader (1).