Der TVB sendet ein deutliches Lebenszeichen

Der Handball-Zweitligist TV Bittenfeld hat sich im Aufstiegsrennen noch nicht aufgegeben. 2049 Fans in der ausverkauften Scharrena feierten ihr Team gestern Abend nach dem verdienten 28:24-Sieg (14:13) gegen den TV Großwallstadt. In einem intensiven Spiel mit vielen Emotionen behielten die Bittenfelder dieses Mal die Nerven.

Was war das für eine Erleichterung: Nach 1:5 Punkten und dem Verlust des Aufstiegsplatzes haben die Bittenfelder gestern ein deutlich vernehmbares Lebenszeichen gesendet. Anders als in den Spielen zuvor gab der ohne die verletzten Tobias Schimmelbauer und Florian Schöbinger angetretene TVB das Spiel in der Schlussphase nicht mehr aus der Hand und belohnte sich für eine großartige kämpferische Leistung.
Ganz wichtig für das angeschlagene Nervenkostüm war der gute Start. Simon Baumgarten, Lars Friedrich und Finn Kretschmer sorgten nach vier Minuten für die 3:0-Führung. Letzterer tankte mit dem Treffer zum 6:2 (9.) Selbstvertrauen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der TVB die Partie im Griff, zeigte sich kampfstark in der Deckung und konzentriert im Abschluss.
Beim TV Großwallstadt liefen die Angriffe über den starken Spielmacher Chen Pomeranz, Alfred Sorrentino und Mario Stark auf den Halbpositionen richteten wenig Schaden an. Gefährlich wurde die Gäste, wenn sie ihre gewieften Außen Gil Pomeranz und Michael Spatz sowie ihren bulligen Kreisläufer Jannik Kohlbacher ins Spiel brachten.
Mitte der ersten 30 Minuten unterliefen dem TVB etliche technische Fehler, zudem kassierten Martin Kienzle und Michael Schweikardt unnötige Zeitstrafen. Die cleveren Gäste nutzten diesen Vorteil eiskalt aus, der ehemalige deutsche Nationalspieler Spatz glich nach 24 Minuten beim 11:11 erstmals aus für Großwallstadt. Ins Spiel kam der Ex-Erstligist auch, weil sich ihr Torhüter Milos Putera steigerte. Auf der anderen Seite stand ihm Dragan Jerkovic in nichts nach – und dessen Vertreter Daniel Sdunek war für die Siebenmeter zuständig. Nachdem der gute Lars Friedrich mit einem feinen Heber das 14:13 erzielt hatte, hielt Sdunek Sekunden vor der Halbzeitsirene Spatz’ Strafwurf.
Friedrich durfte sich zu Beginn der zweiten Durchgangs eine kleine Verschnaufpause gönnen, sein Backup Djibril M’Bengue kam – und knallte den Ball zum 15:13 und 16:13 in die Maschen. Dazwischen holte sich Sdunek auch den zweiten Strafwurf von Gil Pomeranz. Und nachdem der Routinier auch von Chen Pomeranz vom Siebenmeterstrich nicht zu bezwingen war, waren die Fans in der Scharrena aus dem Häuschen.
Noch mehr in Wallung kamen sie in der 40. Minute. Die Schiedsrichter Philipp Dinges und Daniel Kirsch, die zuvor bereits die eine oder andere diskussionswürdige Entscheidung getroffen hatten, verloren den Überblick. Sie übersahen klare Schritte und entschieden reihenweise auf Siebenmeter für die Gäste. Das Spiel wurde hektischer und härter, Großwallstadt glich die knappe Führung der Bittenfelder immer wieder aus bis zum 19:19 (45.).
Der TVB ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen, kämpfte in der Abwehr verbissen um jeden Ball und zeigte im Angriff schöne Spielzüge. Besonders gut funktionierte das Spiel über die Achse Michael Schweikardt/Simon Baumgarten. Sie sorgten für das 22:19 (50.). Dominik Weiß scheiterte anschließend ebenso frei vor Putera wie Schweikardt, Spatz und Kohlbacher brachten ihr Team beim 22:21 wieder heran.
Sieben Minuten vor dem Ende schienen die Bittenfelder doch wieder das Nervenflattern zu bekommen. Aber Baumgarten und Friedrich legten zum 24:21 nach. Nachdem Spatz einen Siebenmeter neben den Bittenfelder Kasten gesetzt hatte, sorgte Friedrich drei Minuten vor den Ende für die Vorentscheidung.
Eine Zeitstrafe gegen Weiß (57.) weckte böse Erinnerungen ans Eisenach-Spiel, Pavel Prokopec verkürzte zum 25:22. Großwallstadt ging in die Manndeckung über, der TVB indes blieb kühl: Finn Kretschmer, Lars Friedrich mit seinem vierten Strafwurf und Martin Kienzle machten alles klar. Hinten hatte Jerkovic mit 13 Paraden den Großwallstädter Werfern längst den Zahn gezogen. Am Ende stand der hochverdiente 28:24-Sieg gegen einen unangenehmen Gegner – und das Zeichen an die Konkurrenz: Der TVB lebt noch.

TV Bittenfeld: Sdunek, Jerkovic; Kienzle (3), Nils Kretschmer (1), Weiß (1), Schweikardt (2), Friedrich (9/4), M’Bengue (2), Baumgarten (6), Seiz, Heib, Finn Kretschmer (4), Bischoff, Sundberg.
TV Großwallstadt: Lenz, Putera; Spatz (8/4), Fridgeirsson (1), Sorrentino, Lopez, Stark, Metzner (1), Prokopec (2/1), Chen Pomeranz (6), Kohlbacher (3), Gil Pomeranz (3).