Spiel eins nach der Schockstarre

Im ersten Spiel nach der schmerzhaften Niederlage gegen Eisenach müssen die Bittenfelder Zweitliga-Handballer an diesem Donnerstag beim Vorletzten Eintracht Hildesheim antreten. „Wir wissen, dass Hildesheim alles reinwerfen wird“, sagt Jürgen Schweikardt. Der TVB-Trainer muss auf die verletzten Djibril M’Bengue und Richard Sundberg verzichten.

Die Aufregung war groß rund um den TVB nach der ebenso unglücklichen wie unnötigen 25:26-Niederlage gegen ThSV Eisenach, mit der sich die Bittenfelder um eine glänzende Ausgangspositionen im Aufstiegsrennen gebracht haben. Weniger die Niederlage an sich, sondern der denkwürdige Spielverlauf sorgte für Gesprächs- und Diskussionsbedarf. Einen Fünf-Tore-Vorsprung darf ein Spitzenteam in den letzten zehn Minuten nicht verspielen, so der Tenor der Kritiker.

„Das ist ja das Brutale am Sport“, sagt der Trainer Jürgen Schweikardt. „Er ist nicht kalkulierbar. Wir haben uns zuletzt für unsere guten Leistungen einfach nicht belohnt.“ Hochgefühle und Frust lägen oft nah beieinander. Hätte Mario Götze beispielsweise im WM-Finale den Ball nicht so perfekt getroffen, wäre Deutschland womöglich als Vize-Weltmeister vom Platz gegangen. Der Aufschrei wäre entsprechend gewesen.

Die Bittenfelder haben gegen Eisenach ein wichtiges Spiel verloren, allerdings kein Finale. „Wir haben das Glück, dass wir am Donnerstag gleich weitermachen dürfen“, sagt Schweikardt. „Allen muss klar sein, dass noch nichts verloren ist.“ Das zeigt alleine der Blick auf die Tabelle: TVB steht unverändert auf Rang zwei.

Ganz aus den Köpfen der Spieler dürfte das Eisenach-Spiel nicht sein. Doch Schweikardt ist sich sicher, dass sie den Fokus auf die Partie in Hildesheim gelegt haben. „Wir haben am Montag noch mal ausführlich über Eisenach gesprochen“, sagt er. „Ich habe bei den Spielern eine ‘Jetzt-erst-recht-Stimmung’ gespürt.“

Das erste von noch acht Endspielen um den Aufstieg in die 1. Liga scheint auf den ersten Blick eines der einfacheren Sorte. Nach acht Niederlagen in Folge hat sich die Lage für den ehemaligen Erstligisten zugespitzt bei sieben Punkten Rückstand auf die Nichtabstiegsränge. Groß scheint die Hoffnung auf den Ligaverbleib nicht mehr zu sein bei der Eintracht, die Planungen laufen offensichtlich bereits für die 3. Liga.

Schweikardt ist überzeugt davon, dass die Hildesheimer so lange kämpfen werden, bis rechnerisch nichts mehr drin ist. „Sie haben ein Heimspiel und werden alles reinwerfen.“ Trotz der schlechten Serie: Die Eintracht war in etlichen Spielen nicht chancenlos. Beim 26:30 gegen Henstedt-Ulzburg führte sie bereits mit 17:11, beim Aufstiegskandidaten ASV Hamm-Westfalen gab’s eine knappe 32:34-Niederlage, die HSG Nordhorn-Lingen musste sich mit einem 22:22 begnügen. Und der Tabellendritte Rimpar Wölfe hatte in beiden Spielen erhebliche Probleme (19:18 und 26:22).

„Hildesheim hat gezeigt, dass es gegen fast jeden Gegner mithalten kann, und spielt zu Recht in der 2. Liga“, sagt Schweikardt. Der Kader sei ausgeglichen besetzt – mit dem einen oder anderen sehr guten Spieler. Der wuchtige Kreisläufer Tzoufras Nikolaos gab dem TVB im Hinspiel einige Rätsel auf, überhaupt war der 34:28-Sieg nicht eben locker herausgespielt: 14:13 nur führten die Bittenfelder zur Pause, auch beim 21:19 nach 40 Minuten war die Eintracht noch dran.

Der Hildesheimer Trainer Gerald Oberbeck hat vor allem im Rückraum mit Marvin Nartey, Georgi Nikolov, Andreas Simon und Matthias Struck routinierte Spieler zur Verfügung. „Wenn wir unsere Leistung gegen Eisenach über 60 Minuten bringen, werden wir gewinnen“, sagt Schweikardt. Das müssen die Bittenfelder auch, eine Pleite beim Vorletzten können sie sich nicht leisten.

Allerdings wird der TVB nicht in Bestbesetzung antreten. Djibril M’Bengue, der sich bereits im Abschlusstraining vor dem Eisenach-Spiel einen Außenbandanriss am Knöchel zugezogen hat, muss pausieren. Auch Richard Sundberg ist nicht einsatzfähig: Der Finne leidet an einer Schleimbeutelentzündung im Ellbogen. „Das ist schade, er hat in der Abwehr seine Sache sehr gut gemacht“, sagt sein Trainer.