Schweikardt mahnt zur Konzentration

Sichtlich genervt gewesen ist der Bittenfelder Trainer nach dem unnötig knappen 29:27-Sieg seiner Mannschaft gegen den HC Empor Rostock am Mittwoch. „Wir müssen wieder konzentrierter sein im Torabschluss“, sagt Jürgen Schweikardt. Beim Mitaufstiegskandidaten HSG Nordhorn-Lingen darf sich der TVB am Sonntag ähnliche Sorglosigkeiten nicht leisten.

Wenn der Trainer des unterlegenen Teams einen zufriedeneren Eindruck macht als der des Siegers, dann ist irgendetwas schiefgelaufen. Der Rostocker Aaron Ziercke verteilte bei der Pressekonferenz am Mittwochabend in der Scharrena – trotz der 27:29-Niederlage – eifrig Komplimente an seine arg dezimierte Mannschaft. „Sie hat vieles von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten“, sagte Ziercke.

Jürgen Schweikardt dagegen ärgerte sich über die fehlende Konsequenz in vielen Situationen. Die Angriffe seien oft gut vorgetragen worden, mit schludrigen und unkonzentrierten Abschlüssen habe sich die Mannschaft unnötigerweise in Schwierigkeiten gebracht. Es hat nicht viel gefehlt und Rostock hätte dem TVB einen Punkt geklaut. „Die Spiele gegen Hamm und Schwartau haben wir exakt nach diesem Schema verloren“, kritisierte Schweikardt. „Deshalb bin ich richtig sauer. Ich weiß aber, dass die Jungs das besser können.“

Auch tags darauf, bei der Pressekonferenz vor dem Spiel in Nordhorn, beschäftigte sich Schweikardt noch mit diesem Thema. „Ich habe der Mannschaft deutlich gesagt, dass es ganz wichtig ist, hier dazuzulernen.“ An der Defensive hatte der Trainer weniger auszusetzen – trotz der 27 Gegentreffer. Dass die Außenspieler der Rostocker häufig frei zum Wurf gekommen sind, sei so geplant gewesen. „Wir wollten in der Mitte gegen Wetzel, Becvar und Hruscak kompakt stehen“, sagt Schweikardt. Nicht gerechnet indes hat der Coach damit, dass Vyron Papadopoulos und René Gruszka aus nahezu jedem Winkel trafen. „Den einen oder anderen Ball mehr hätte unser Torhüter schon halten können.“

Die Bilanz spricht für den TVB – 12:2 Punkte

Nicht nur eine bessere Torhüterleistung brauchen die Bittenfelder am Sonntag bei der HSG Nordhorn-Lingen. Auf dieser Position hat der Ex-Erstligist mit Björn Buhrmester einen der besten Keeper der Liga. Was Schweikardt jedoch nicht besonders beunruhigt. „Auch gegen Eisenach und Rimpar waren die gegnerischen Torhüter stark – und wir haben gewonnen.“

Eher stört den Trainer, dass die Nordhorner ihr jüngstes Heimspiel gegen den SV Henstedt-Ulzburg überraschend mit 24:32 verloren. „Gegen uns werden die Nordhorner jetzt sicherlich noch aufmerksamer sein.“ Dass die HSG den TVB nicht unterschätzen wird, wie vielleicht den jüngsten Heim-Gegner, steht außer Frage: Die Bilanz des TVB gegen den Tabellenachten ist eindeutig: sieben Spiele, sechs Siege und eine Niederlage gab’s für die Bittenfelder.

Von Statistiken hält der TVB-Coach zwar grundsätzlich wenig. In diesem Fall hätte er aber nichts dagegen, wenn sich an den Kräfteverhältnissen am Sonntag nichts änderte. „Wir sind sicher nicht der Favorit in Nordhorn“, sagt Schweikardt. „Aber natürlich fahren wir hoch, um dort zu gewinnen.“ Es wären sogenannte „Big Points“ im Aufstiegskampf gegen einen direkten Konkurrenten – und eine prima Werbung für das nächste Highlight am kommenden Freitag (20.30 Uhr) in der Porsche-Arena gegen den Tabellenvierten und womöglich härtesten Kontrahenten ThSV Eisenach.

Freilich steht auch für die Nordhorner einiges auf dem Spiel. Sollten sie am Sonntag die Punkte liegen lassen, wäre der Rückstand auf den TV Bittenfeld neun Spieltage vor Schluss auf acht Punkte angewachsen. Im Erfolgsfall wäre Nordhorn-Lingen wieder aussichtsreich im Aufstiegsrennen.

Jürgen Schweikardt erwartet ein enges Spiel über 60 Minuten hinweg. Er hofft, dass sein Team in der Schlussphase des Spiels wieder zulegen kann, was ihm schon öfter in dieser Saison gelungen sei. Entscheidend sei, ob seine Mannschaft die richtigen Lehren auf den jüngsten Spielen gezogen habe und es schaffe, die Konzentration bis zur Schlusssirene hochzuhalten.

Gegen das eingespielte und ausgeglichen besetzte Team des Gegners wird eine durchschnittliche Leistung nicht reichen für den TVB. Nordhorn hat eine ganze Reihe von Spielern im Kader, die mit allen Wassern gewaschen sind. Unter anderem fünf Nationalspieler. Bobby Schagen zählt zu den Besten seines Fachs auf Rechtsaußen, auf der anderen Seite hat der Trainer Heiner Bültmann die Wahl zwischen zwei Nationalspielern: dem Tschechen Pavel Mickal und dem Niederländer Patrick Miedema. Sehr gut besetzt ist auch der Rückraum mit Jens Wiese, Nils Meyer und Nicky Verjans. Auch hier hat Bültmann ausreichend Alternativen.

Der TVB hat seinen kompletten Kader beisammen, auch alle drei Torhüter sind einsatzfähig. Noch hat sich Schweikardt nicht für ein Duo entschieden.