Am Ende lässt der TVB seine Fans zittern

Hart arbeiten musste der Handball-Zweitligist TV Bittenfeld gestern Abend, bis er den wichtigen 29:27-Heimsieg gegen den HC Empor Rostock in trockenen Tüchern hatte. Obwohl die Gäste kaum Wechselmöglichkeiten hatten, brachten sie den Tabellenzweiten ins Schwitzen. Treibende Kräfte beim TVB waren Alexander Heib und Dominik Weiß.

Viel Platz gab’s auf dem Spielberichtsbogen: Mit nur neun Feldspielern war der HC Empor Rostock nach Stuttgart angereist, im Kader waren sogar zwei A-Jugendspieler. Der Gästetrainer Aaron Ziercke musste sich also keine großen Gedanken machen, wen er aufs Spielfeld schicken soll. Von einem Nachteil indes war 17 Minuten nichts zu sehen – im Gegenteil: Geschickt lenkte Roman Becvar das Spiel der Gäste, setzte den wurfgewaltigen Tom Wetzel immer wieder gekonnt in Szene.

Nicht nur auf diese beiden mussten die Bittenfelder achten. Über 60 Minuten hinweg brandgefährlich waren die Außen Vyron Papadopoulos und René Gruszka. 16 der 27 Rostocker Treffer gingen auf das Konto der beiden. Die TVB-Abwehr agierte in der ersten Viertelstunde viel zu unaufmerksam und zögerlich, auch der Torhüter Dragan Jerkovic kam nicht ins Spiel. So erarbeitete sich der Favorit zunächst nur eine knappe Führung. Nachdem Gruszka eiskalt einen Siebenmeter zur 9:8-Führung (17.) der abstiegsgefährdeten Gäste verwandelt hatte, knurrten die 1649 Bittenfelder Fans auf der Tribüne. Der TVB konzentrierte sich zu sehr auf seinen Rückraum, dem jedoch zu viele Fehler unterliefen.

Druckvoller und variabler wurde die Aktionen, als nach 20 Minuten Alexander Heib ins Spiel kam. Auch die Abwehr packte entschlossener zu, und mit einem 7:1-Lauf binnen elf Minuten zum 15:10 rückte der TVB die Verhältnisse zurecht. Der gute Dominik Weiß traf mit seinem sechsten Tor zur 16:11-Halbzeitführung.

Ein Doppelschlag des umtriebigen Papadopoulos zum 16:13 weckte die Bittenfelder schnell auf. Nach dem 20:14 durch Weiß spekulierte der eine oder andere vermutlich auf einen Kantersieg, zumal die Gäste mit ihren Kräften haushalten mussten. Von einem Debakel indes waren die Rostocker weit entfernt, mehr als fünf Tore Differenz ließen sie nicht zu – und schlichen sich sogar mehrmals bis auf vier Tore heran.

Nachdem Heib zum 27:22 getroffen hatte, schien die Partie acht Minuten vor dem Ende durch zu sein. Doch dann wurde es vogelwild: Tobias Schimmelbauer musste für zwei Minuten auf die Strafbank. Lars Friedrich und Dominik Weiß unterliefen technische Fehler, im Anschluss erhielt Michael Schweikardt wegen absichtlichem Fußspiel eine Zeitstrafe. Diese heikle Phase überstand der TVB ordentlich, Florian Schöbinger erzielte in Unterzahl gar das 28:23 (54.) und der eingewechselte Daniel Sdunek hielt prächtig gegen Wetzel.

Doch auch damit war die Partie nicht entschieden. Beim 28:25 war Empor wieder dran, anschließend scheiterte Heib bei einem Siebenmeter am Pfosten. Der ansonsten schwache Patrik Hruscak traf zum 28:26 (57.) – und das große Zittern begann. Nach dem 29:27 ging Rostock eine Minute vor Schluss in die Manndeckung über und schrammte nur knapp am Anschlusstreffer vorbei. Gruszkas Wurf nach einem Konter landete am Pfosten.

So rettete der TVB die beiden wichtigen Punkte ins Ziel, hätte sich das Leben allerdings nicht so schwer machen müssen. Am Vier-Punkte-Polster auf den ersten Nichtaufstiegsplatz änderte sich nichts, weil die Konkurrenz ebenfalls punktete. Bis auf Rimpar: Der Dritte hat nun lediglich noch einen Punkt Vorsprung auf Rang vier.

TV Bittenfeld: Sdunek, Jerkovic; Schimmelbauer (3), Schöbinger (2), Kienzle, Nils Kretschmer (2), Weiß (8), Schweikardt (1), Friedrich (6), M’Bengue, Baumgarten (2), Sundberg, Heib (5/3), Finn Kretschmer.

HC Empor Rostock: Kominek, Porath; Becvar (1), Barten, Gruszka (7/2), Flödl (1), Wetzel (7/2), Papadopoulos (9/1), Hruscak (2), Zemlin, Meuser.