Vielleicht doch ein gewonnener Punkt

Am Freitagabend war der Ärger bei den Bittenfelder Handballern noch groß gewesen über den verpassten Sieg bei der HG Saarlouis. Am Samstag war die Stimmung deutlich besser – auch, weil die Konkurrenten im Aufstiegskampf fast durchweg schwächelten. „Vielleicht war’s doch ein gewonnener Punkt“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt.

Bei der Bewertung eines Unentschiedens steht in der Regel die Frage im Mittelpunkt, welche Mannschaft denn nun einen Punkt gewonnen und welche einen verloren hat. In der Saarlouiser Stadtgartenhalle war die Gemütslage am Freitagabend eindeutig: Die 1400 Fans, sofern sie nicht blau-weiße Shirts trugen, und die HG-Spieler feierten ausgiebig das 25:25 gegen die favorisierten Gäste. Die TVB-Spieler dagegen waren weniger begeistert, hatten sie doch so dicht vor dem Auswärtssieg gestanden.

„Wir haben es verpasst, den Deckel draufzusetzen“, sagt der Bittenfelder Trainer Jürgen Schweikardt. Der TVB hatte zwar überwiegend die Kontrolle über die Partie und lag während der 60 Minuten nie im Hintertreffen. Mehr als zwei Tore Vorsprung indes arbeitete er sich nicht heraus. So ließen sich die kampfstarken Saarlouiser nie abschütteln – und hatten in der Schlussphase das nötige Glück auf ihrer Seite.

Dabei haderten die Bittenfelder das eine oder andere Mal mit den „viel zu kleinlichen“ Schiedsrichtern, wie Schweikardt findet. Nicht geschmeckt haben dem Coach die drei Zeitstrafen gegen Tobias Schimmelbauer, nach 36 Minuten war die Partie für den Linksaußen beendet. Bevor der energische Merten Krings eine Minute vor dem Ende die Abstimmungsprobleme in der TVB-Deckung mit dem Ausgleich zum 25:25 bestrafte, hatten die Bittenfelder die Entscheidung in der Hand. Lars Friedrich traf zur vermeintlichen 26:24-Führung, doch die Referees Marcus Hurst und Mirko Krag entschieden auf Freiwurf. Zudem hätten sich die Bittenfelder bei ihrer finalen Aktion einen Siebenmeter gewünscht nach einem Foul an Florian Schöbinger.

Auch ohne den Segen der Unparteiischen hätte der Tabellenzweite beide Punkte mitnehmen können. „Wir hätten ein bisschen cleverer agieren müssen“, sagt der TVB-Trainer. „Allerdings ist es auch nicht einfach, in Saarlouis zu spielen.“

Gegen Bad Schwartau auch nicht. Das mussten die Bittenfelder in dieser Saison gleich zweimal erfahren, und am Sonntag erwischte es in Lübeck auch den Aufstiegskandidaten HSC Coburg bei der 20:32-Niederlage ziemlich heftig. Noch bitterer war die 24:32-Heimpleite des Siebten HSG Nordhorn-Lingen gegen den Abstiegskandidaten SV Henstedt-Ulzburg. Da auch der bis dato mit dem TVB punktgleiche Dritte Rimpar Wölfe beim 18:21 gegen den TV Großwallstadt ohne Punkte blieb, war’s gar ein Wochenende fast nach dem Geschmack der Bittenfelder.

„Vielleicht haben wir sogar einen Punkt gewonnen“, sagt Jürgen Schweikardt. Immerhin sind Unentschieden im Handball mehr wert als im Fußball. Damit dürfte der VfB Stuttgart kaum aus dem Tabellenkeller klettern. Die Bittenfelder dagegen könnten sich auf folgenden Deal durchaus einlassen: Sollten sie in den verbleibenden sechs Partien in der Fremde jeweils einen Punkt mitnehmen und die fünf Heimspiele gewinnen, hätten sie 20 Minuspunkte auf dem Konto. Und die dürfen zum Aufstieg in die 1. Liga auf alle Fälle reichen.

Mit diesem Handel ließe sich Jürgen Schweikardt sicher gerne ein. Zunächst indes steht am Mittwoch (20 Uhr) in der Scharrena mit dem HC Empor Rostock die nächste Hürde im Weg. Im Hinspiel kam der TVB nicht über ein 22:22-Unentschieden hinaus. Das wäre diesmal zu wenig.