Standesgemäß aber nicht spektakulär

Mit dem 35:24-Sieg gegen das Schlusslicht GSV Eintracht Baunatal haben die Zweitliga-Handballer des TV Bittenfeld ihren zweiten Tabellenplatz verteidigt. Vor 1893 Fans in der Stuttgarter Scharrena überzeugte der TVB gestern Abend allerdings erst in den zweiten 30 Minuten. Davor spielte Lars Friedrich den Alleinunterhalter beim bisweilen etwas zu sorglosen TVB.

Zweiter gegen Letzter, zudem in der eigenen Halle: Im Grunde kann da nichts schieflaufen, zumal der Gegner mit der Saison mehr oder weniger abgeschlossen hat und das Feld der 2. Liga am Ende der Saison freiwillig räumen wird. Die Baunataler indes machten dem TV Bittenfeld das Leben eine dreiviertel Stunde lange sehr schwer – wobei der haushohe Favorit daran selbst den größten Anteil hatte. Zu sorglos agierte der TVB nach der schnellen 3:0-Führung, ließ im Angriff und in der Abwehr die Konzentration und Entschlossenheit in vielen Aktionen vermissen.

Die Bittenfelder sind nicht richtig bei der Sache

Vier Fehlwürfe und zwei technische Fehler standen beim Tabellenzweiten nach zehn Minuten auf dem Zettel, das schlug sich auch gegen die biederen, aber sehr kampfstarken Gäste beim 5:4 im Resultat nieder. Nach drei Treffern in Folge zum 8:4 (14.) schien die Partie ihren erwartet klaren Verlauf zu nehmen. Doch die Bittenfelder waren auch anschließend nicht richtig bei der Sache. Die Körpersprache des einen oder anderen Spielers ließ vermuten, dass die Bittenfelder ihre Aufgabe womöglich doch etwas zu leicht nahmen – mit einer Ausnahme: Lars Friedrich hielt sein Team fast im Alleingang in Führung, das 13:11 (24.) war bereits der siebte Treffer des Linkshänders.

Seine Kollegen im Rückraum, Dominik Weiß und Michael Schweikardt, kamen nicht richtig ins Spiel, auch die Außen Tobias Schimmelbauer und Finn Kretschmer spielten eher unglücklich. Die Defensive offenbarte ebenfalls die eine oder andere Lücke zu viel, auch der Torhüter Dragan Jerkovic hatte schon bessere Tage im TVB-Trikot.

Bezeichnend für den äußerst durchwachsenen Auftritt des TVB im ersten Spielabschnitt war die letzte Aktion vor der Pausensirene: Schweikardt scheiterte mit einem Siebenmeter am guten Baunataler Torhüter Maximilian Kroll. Somit blieb der Tabellenletzte zur Pause beim 16:13 im Spiel. Überraschend zwar, aber durchaus verdientermaßen aufgrund seines couragierten Spiels.

Die Halbzeitansprache in der TVB-Kabine dürfte entsprechend deutlich ausgefallen sein. Jedenfalls agierten die Bittenfelder fortan aggressiver in der Deckung und mit mehr Feuer in den Offensivaktionen. Der für Jerkovic eingewechselte Daniel Sdunek fand gleich prima ins Spiel, und binnen sechs Minuten baute der TVB seine Führung zum 22:14 aus. Baunatal hatte sich eine ganze Reihe von Abspielfehlern geleistet, die das Heimteam konsequent bestrafte.

Friedrich durfte sich nach seinem zehnten Treffer eine Pause gönnen. Für ihn kam Djibril M’Bengue, Alex Heib rückte an die Stelle von Schweikardt. Martin Kienzle ersetzte Schimmelbauer und fügte sich mit dem 25:16 (42.) gleich gut ein. Es lief alles auf einen Kantersieg des Tabellenzweiten hinaus. Und nach einem kurzen Schwächeanfall, den die Gäste zum 25:20 nutzten (47.), gab der TVB in der Schlussphase noch einmal richtig Gas.

Die Auszeit der Baunataler sieben Minuten vor dem Ende beim 29:22 bremste den Tabellenzweiten nicht mehr. Baunatal versuchte mit letzter Kraft, die Niederlage in Grenzen zu halten, musste sich aber der spielerischen und physischen Überlegenheit der Bittenfelder ergeben. Die konterten die Eintracht in der Schlussphase aus, die letzten drei Treffer zum 35:24-Sieg gingen auf das Konto des starken Martin Kienzle.

So löste der TV Bittenfeld seine Pflichtaufgabe gegen das Schlusslicht letztlich souverän und verteidigte den zweiten Tabellenplatz vor den punktgleichen Rimpar Wölfen. Weil der ASV Hamm-Westfalen am Samstag das Verfolger-Duell gegen die HSG Nordhorn-Lingen knapp mit 29:28 für sich entschieden hatte, vergrößerte sich der Vorsprung des TVB auf den vierten Rang von drei auf vier Punkte.

Am Freitag bei der HG Saarlouis müssen die Bittenfelder jedoch eine Schippe drauflegen, ansonsten dürfte das Polster wieder dünner werden.

TV Bittenfeld: Sdunek, Jerkovic; Schimmelbauer, Schöbinger (1), Kienzle (6), Weiß (6), Schweikardt (2/1), Friedrich (10), M’Bengue (3), Baumgarten (3), Sundberg, Seiz (1), Heib (1), Finn Kretschmer (2).

GSV Eintracht Baunatal: Paar, Kroll; Koch (3), Gbur (6), Schade (7/1), Fuchs, Feuring, Räbiger (2), Gessner, Bornemann (1), Weinrich (5), Wunderlich.