Der wichtigste Auswärtssieg

Die Zweitliga-Handballer des TV Bittenfeld mussten kräftig schwitzen, bis die beiden Punkte beim Gastspiel in Dormagen eingetütet waren. Mit dem 28:23-Sieg gegen den Aufsteiger holte sich der TVB den zweite Tabellenplatz zurück, weil der DJK Rimpar Wölfe in Eisenach mit 25:27 unterlag – was dem Bittenfelder Trainer Jürgen Schweikardt gar nicht so recht war.

Bereits um 19 Uhr war die Partie im Dormagener Sport-Center am Samstag angepfiffen worden. Die meisten anderen Partien des 25. Spieltags liefen noch, als der Moderator Detlev Zenk die Pressekonferenz eröffnete und dem Bittenfelder Trainer die „gute Nachricht“ überbrachte, dass der TVB durch die Niederlage der Rimpar Wölfe in Eisenach den zweiten Tabellenplatz zurückerobert hat.

„Mir wäre lieber gewesen, wenn Eisenach verloren hätte“, so Jürgen Schweikardts überraschende Reaktion. Motto: lieber die Konkurrenten von Rang vier abwärts auf Distanz halten, als um den zweiten Platz zu rangeln. Fünf Punkte trennen Eisenach vom Aufstiegsplatz, wie auch den HSC Coburg. Bis zum Top-Spiel in der Stuttgarter Porsche-Arena am 27. März werden die Eisenacher versuchen, den Abstand zum TVB zu verkürzen.

Ein bisschen spekulieren auf einen weiteren Ausrutscher der Bittenfelder durfte das Team von Trainer Velimir Petkovic bereits am Samstag, schließlich wirkte der TVB in Dormagen vor allem in den ersten 30 Minuten nicht besonders souverän. Das gestand auch der Trainer bei der Pressekonferenz ein. Ob er sich „ernsthafte Gedanken“ gemacht habe, insbesondere beim 12:14-Halbzeitrückstand, wollte der Moderator von Jürgen Schweikardt wissen. „Wir haben uns schon vor dem Spiel Gedanken gemacht“, so Schweikardt. Nach den beiden Niederlagen in Emsdetten und gegen Bad Schwartau habe sein Team unter Zugzwang gestanden – und das sei vor allem im ersten Spielabschnitt zu spüren gewesen. „Es war das schwierigste Auswärtsspiel für uns bis jetzt in dieser Saison“, sagt Schweikardt. „Und der Sieg war extrem wichtig.“

Inzwischen hat das Trainerteam, gemeinsam mit der Mannschaft, die Partie in Dormagen eingehend analysiert. „In der ersten Halbzeit haben ein paar Dinge nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt hatten“, sagte Jürgen Schweikardt gestern. „Und dann wurden wir nervös.“ Hinten wie vorne hätten seine Spieler kurzzeitig den Kopf verloren. Das sei eine kritische Situation gewesen. „Da sind wir fast auseinandergebrochen, es hätte zur Pause durchaus noch schlimmer kommen können.“

Die Routiniers setzten die Akzente

In den zweiten 30 Minuten sei seine Mannschaft ganz anders ausgetreten. Sie habe eine Schippe draufgelegt und sich bis zum Schluss nicht mehr aus der Ruhe bringen lassen. In der entscheidenden Schlussphase, nach 52 Minuten stand’s 23:23, hätten die Routiniers Daniel Sdunek, Michael Schweikardt und Lars Friedrich die Verantwortung übernommen und wesentlichen Anteil gehabt am 5:0-Lauf und 28:23-Sieg.

Sicherlich seien die erfahrenen Kräfte in solch kritischen Situationen gefragt. „Es sind allerdings auch die jungen Spieler nicht davon freigesprochen, wenn sie einen guten Tag erwischt haben“, sagt der Coach.

Dass der Sieg am Ende deutlicher ausfiel, als es der Spielverlauf widerspiegelt, ist für Schweikardt eher eine Randnotiz. „Wichtig ist, dass wir dem Druck standgehalten haben. Außerdem war’s auch eher unwahrscheinlich, dass noch einmal alles so schieflaufen wird wie in den vergangenen beiden Spielen.“

Mit Wahrscheinlichkeitsrechnungen indes sollten sich die Bittenfelder am besten nicht auseinandersetzen. Am Sonntag (17 Uhr) kommt mit dem GSV Eintracht Baunatal der designierte Absteiger in die Scharrena. Wahrscheinlich wird da nichts anbrennen für den TVB. Andererseits: Im Hinspiel quälte sich der TVB zum 30:28-Sieg. Und der ASV Hamm-Westfalen, derzeit zusammen mit der HSG Nordhorn-Lingen mit bei vier und drei Punkten Rückstand mit den besten Aussichten im Verfolgerfeld, musste zu Hause eine bittere 24:29-Niederlage gegen den kommenden Bittenfelder Gegner einstecken.