Schöne Momentaufnahme – mehr nicht

Platz zwei und drei Punkte Vorsprung auf den ersten Nichtaufstiegsrang: Daran könnten sich die Fans des Handball-Zweitligisten TV Bittenfeld gewöhnen. „Natürlich ist das schön“, sagt der Bittenfelder Trainer Jürgen Schweikardt. „Es ist aber eine Momentaufnahme, die wir einzuschätzen wissen.“ Am Freitag kommt der ASV Hamm-Westfalen – mit vier Siegen in Folge.

Das Siegestänzchen der Bittenfelder Spieler fiel aus am Freitagabend. Zweimal hatte der TVB beim württembergischen Rivalen mit drei Toren geführt, am Ende wäre er um ein Haar leer ausgegangen in der Tübinger Paul-Horn-Arena. Neuhausen eine dreiviertel Minute vor Schluss mit 26:25 geführt, verdattelte anschließend jedoch gegen die Manndeckung des TVB den Ball. Mit einer Mischung aus Cleverness, Mut und einer Portion Glück retteten die Gäste noch einen Punkt: Der Rechtsaußen Finn Kretschmer bediente Michael Schweikardt punktgenau, der Spielmacher traf zwei Sekunden vor der Sirene per Kempa-Trick.

In den 60 Minuten davor hatte den Bittenfeldern diese Präzision häufig gefehlt. „Wir haben uns gute Situationen erspielt, doch der letzte Pass ist nicht angekommen“, sagt der Bittenfelder Trainer Jürgen Schweikardt. In der Defensive sei sein Team über weite Strecken gut gestanden, habe jedoch kurz vor dem Zeitspiel des Gegners noch einen Treffer kassiert.

Beim Stand von 19:19 nach 40 Minuten versuchte der Trainer noch einmal einen neuen Impuls zu setzen: Er beorderte Dragan Jerkovic, der eine ordentliche Partie zeigte, auf die Bank und schickte einen anderen Torhüter aufs Feld. Überraschenderweise nicht Jürgen Müller, sondern Daniel Sdunek. Müller hatte unter der Woche wegen einer Magen-Darm-Erkrankung kaum trainiert, und an Sdunek hatten die Neuhausener keine guten Erinnerungen: „Manni“ Sdunek gehörte in der vergangenen Saison beim 26:24-Sieg des TVB in Tübingen zu den Matchwinnern.

Und tatsächlich parierte Sdunek einen Siebenmeter und drei weitere Würfe – aber natürlich nicht alles. Schweikardts Psycho-Trick funktionierte also halbwegs. So wie vieles an diesem Abend aber eben nicht zu hundert Prozent. „Es waren einige Kleinigkeiten, die sich summiert haben“, sagt Schweikardt. Dass die halbe Mannschaft in der Vorbereitung wegen eines Magen-Darm-Infekts das Training verpasst hatte, will der Coach nicht als Entschuldigung gelten lassen. „Eine gute Mannschaft muss so etwas wegstecken.“ Außerdem dürfe der TVB nicht allzu vermessen sein und glauben, in jedem Auswärtsspiel die Punkte mitnehmen zu können. Zumal der Gegner gut gespielt habe. „Wie man hört, zeigte Neuhausen sein bestes Saisonspiel.“

Obgleich es diesmal nicht zum Sieg reichte, darf sich der TVB als Gewinner des 15. Spieltags fühlen: Die Rimpar Wölfe hatten beim 23:34 gegen den Tabellenführer SC DHfK Leipzig keine Chance, die Bittenfelder zogen dank des besseren Torverhältnisses am Konkurrenten vorbei auf Rang zwei. Und weil der VfL Bad Schwartau das Spitzenspiel bei der HSG Nordhorn-Lingen mit 24:25 verlor, liegen zwischen dem TVB und dem Tabellenvierten nun drei Punkte.

Dieses Polster gilt es nun am Freitag (20 Uhr) in der Scharrena zu verteidigen. Der ASV Hamm-Westfalen indes dürfte ein unbequemer Gegner werden: Vier Spiele in Folge hat das Team von Trainer Kai Rothenpieler gewonnen. In der vergangenen Saison verlor der TVB auswärts und hatte in Stuttgart beim 36:32-Sieg große Probleme.