WILD BOYS zum Topspiel beim TV Großwallstadt

Das Top-Spiel des 13. Spieltags in der 2. Handball-Bundesliga steigt heute in der Aschaffenburger Frankenstolz-Arena: Ein Punkt trennt den Vierten TV Großwallstadt vom Dritten TV Bittenfeld. „Um dort zu bestehen, brauchen wir eine Leistung wie in Eisenach“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt. Da rückt das Duell der Kretschmer-Brüder in den Hintergrund.

Am zwölften Spieltag hat der TV Bittenfeld die samstägliche Vorlage des TV Hüttenberg verwandelt und sich auf den dritten Tabellenplatz gesetzt. Der TV Großwallstadt verspielte in Hüttenberg einen Sechs-Tore-Vorsprung, nach lediglich fünf Treffern in den zweiten 30 Minuten musste sich der Ex-Erstligist unerwartet mit 22:23 geschlagen geben.

Standesgemäß dagegen war der 34:28-Sieg der Bittenfelder gegen den Vorletzten Eintracht Hildesheim – wobei der TVB-Trainer diese Bezeichnung nicht besonders mag. Es sei eine „grundsätzliche Fehlannahme“, dass die Tabellenstände die Leistungsunterschiede zwischen den Mannschaften widerspiegelten. „Die ersten sechs von Hildesheim sind nicht wesentlicher schlechter als unsere ersten sechs.“ Es gebe gegen keinen Gegner eine Sieggarantie, die Spieler müssten sich jedes Mal akribisch auf die kommende Aufgabe vorbereiten. „Ich denke, die Mannschaft hat das mittlerweile gelernt.“

Heute Abend braucht der Bittenfelder Coach keinerlei Bedenken haben, dass der eine oder andere den Gegner im Unterbewusstsein eventuell doch auf die leichte Schulter nehmen könnte: Der TV Großwallstadt zählte vor der Saison zu den Aufstiegskandidaten und hat diese Einschätzung im ersten Saisondrittel bestätigt.

Nach dem Abstieg aus der 1. Liga in der Spielzeit 2012/2013 hatte der TV Großwallstadt in der vergangenen Spielzeit die üblichen Anpassungsschwierigkeiten und musste sich mit dem zehnten Rang zufriedengeben – und das mit sechs ehemaligen und aktuellen Nationalspielern in seinen Reihen.

International erfahren sind unter anderem der Ex-Balinger Torhüter Milos Putera, der Isländer Fannar Fridgeirsson und der Israeli Chen Pomeranz auf Rückraum-Mitte, der Spanier Hugo Lopez im rechten Rückraum und der ehemalige deutsche Nationalspieler Michael Spatz auf Rechtsaußen. Der junge Jannik Kohlbacher (22) zählt zu den talentiertesten Kreisläufern überhaupt.

Zu aktuellen Saison haben sich die Großwallstädter nochmals gezielt verstärkt. Vom Liga-Konkurrenten Leipzig kam der linke Rückraumspieler und tschechische Auswahlakteur Pavel Prokopec. Ebenfalls auf dieser Position ist der Spanier Alfredo Sorrentino eingeplant, der unter anderem schon für den TBV Lemgo am Ball war und zuletzt beim spanischen Erstligisten Global Caja Ciudad Encantada spielte.

Er gilt als ebenso abwehrstark wie Milan Weißbach. Der Defensivspezialist kam aus Hildesheim und bildet zusammen mit Prokopec den starken Mittelblock. Nicht von ungefähr hat Großwallstadt die drittbeste Abwehr der Liga.

An der individuellen Klasse gemessen, stellt Jürgen Schweikardt den TV Großwallstadt auf eine Stufe mit dem ThSV Eisenach. Einen entsprechend guten Tag müssen die Bittenfelder also erwischen, um aus Aschaffenburg etwas mitzunehmen.

Andererseits: Den Sieg in Eisenach hatten dem TVB auch nicht viele zugetraut. „Wir haben Spaß gefunden an solchen Herausforderungen“, sagt Schweikardt. Sollte die Serie von 13:1 Punkten reißen und der TVB dem Gegner den dritten Platz überlassen müssen, wäre dies für den Trainer kein Beinbruch. „Es ist noch so früh in der Saison.“ Schweikardt weiß freilich auch um die große Chance: Mit einem Sieg könnte der TVB einen der Konkurrenten auf drei Punkte distanzieren. Und mit der HSG Nordhorn-Lingen und dem HSC Coburg werden sich am Samstag zwei weitere Kandidaten die Punkte gegenseitig wegnehmen.

Dass Großwallstadt zuletzt die Punkte unnötig in Hüttenberg gelassen hat, schmeckt Schweikardt nicht so sehr. „Großwallstadt wird sicher besonders angestachelt sein und möchte sich gegen uns die Punkte zurückholen.“

Beim TVB fehlt weiterhin Djibril M’Bengue.