Bittenfeld hat nun zwei Top-Teams vor der Brust

Das erste Drittel der Saison ist fast vorbei, der Handball-Zweitligist TV Bittenfeld liegt auf Kurs: Platz drei, 19:5 Punkte, zweitbestes Torverhältnis. Am Freitag hat der TVB die Chance, mit einem Sieg in Großwallstadt einen der Aufstiegskonkurrenten auf drei Zähler zu distanzieren. „Dazu brauchen wir eine Leistung wie in Eisenach“, sagt der Trainer Jürgen Schweikardt.

Der SC DHfK Leipzig und die Rimpar Wölfe schreiten in der 2. Liga mit 20:2 Punkten souverän vorneweg, drei Zähler dahinter lauert der TV Bittenfeld auf dem dritten Aufstiegsplatz. Die Bilanz nach einem knappen Drittel der Saison lässt sich sehen: Niederlagen kassierte der TVB zum Saisonauftakt beim Primus in Leipzig und beim heimstarken VfL Bad Schwartau, den fünften Punkt ließen die Bittenfelder nach großem Rückstand in Rostock liegen.

Dass auch gegen vermeintliche schwächere Mannschaften höchste Aufmerksamkeit geboten ist, bekam der TVB am Sonntag gegen den Vorletzten Hildesheim zu spüren. „Mich wundert’s schon, dass die Eintracht so weit hinten steht“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt. „Hildesheim wird sicher seine Punkte noch holen.“

In der Scharrena standen die Hildesheimer zwar nicht unmittelbar davor, sie brachten die Bittenfelder aber lange Zeit mächtig ins Schwitzen. Und das, obwohl die Eintracht ihren angeschlagenen Spielmacher Robin John nicht dabei hatte. „Ich war schon angespannt, weil immer die Gefahr bestand, dass etwas passieren könnte“, sagt Schweikardt. Deshalb legte er in der 48. Minute die Grüne Karte auf den Zeitnehmertisch.

Erst die Wasserflasche stoppt Dominik Weiß

Beim 27:22 schien der TVB auf dem Weg zum sicheren Heimsieg. Doch Nikolaos Tzoufras, für Schweikardt einer der besten Kreisläufer der Liga, verkürzte mit einem Doppelschlag auf 27:24. Kaum hatte der Coach seine Spieler in der Auszeit zur Konzentration ermahnt, traute er seinen Augen nicht: Dominik Weiß machte sich, quer übers Spielfeld, auf den Weg zu seiner Position im linken Rückraum – mit der Wasserflasche in der Hand. „Da lagen wir nur drei Tore vorne, deswegen konnte ich nicht darüber lachen“, so Schweikardt in der Pressekonferenz nach dem Spiel. „Jetzt natürlich schon.“ Zumal der Trainer dem „Langen“ nicht viel vorwerfen konnte – im Gegenteil: Weiß avancierte – zusammen mit Torhüter Dragan Jerkovic und Lars Friedrich – zum Matchwinner gegen Hildesheim. Ein paar Tage zuvor war Weiß in Eisenach nicht so richtig in Fahrt gekommen. Dass immer wieder ein anderer Spieler in den Fokus tritt, ist eine der Stärken des TVB in dieser Saison.

Wobei der Trainer gegen ein bisschen mehr Konstanz sicher nichts einzuwenden hätte. Nicht nur auf die individuellen Leistungen bezogen, sondern auch auf die Angriffs- und Abwehrdarbietungen. Gegen Hildesheim lag die Wurfquote in den ersten 30 Minuten bei rund 50 Prozent, im zweiten Spielabschnitt dagegen lief’s vorne deutlich besser. Dafür wackelte die Defensive öfter.

Am letztlich recht souveränen 34:28-Erfolg des TVB gab’s dennoch nichts zu deuteln. Das sah auch der Hildesheimer Trainer so, der in der Pressekonferenz für großes Gelächter sorgte. „Gegen einen Aufsteiger zu verlieren ist nicht so schlimm“, sagte Gerald Oberbeck – und schob gleich hinterher, dass „es ein bisschen scherzhaft gemeint“ gewesen sei. „Es steckt aber ein ernster Kern drin, Bittenfeld ist eine der Top-Mannschaften der Liga.“

Zumindest in der Tabelle hat sich der TVB im vorderen Drittel eingenistet. Dabei hat er am zwölften Spieltag von den Punktverlusten der Konkurrenz profitiert. Der ThSV Eisenach, für Schweikardt nach wie vor das Team mit dem stärksten Kader der Liga, musste sich nach der 25:26-Niederlage gegen Bittenfeld am Mittwoch auch in Leipzig knapp mit 28:29 geschlagen geben und hat nun bereits acht Punkte Rückstand auf einen Aufstiegsplatz. Großwallstadt musste nach der 17:11-Führung beim 22:23 doch noch beide Punkte in Hüttenberg lassen. Und auch für die HSG Nordhorn-Lingen gab’s beim 23:25 in Aue nichts zu holen.

Es war also ein Spieltag nach dem Geschmack der Bittenfelder. Die haben am kommenden Freitag (19.30 Uhr) in Aschaffenburg die große Chance, mit dem TV Großwallstadt einen weiteren Konkurrenten ein wenig abzuschütteln. „Jetzt haben wir zwei ganz dicke Brocken vor uns“, sagt Schweikardt. Nach dem Ex-Erstligisten kommt mit den Rimpar Wölfen das Überraschungsteam der Liga in die Scharrena. „Wir sind bisher immer gut damit gefahren, nicht zu weit nach vorne zu blicken“, sagt Schweikardt. „Wir haben auch nicht vor, von dieser Strategie abzurücken.“

@ Ausschnitte der Partie gegen Hildesheim gibt’s auf zvw.de/sportvideos

Anreise zum Spiel
Der TVB setzt zum Spiel in Aschaffenburg gegen Großwallstadt Fan-Busse ein. Rund 70 Personen werden mitfahren, damit ist ein Bus bereits voll. Die Bittenfelder möchten gerne einen zweiten Bus fahren lassen. Anmeldungen per E-Mail an Marcel Dippon: md@tvb1898.de