Schlechte erste Halbzeit: Unentschieden in Rostock

Eine ganz schwache erste Halbzeit hat dem Zweitligisten TV Bittenfeld 1898 am Samstagabend die Chance auf den doppelten Punktgewinn vermasselt. Erst im zweiten Durchgang fand der TVB zu Normalform und erkämpfte sich in den dramatischen Schlussminuten beim 22:22 (14:7) einen verdienten Punkt.

Schon die morgendliche  Anreise nach Rostock verlief nicht nach Plan für den TVB, der aufgrund des Bahnstreiks kurzfristig auf alternativem Wege zum Flughafen in Stuttgart anreisen musste. Und auch die Partie in der Stadthalle Rostock sollte ganz anders verlaufen, als es sich Spieler und TVB-Verantwortliche vorgenommen hatten. Sehr nervös agierten die WILD BOYS in den Anfangsminuten, fabrizierten im Angriff insgesamt neun Fehlwürfe und zehn technische Fehler – und das allein im ersten Durchgang.

Rostock konnte so ohne große Probleme aus einer stabilen Abwehr heraus sehr schnell mit 4:0 in Führung gehen, ehe Dominik Weiß nach acht Minuten den ersten TVB-Treffer markierte. Erst zwölf Minuten später gelang dem Tabellendritten der erlösende zweite Treffer zum 2:8 durch Weiß, da waren bereits zwanzig Minuten gespielt.

Das Prunkstück des TVB aus den vergangenen Partien, die kompakte und gut zupackende Abwehr, fand nicht statt. Der Angriff brachte zunächst kaum etwas Zählbares zustande, und – ungewöhnlich: Die zuletzt so starken Michael Schweikardt, Simon Baumgarten, Lars Friedrich und Richard Sundberg erzielten gegen die Mecklenburger keinen Treffer. Nach zwanzig Minuten leuchtete ein ernüchterndes 2:9 von der Anzeigetafel, und diesen Vorsprung verteidigten die befreit aufspielenden Rostocker bis zum 14:7-Halbzeitstand.

Für die WILD BOYS sprechen allerdings Moral und Kampfgeist, die sie an der Ostsee nach der ganz schwachen ersten Halbzeit bewiesen. Trainer Jürgen Schweikardt muss in der Kabine die richtigen Worte gefunden haben, denn das Team kam wie ausgewechselt aus der Pause zurück. Zunächst mussten Weiß und der unauffällig bleibende Lars Friedrich zwei Fehlwürfe hinnehmen, dann parierte Jürgen Müller in einer wichtigen Phase gleich doppelt für sein Team. Als Michael Seiz den Ballgewinn durch Richard Sundberg zum 12:16 nutzte, keimten wieder erste Hoffnungen auf einen möglichen Punktgewinn beim Bittenfelder Anhang auf. Doch die Gäste mussten einen weiteren Rückschlag verkraften: Pfostentreffer, Fehlwürfe und technische Fehler durchweg auf allen Positionen machten die starke Phase zunichte – Rostock erhöhte konsequent auf 20:14 (46.).

Dann sollten mitunter spielentscheidende Szenen folgen. Gleich dreimal in Folge scheiterte Nemanja Mladenovic aus dem linken Rückraum an TVB-Keeper Jürgen Müller, der zweimal im direkten Gegenzug Tobias Schimmelbauer zum zwischenzeitlichen 17:20 schickte. Als dann schließlich Vyron Papadopoulos vom Siebenmeterstrich nur den Pfosten traf und Seiz den 19:20-Anschlusstreffer erzielte (52.), flatterten die Nerven auf beiden Seiten.

Zwei unnötige Ballverluste und ein weiterer Pfostentreffer verhinderten jedoch ein frühzeitiges Ausgleichen des TVB, der fast zwei Minuten vor dem Ende immer noch mit 20:22 zurücklag. Das erfolgreiche Zusammenspiel zwischen Florian Schöbinger und Passgeber Martin Kienzle sicherte Bittenfeld 59 Sekunden vor dem Abpfiff den etwas glücklichen aber sehr wohl verdienten 22:22-Endstand.

TVB-Trainer Jürgen Schweikardt äußerte sich nach Spielende so: "Wir haben in der ersten Halbzeit viele unnötige Fehler im Angriff gemacht und konnten nicht an die starke Abwehrleistung vom Mittwoch anknüpfen. Aber das Team hat Moral bewiesen und erkämpfte sich in der guten zweiten Halbzeit zumindest einen Punkt, mit dem wir heute zufrieden sein müssen."

HC Empor Rostock:
Porath, Malitz – Becvar (2), Hövels (1), Dethloff, Mladenovic (2), Gruszka (6), Flödl (1), Sadewasser, Papadopoulos (5), Hruscak (5), Zemlin.

TV Bittenfeld 1898:
Müller, Jerkovic – Schimmelbauer (5), Schöbinger (3), Kienzle (1), Weiß (5), Schweikardt, Friedrich, Baumgarten, Sundberg, Seiz (4), Heib (2), Kretschmer (2).