Nachlegen vor der zweieinhalbwöchigen Pause

Mit dem 27:23-Sieg im Top-Spiel gegen die HSG Nordhorn-Lingen hat der TV Bittenfeld am Mittwoch seine Ambitionen auf einen Platz in der Spitzengruppe unterstrichen. Bevor der TVB in eine zweieinhalbwöchige Pause geht, möchte er am Samstag beim HC Empor Rostock nachlegen.

Die ersten vier Heimgegner EHV Aue, TV Emsdetten, TSV Bayer Dormagen und HG Saarlouis hatten in der Scharrena keinen großen Schrecken verbreitet. Deshalb waren die Fans gespannt, wie der TVB mit einer stärker eingeschätzten Mannschaft klarkommen würde. Doch auch die HSG Nordhorn-Lingen musste sich in der Scharrena geschlagen geben – wie in den drei Spielzeiten zuvor. Entsprechend frustriert äußerte sich der Nordhorner Trainer bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. „Das war das letzte Mal, dass wir mittwochs nach Stuttgart gekommen sind“, sagte Heiner Bültmann und lächelte milde. „Aber vielleicht steigt Bittenfeld ja auch auf.“

In der vergangenen Saison hatten die Nordhorner bei der Anreise im Stau gestanden und waren eine knappe Stunde vor dem Anpfiff in der Scharrena angekommen. Vorgestern blieben immerhin eineinhalb Stunden zur Vorbereitung. „Trotzdem sind achteinhalb Stunden auf der Piste einfach ein Mist“, schimpfte Bültmann. „Wobei das natürlich keine Entschuldigung für die Niederlage sein soll, Bittenfeld hat verdient gewonnen.“ Daran gab’s keinen Zweifel. Den Grundstein zum Erfolg legte der TVB in den ersten 20 Minuten. Bis dahin funktionierte hinten wie vorne fast alles. Zweimal legte Michael Schweikardt zu einem – erfolgreichen – Kempa auf für Lars Friedrich und Dominik Weiß. Und die Abwehr spielte so, wie sich das der Trainer vorstellt: aggressiv und präsent. „Wir wollten uns gleich Respekt verschaffen, das ist uns gelungen“, so Schweikardt.

Ein Sonderlob gab’s dabei für Lars Friedrich und Tobias Schimmelbauer. Letzterer hatte den gefährlichen niederländischen Nationalspieler Nicky Verjans – wie im Vorjahr – komplett im Griff. Schimmelbauer spiele in dieser Saison in der Abwehr auf einem konstant hohen Niveau, sagt sein Trainer. „Tobias ist ein wichtiger Pfeiler in unserer Abwehr.“

Nach 23 Minuten schienen die Kräfteverhältnisse beim 14:6 für den TVB eindeutig verteilt, zur Pause indes war Nordhorn beim 15:12 wieder im Spiel. „Es war klar, dass wir das Anfangsniveau nicht über 60 Minuten durchhalten können“, sagt Schweikardt. „Trotzdem ist uns der eine oder andere Fehler zu viel unterlaufen.“ So richtig in Bedrängnis jedoch kamen die Bittenfelder nicht mehr, weil sie in den entscheidenden Phasen präsent waren.

„Wir haben alles probiert“, sagte der Nordhorner Coach. „Aber gegen so eine gute Mannschaft ist es schwer, einen Acht-Tore-Rückstand aufzuholen. Aber immerhin sind wir nicht untergegangen, wie das anderen Mannschaften hier schon passiert ist.“ Bültmanns Pendant hat gefallen, dass das Kollektiv wieder sehr gut funktionierte. „In jedem Spiel sticht ein anderer hervor“, so Schweikardt. „Ich denke, das macht uns derzeit so stark.“

Gibt’s den ersten Sieg des TVB in Rostock?

Viel Zeit zum Durchschnaufen bleibt den Bittenfeldern nicht. Schon morgen steht die weiteste Anreise in dieser Saison an. Die rund 800 Kilometer nach Rostock legen die Bittenfelder allerdings mit dem Flugzeug zurück. Für den TVB gilt’s, noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren, bevor’s in die zweieinhalbwöchige spielfreie Zeit geht. Die Partie des zehnten Spieltags gegen Nordhorn haben die Bittenfelder bereits hinter sich, am ersten November-Wochenende ist Länderspielpause. Weiter geht’s am Mittwoch, 5. November, mit dem nächsten Top-Spiel: Es wartet der Erstliga-Absteiger ThSV Eisenach mit seinem neuen Trainer Velimir Petkovic.

Diese Partie indes ist nicht ansatzweise in den Köpfen der TVB-Verantwortlichen. Zunächst möchten die Bittenfelder ihre schwarze Serie gegen den HC Empor Rostock beenden: An der Ostsee haben die Bittenfelder in drei Spielen erst einen Punkt mitgenommen. Sollte der TVB dort seinen fünften Sieg in Folge holen, setzte er sich bis auf weiteres im ersten Tabellenviertel fest. „Rostock wird nach dem Trainerwechsel sicherlich besonders motiviert sein“, sagt Jürgen Schweikardt.

Der HC Empor Rostock blickt auf wechselvolle drei Spielzeiten in der eingleisigen 2. Liga zurück. Nach Rang 16 in der Saison 2011/2012 verbesserte sich der HCE in der darauffolgenden Spielzeit auf den sechsten Platz. In der vergangenen Runde reichte es, auch dem großen Verletzungspech geschuldet, lediglich zum 15. Platz. Zur aktuellen Saison hatten die Rostocker einen einstelligen Tabellenplatz angepeilt. Doch schon nach dem siebten Spieltag und 6:8 Punkten trennte sich der Verein – etwas überraschend – von seinem Trainer Rastislav Trtik. Dessen Nachfolger, der 24-fache Ex-Nationalspieler Aaron Ziercke, feierte beim 26:25-Sieg in Hüttenberg einen gelungenen Einstand. Ziercke bastelt übrigens zurzeit mit dem Bittenfelder Co-Trainer Karsten Schäfer an der A-Lizenz.

Mit Lukas Gamrat und dem Torhüter Robert Wetzel, die sich dem Liga-Konkurrenten Eintracht Hildesheim angeschlossen haben, sowie Jacub Zboril (Doberaner SV) und Sven Thormann (Karriereende) hat Empor vier Spieler verloren. Der hochkarätigste der drei Neuzugänge ist Patrik Hrusak. Der Linkshänder im rechten Rückraum, stattliche 2,06 Meter groß, spielt für die slowakische Nationalmannschaft. Nach anfänglichen Problemen kommt er immer besser in Fahrt. Auf der anderen Halbposition sind die Rostocker mit dem Serben Nemanja Mladenovic, Maic Sadewasser und Tom Wetzel gleich dreifach besetzt. Letzterer war in der vergangenen Saison, bis zu seinem Wadenbeinbruch, der überragende Spieler. Zuletzt fehlte Wetzel jedoch wegen einer Sprunggelenkverletzung.

Der Rostocker Spielmacher Roman Becvar, derzeit in sehr guter Form, ist tschechischer Nationalspieler. Sehr gut besetzt ist Empor auch am Kreis mit dem Kapitän Jens Dethloff und Norman Flödl, und die Flügelzange Vyron Papadopoulos/René Gruszka zählt zum Besten, was die Liga zu bieten hat.

„Es wäre natürlich schön, wenn wir mit einem Sieg in die Pause gehen könnten“, sagt Schweikardt. „Wir möchten uns oben festsetzen, und dazu brauchen wir die Punkte in Rostock.“ Nach dem intensiven Spiel gegen Nordhorn gab’s gestern Abend noch eine Trainingseinheit, heute Nachmittag steht das Abschlusstraining an. Morgen geht’s mit dem Flugzeug und unverändertem Kader nach Rostock.