Dominant und experimentierfreudig

29:26 gegen den EHV Aue, 38:23 gegen den TV Emsdetten und zuletzt 34:19 gegen den TSV Bayer Dormagen: In der heimischen Scharrena hat der Handball-Zweitligist TV Bittenfeld alles im Griff. „Wir möchten uns in den Heimspielen den Schwung holen, den wir in den Auswärtsspielen brauchen“, sagt der Bittenfelder Kapitän Florian Schöbinger nach dem jüngsten Sieg.

Vor gut zwei Wochen hatten die Bittenfelder den TV Emsdetten mit einer 15-Tore-Packung auf die Heimreise geschickt, Bayer Dormagen hat’s nun genauso hart getroffen. Wie schon der Emsdettener Trainer Daniel Kubes, so trug auch der Dormagener Coach die Schlappe mit Fassung. „Die Niederlage geht auch in dieser Höhe in Ordnung“, sagte Jörg Bohrmann bei der Pressekonferenz nach dem Spiel – und sorgte mit dem nächsten Satz für Gelächter unter den Gästen. „Aber jetzt haben wir ja mit Leipzig einen richtig leichten Gegner.“ Leipzig und die Rimpar Wölfe sind die beiden einzigen Teams, die in der 2. Bundesliga nach sechs Spieltagen noch ohne Punktverlust sind – und damit vier Punkte besser dastehen als die Bittenfelder.

Am Samstagabend wird Bohrmann wissen, was der Aufstiegskandidat SC DHfK Leipzig draufhat. Womöglich kam sein Urteil über den TVB etwas verfrüht. „Für mich ist Bittenfeld zurzeit die spielstärkste Mannschaft der Liga.“ Seine junge Mannschaft, die zudem in der Scharrena ohne vier wichtige Spieler auskommen musste, müsse noch lernen. Er hofft, dass dieser Prozess nicht allzu lange dauern wird beim Aufsteiger. „Ich habe jedenfalls Bock, auch in der nächsten Saison vor so einer geilen Kulisse gegen Bittenfeld zu spielen“, sagte Bohrmann.

Wer körperlich so deutlich im Nachteil ist wie die Dormagener am Freitag gegen den TVB, der muss sich etwas einfallen lassen, um den Gegner in Verlegenheit zu bringen. Das versuchte Bohrmann auch, als er vom Anpfiff weg in der 3:3-Deckung spielen ließ. „Mit dieser Formation haben wir zwar nicht unbedingt gerechnet“, sagt der Bittenfelder Trainer Jürgen Schweikardt. „Aber allzu sehr überrascht waren wir auch wieder nicht.“ Seine Spieler seien darauf vorbereitet gewesen, dass Dormagen von der gewöhnlichen Deckungsformation abweichen könnte. „Als wir uns besser ohne Ball bewegt haben, ging’s dann auch. Wichtig war, dass wir die Ruhe bewahrt haben.“ Für Hektik sorgten in der Anfangsphase vornehmlich die Schiedsrichter Thomas Kern und Thorsten Kuschel. Deshalb gab’s zwischen den Unparteiischen und dem Bittenfelder Trainer schon während der Partie einigen Gesprächsbedarf, der mit der Gelben Karte für Schweikardt ein Ende fand. „Wir waren unterschiedlicher Auffassung, was die Auslegung der Stürmerfouls war“, sagt Schweikardt.

Sehr gut gefallen haben dem Trainer die letzten zwölf Minuten vor der Halbzeit: Nach einem 10:1-Lauf war zur Pause alles klar zugunsten des TVB. „Da haben wir unsere Ballgewinne mit konsequentem Tempospiel in Tore umgewandelt.“

Angesichts des Zwölf-Tore-Vorsprungs war in den zweiten 30 Minuten die Zeit gekommen für das eine oder andere kleine Experiment. So agierte der TVB im Rückraum phasenweise mit Richard Sundberg, Martin Kienzle und Djibril M’Bengue. Dass der Ball nicht immer flüssig durch die Reihen lief und es bisweilen etwas unruhig zuging auf dem Spielfeld, sei den vielen Wechseln geschuldet gewesen, sagt Schweikardt. „So hatte aber jeder Gelegenheit, sich einzuspielen.“

Schon morgen (20 Uhr) geht’s weiter für den TVB: Beim Aufsteiger GSV Eintracht Baunatal soll der zweite Auswärtssieg her.