“Wir wissen den Sieg einzuschätzen”

Ein paar Stunden haben die Spieler des Handball-Zweitligisten TV Bittenfeld den 38:23-Sieg gegen den TV Emsdetten am Sonntagabend genossen, auch gestern Vormittag beim Videostudium durften sie sich an ihrer starken Leistung laben. Der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt weiß indes auch, dass in diesem Spiel bei seinem Team alles klappte und beim Gegner nichts.

Während die Fans in der Scharrena nach der Schlusssirene ihren TVB minutenlang feierten, kauerte Nils Babin am Pfosten seines Tores. Der Emsdettener Keeper und das Torgestänge hatten in den letzten fünf Minuten verhindert, dass die Gäste unter 40 Gegentreffern blieben. In den 55 Minuten davor jedoch hatten Babin und dessen Kollege Stefan Nippes den Würfen der Bittenfelder lediglich hinterhergeblickt.

Sehr zum Frust auch des Emsdettener Trainers. „Mir war klar, dass uns hier eine schwierige Aufgabe erwarten würde“, sagte Daniel Kubes kurz nach dem Spiel. „Aber das konnte ich den Jungs irgendwie nicht vermitteln.“ Trotz der bitteren Pleite bewies der ehemalige Spieler des THW Kiel bei der Spielanalyse Humor. „Es war eine gute Erfahrung für uns. Wir werden jetzt mehr arbeiten und versuchen, das nächste Mal hier nicht mit 15 Toren Differenz zu verlieren, sondern vielleicht mit zehn oder fünf.“

Kubes’ Trainerkollege dagegen hatte allen Grund zur Freude. Der Auftritt seiner Mannschaft erinnerte an die starke Rückrunde der vergangenen Saison. „Die Jungs dürfen dieses Spiel jetzt erst mal genießen“, sagte Jürgen Schweikardt bei der Pressekonferenz – und blickte bereits voraus auf das kommende Auswärtsspiel gegen den VfL Bad Schwartau am Freitag. Das Ex-Team des neuen Bittenfelder Rechtsaußen Finn Kretschmer dürfte es den Bittenfeldern nicht so leicht machen wie der TV Emsdetten, über dessen tatsächliche Stärke zu diesem frühen Saisonzeitpunkt noch gerätselt werden darf.

Der Erstliga-Absteiger war zwar vor der Saison zu den Aufstiegskandidaten gezählt worden und hatte diesen Anspruch mit 5:1 Punkten auch untermauert. Allerdings dürften die bisherigen Gegner ASV Hamm-Westfalen, SV Henstedt-Ulzburg und TV Hüttenberg nicht zu den Stärksten der Liga zählen. Vor der ersten Bewährungsprobe stand Emsdetten in der Scharrena – und fiel durch.

Möglicherweise benötigt das neu zusammengestellte Team noch ein paar Wochen, bis ein Rädchen ins andere greift. Da sind die eingespielten Bittenfelder einen großen Schritt weiter – und haben seit Sonntag eine weitere, ganz wichtige Option im Kader: Die Rückkehr des zehn Wochen lang verletzten Kreisläufers Simon Baumgarten macht den TVB noch weniger ausrechenbar. „Natürlich braucht Simon noch Spielpraxis“, sagt Jürgen Schweikardt. „Aber alleine durch seine Präsenz hilft er uns schon sehr weiter, ich hätte nicht gedacht, dass es im ersten Spiel schon so gut funktioniert.“

Erst dreimal gelangen dem TVB in der 2. Liga mehr Treffer

Baumgarten fügte sich nahtlos ein in ein Bittenfelder Team, das äußerst homogen auftrat. Alle Spieler bekamen ausreichend Spielanteile, der Fluss ging dabei nie verloren. Da fällt’s dem Trainer schwer, einzelne Spieler hervorzuheben. Die Fans feierten vor allem den Torhüter Dragan Jerkovic. Irgendwann schienen sich die Emsdettener Angreifer nicht mehr zu trauen, aufs Tor zu werfen. Wenn sie es doch wagten, waren die Versuche meist schlecht, was zu großen Teilen der Bittenfelder Deckung geschuldet war. „Alle Spieler haben sich 60 Minuten lang aufgeopfert, sie hatten durch die Bank eine super Einstellung“, sagt Jürgen Schweikardt.

Auf der anderen Seite hielt sich die Gegenwehr der Emsdettener Defensive in Grenzen. Vor allem auf den Bittenfelder Rückraum bekamen die Gäste keinen Zugriff, für 23 der 38 Treffer waren die Distanzschützen des TVB zuständig. Nur dreimal übrigens in sieben Jahren 2. Liga hat der TVB mehr Tore erzielt als am Sonntag, zuletzt am 26. Dezember 2012 beim furiosen 41:25 gegen den SC DHfK Leipzig in der Porsche-Arena.

„Wir haben gegen Emsdetten sehr viel richtig gemacht“, sagt Jürgen Schweikardt. Der Angriff habe mit der Konsequenz agiert, die der Coach zuletzt bisweilen vermisst hatte. „Allerdings hat uns Emsdetten, das keinen guten Tag erwischt hat, auch gewähren lassen. Deshalb wissen wir den Sieg sehr wohl einzuschätzen.“