Bittenfeld träumt noch von einem Finale

Die erste Entscheidung in der 2. Handball-Bundesliga ist am drittletzten Spieltag gefallen: Die TSG Friesenheim steht als Aufsteiger in die 1. Liga fest. Bittenfeld kann die SG BBM Bietigheim nicht mehr einholen, ganz aus dem Rennen indes ist er noch nicht – und jagt Erlangen. „Sollten Erlangen die Nerven flattern, möchten wir da sein“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt.

Natürlich wird zwei Spiele vor Saisonende eifrig gerechnet im Rennen um die beiden verbleibenden Aufstiegsränge, nachdem die Friesenheimer Eulen mit dem 28:25-Sieg in Neuhausen alles klar gemacht haben. Am wenigsten grübeln müssen dabei die Bietigheimer, die sich offensichtlich nicht mehr von ihrem Weg in die 1. Liga abbringen lassen. Das 34:27 in Rostock war der siebte Sieg in Folge der SG, die damit am HC Erlangen vorbeizog und jetzt Zweiter ist. Das bedeutet, aus den verbleibenden beiden Partien gegen Erlangen und in Stuttgart gegen den TVB benötigt das Team von Trainer Hartmut Mayerhoffer lediglich noch einen Punkt.

Entscheidung könnte am letzten Spieltag fallen

Weil die Erlanger beim 23:24 gegen TUSEM Essen überraschend ihre erste Heimniederlage einstecken mussten und der Tabellenvierte DHfK Leipzig ebenso unerwartet beim 24:24 gegen Hildesheim einen Punkt einbüßte, sind auch die Bittenfelder nach wie vor im Geschäft. Mit den geringsten Chancen freilich, weil alles für sie laufen müsste am 35. und 36. Spieltag. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass erst beim Saisonfinale am 25. Mai der dritte Aufsteiger gefunden wird. Der hieße TV Bittenfeld, falls Leipzig (in Aue und gegen Friesenheim) noch mindestens einen Punkt liegen lässt und Erlangen (in Bietigheim und gegen Hüttenberg) komplett leer ausgeht.

Letzteres ist eher unwahrscheinlich. Außerdem stehen die Bittenfelder vor der schwierigsten Aufgabe überhaupt: In Essen und gegen Bietigheim darf nichts anbrennen. „Unser Ziel ist es jetzt, mit einem Sieg in Essen Druck auf Erlangen auszuüben“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt. Möglicherweise zeigen die Franken ja auch noch Nerven. „Und am letzten Spieltag ist vieles möglich.“ Das wissen die Bittenfelder selbst am besten: In ihrer ersten Zweitligasaison schafften sie mit einem Sieg in Hüttenberg den Ligaverbleib auf den letzten Drücker.

Selbst wenn den Bittenfeldern die Chance auf ein großes Finale verwehrt bleiben sollte: Der Coach möchte die Runde so erfolgreich wie möglich zu Ende spielen und den Fans noch einmal guten Sport bieten. „Wir spielen eine super Rückrunde“, sagt Schweikardt. „Und es freut uns sehr, dass unsere Fans dies honorieren.“

Der Zuspruch ist groß, gegen die als Absteiger feststehende SG Leutershausen kamen am Freitag fast 1800 Fans auf die Tribüne der Scharrena – und sie bekamen zumindest 30 Minuten einiges geboten: Mit 20:7 demütigten die Bittenfelder den Gegner. Entsprechend bedient war der Leutershausener Trainer. „Ich bin stinksauer, es tut mir leid für die Zuschauer, dass wir uns so präsentiert haben“, sagte Marc Nagel bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. „Beim 20:7 zur Pause möchte ich eigentlich nicht mehr weiterspielen, weil’s dann nur noch blöd wird.“ In der zweiten Halbzeit sei’s ein „hässliches“ Handballspiel gewesen.

„Schön war’s nicht mehr anzusehen“, sagte der Bittenfelder Trainer. Dafür hatte Jürgen Schweikardt in den ersten 30 Minuten deutlich mehr Spaß als sein Kollege. „Das war sehr, sehr gut.“ Ein Sonderlob hatte der Coach für einen parat, dessen Spielanteile in dieser Saison bisher überschaubar waren. Aus nachvollziehbaren Gründen, schließlich hat Djibril M’Bengue mit Lars Friedrich im rechten Rückraum einen Top-Spieler vor der Nase sitzen.

Am Sonntag indes, in Abwesenheit des verletzten Friedrich, startete der 21-Jährige voll durch. „Djibril hat das super gemacht“, sagt sein Trainer. Mutig und treffsicher agierte er im Angriff, auch in der Abwehr stand er seinen Mann. M’Bengue war auch deshalb wichtig, weil’s bei Dominik Weiß nicht ganz so rund lief wie zuletzt. „Ihm haben die letzten zehn Prozent gefehlt“, sagt sein Trainer. Einen starken Eindruck indes hinterließ erneut der Torhüter Dragan Jerkovic. Mit ihm ist Schweikardt ebenso zufrieden wie mit Jürgen Müller. „Beide spielen derzeit sehr gut.“

Deutlich schwächer war gegen Leutershausen das Niveau nach der Pause. „Wir haben es leider nicht geschafft, die Spannung hochzuhalten“, sagt Schweikardt. „Als Trainer muss man allerdings angesichts eines so hohen Vorsprungs auch ein bisschen Verständnis aufbringen.“

Im letzten Auswärtsspiel geht’s am Freitag (19.30 Uhr) nach Essen. Bei einem Punktverlust wäre der TVB aus dem Rennen. Eher gering sind die Chancen auf ein Comeback von Simon Baumgarten (Leberprellung) und Lars Friedrich (Innenbandanriss). „Wenn unsere medizinische Abteilung ihr Okay gibt, werden sie spielen“, sagt Schweikardt. Weniger Hoffnung hat er, dass sein Bruder Michael noch einmal eingreifen wird. Der Heilungsprozess mache keine erkennbaren Fortschritte. „Ich glaube eher, dass die Saison für ihn gelaufen ist.