Bittenfeld holt jungen Rechtsaußen

Der erste Neuzugang des Handball-Zweitligisten TV Bittenfeld für die nächste Saison ist fix: Vom Liga-Konkurrenten VfL Bad Schwartau kommt Finn Kretschmer (siehe Bild oben, Nr. 24). Der Linkshänder, der einen Zweijahresvertrag unterschrieben hat, wird zusammen mit Michael Seiz (21) die rechte Seite bilden. Der Vertrag mit dem Rechtsaußen Peter Jungwirth wird nicht verlängert.

„Wir wollten auf Rechtsaußen eine Veränderung“, sagt Günter Schweikardt, Sportlicher Leiter des TV Bittenfeld. „Wir haben auf dieser Position zuletzt nicht immer glücklich gespielt.“ Finn Kretschmer habe er schon seit der vergangenen Saison im Visier, sagt Schweikardt. Damals habe dem Talent noch ein wenig die Stabilität gefehlt, in der laufenden Spielzeit habe Kretschmer einen großen Schritt nach vorne gemacht und gute Leistungen gezeigt.

Athletisch müsse Kretschmer noch zulegen, mit seinen 1,93 Metern habe er jedoch gute Voraussetzungen. Der TVB plant den Neuen auf der rechten Außenbahn ein, er kann aber auch im rechten Rückraum spielen – und er ist eine Option in der halbrechten Abwehrformation. „Natürlich muss Finn noch lernen, das wissen wir und das weiß auch er“, sagt Schweikardt. Dass der TVB mit zwei ganz jungen Außenspielern in die neue Saison gehen wird, sei sicher ein gewisses Risiko. „Aber wir vertrauen den beiden und sind sicher, dass sie sich weiterentwickeln werden.“

Der Bruder spielt in Großwallstadt

Das hofft auch Finn Kretschmer. „Für mich ist das natürlich ein großer Schritt“, sagt er und lacht. „Vor allem räumlich.“ Er habe Lust verspürt, etwas Neues auszuprobieren. „Und ich habe mir gesagt, warum probierst du’s nicht im Süden?“ Vom Timmendorfer Strand nach Bittenfeld – das ist nicht gerade um die Ecke. Immerhin nähert sich der ehemalige Jugend-Nationalspieler so seinem Bruder: Nils steht beim Liga-Konkurrenten TV Großwallstadt unter Vertrag. Der Vater, Holger Kretschmer, spielte einst mit dem VfL Bad Schwartau und GWD Minden in der 1. Liga.

Beim TV Bittenfeld möchte sich Finn Kretschmer, der im Juni 20 Jahre alt wird, zunächst auf den Handball konzentrieren und in naher Zukunft eine Ausbildung oder ein Studium beginnen. „Am liebsten Sportmarketing oder Betriebswirtschaft“, sagt er. Die größte Herausforderung indes wartet auf Kretschmer bereits vor dem Einstieg ins Berufsleben: Mit Englisch und Französisch alleine wird er in Bittenfeld nicht weit kommen. Nachhilfe in Schwäbisch könnte Kretschmer beispielsweise bei Daniel Sdunek oder Lars Friedrich nehmen.

Mit der Verpflichtung von Kretschmer hat der TV Bittenfeld eine von drei offenen Baustellen geschlossen. Auf mindestens zwei Positionen besteht noch Handlungsbedarf: Im linken Rückraum ist die Stelle von Dennis Szczesny vakant, der sich zur neuen Saison dem Liga-Konkurrenten TUSEM Essen anschließen wird. „Es laufen Gespräche mit Spielern, es gibt aber noch keinen Favoriten“, sagt Günter Schweikardt. Sollte ein Kandidat überzeugen, könne die Entscheidung rasch fallen. Ansonsten verfahre der TVB nach seiner bewährten Taktik: Der neue Mann müsse ins Gefüge passen, die sportliche Qualität alleine sei nicht ausschlaggebend.

Verändern wolle sich der TVB auch auf der Torhüterposition, sagt Schweikardt. Bisher wurde lediglich der Vertrag mit Daniel Sdunek um ein Jahr verlängert.

Finn Kretschmer

Finn Kretschmer wurde am 2. Juni 1994 in Lübeck (Schleswig-Holstein) geboren. Er ist 1,93 Meter groß.

Von 1998 bis 2009 spielte er beim NTSV Strand 08, 2009 bis 2010 beim SC Magdeburg. 2010 wechselte er zum VfL Bad Schwartau. 2013 machte Kretschmer die Fachhochschulreife, derzeit absolviert er ein Praktikum.